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Dienstag, 08. März 2016

Deckeln oder drosseln? : Wie die Ölförderer am Preis drehen wollen

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Der Ölpreis ist seit Mitte Juni vergangenen Jahres um 70 Prozent eingebrochen. (Foto: REUTERS)

Der Ölpreis ist seit Mitte Juni vergangenen Jahres um 70 Prozent eingebrochen.

Der Ölpreis ist seit Mitte Juni vergangenen Jahres um 70 Prozent eingebrochen.

Die Schmerzgrenze für die Ölförderer ist lange erreicht. Aber das Angebot auf dem Weltmarkt ist riesig.

Nicht nur die junge Fracking-Industrie in den USA hat dafür gesorgt. Die größten Ölförderer der Welt - Saudi-Arabien und Russland - haben selbst kräftig dazu beigetragen, dass es Öl im Überfluss auf dem Markt gibt.

Was auf der Angebotsseite zu viel ist, ist auf der Nachfrageseite zu wenig. Schuld ist China: Die Konjunktur wächst langsamer. Entsprechend hungert die Industrie auch weniger nach dem Schmiermittel für Wachstum.

Eigentlich wollten die konventionellen Förderer, allen voran die Staaten des Ölkartells Opec, die Flaute beim Ölpreis aussitzen und so die Wettbewerber aus den USA aus dem Markt drängen.

Doch die jungen Fracking-Unternehmen beweisen deutlich längeren Atem als die konventionellen Förderer erwartet hatten.

Eine Trendwende beim Ölpreis ist nicht in Sicht.

Vier Ölförderer - Saudi-Arabien, Russland, Katar und Venezuela - gründen deshalb eine Initiative, um den Ölpreis zu stabilisieren.

Ihr größtes Problem: Opec-Länder wie Nicht-Opec-Länder - sie alle pumpen inzwischen um die Wette.

Saudi-Arabien, das mächtigste Mitglied der Opec, hat seine täglichen Fördermengen auf 13,5 Millionen Barrel pro Tag hochgeschraubt, um seine klammen Staatskassen zu füllen. (Im Bild: Ölminister Ali al-Naimi)

Große Förderer wie Russland oder Kanada halten es genauso. Eine fatale Entscheidung, denn das zusätzliche Öl bringt den Preis noch mehr unter Druck. Mit dieser Spirale soll Schluss sein.

Saudi-Arabien, Russland, Katar und Venezuela einigen sich in Doha darauf, die Ölförderung auf den Stand von Anfang 2016 zu deckeln. Bedingung: Andere Staaten schließen sich an und weiten ihre Produktion ebenfalls nicht aus.

Die Absichtserklärung droht an dem klaren Nein Irans zu scheitern. Der Rückkehrer an den Ölmarkt hat eigene Pläne. (Im Bild: Arnaud Breuillac, Präsident der Total Exploration and Production Group (r), Roknoddin Javadi, Chef der staatlichen iranischen Öl- und Gasgesellschaft (l) sowie Irans Präsident Hassan Rouhani (hinten l) und verdeckt Frankreichs Staatschef François Hollande bei einem Treffen in Paris im Januar)

Teheran will nach dem Ende der westlichen Sanktionen seinen Teil am Ölkuchen zurück. Die Produktion soll von derzeit etwa 2,7 Millionen Barrel pro Tag bis Jahresende um etwa eine Million steigen - ein Klacks im Vergleich zu den Fördermengen der anderen Staaten.

Bevor der Streit über das iranische Atomprogramm eskalierte, war Iran ein bedeutender Ölförderer. Der Gottesstaat verfügt weltweit über das zweitgrößte Vorkommen an Öl.

Im Opec-Kartell war er lange Zeit nach Saudi-Arabien - dem mit Abstand mächtigsten Mitgliedsland - der größte Produzent.

Insider berichten, der Iran sei nicht nur fest entschlossen, seine alte Position am Ölmarkt zurückzuerobern. Teheran sei auch überzeugt, dass eine Deckelung der Ölförderung nicht ausreichen wird, um die Preise in die Höhe zu treiben. Dafür werde weltweit zu viel Öl produziert.

Trotz der Abfuhr aus Teheran versucht Russland, ein Zeichen zu setzen. Als Signal an alle Wettbewerber hält es seine Ölförderung im Februar - immerhin - konstant. Mehr als ein Signal ist es dennoch nicht. Am Ölmarkt verpufft die Geste.

Nicht zuletzt, weil Russland selbst den Markt mit Öl überflutet. Laut russischem Energieministerium wurden im Januar fast 11 Millionen Fass pro Tag gefördert - monatlich rund 46 Millionen Tonnen.

Das ist so viel Öl, wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr - und fast so viel wie die Saudis derzeit pumpen.

Die Frage bleibt: Wie soll sich beim Ölpreis etwas ändern, wenn alles beim Alten bleibt?

Russland steckt in der für große Ölstaaten typischen Bredouille. Das Land ist stark abhängig von seinen Rohstoffen Öl und Gas. Der Staatshaushalt trocknet ohne diese Einnahmen aus. Um die Ausgaben zu decken, müsste Moskau ein Barrel Öl für 4000 Rubel verkaufen. Das sind knapp 55 Dollar. Ein Fass der amerikanischen Rohölsorte WTI kostet derzeit jedoch nur 36 Dollar.

Auch den deutlich reicheren Staaten wie Saudi-Arabien ergeht es nicht besser - auch hier ist Umdenken inzwischen an der Tagesordnung. Der Ölpreis muss rauf. Gleichzeitig sollen neue Geldquellen erschlossen werden.

Den größten Druck aber hat Venezuela. Wie es aussieht, wird das Land das erste Opfer des globalen Ölpreisverfalls sein. Obwohl es die größten Ölreserven der Welt besitzt, steht das Land vor dem Kollaps. (Im Bild: Venezuelas Präsident Nicolas Maduro)

2013 verdiente Venezuela mit seinem Öl mehr als 42 Milliarden Dollar, 2015 waren es nur noch 12 Milliarden - ein Einbruch um 70 Prozent. Im Ranking der Länder mit der höchsten Ölfördermenge rangiert es auf Platz zehn. Am Runden Tisch der Ölförderer ist es ein wichtiges Mitglied.

Aber kann eine Deckelung der Fördermengen diesen Preisabsturz aufhalten oder gar umkehren? Fraglich. Dennoch hat sich noch keiner für eine Drosselung starkgemacht. Laut Opec-Insidern ist damit auch in Zukunft nicht zur rechnen. Das Kartell trifft sich das nächste Mal im Juni.

Venezuela will Mitte des Monats zehn Förderer aus Opec-Staaten und Nicht-Opec-Staaten an einen Tisch bringen. Das Ziel ist das alte: Die Deckelung der Fördermengen. Welche Staaten genau an dem Tisch sitzen werden, ist noch nicht bekannt.

Eigentlich müssten es die größten Förderländer sein. Das wären neben Saudi-Arabien und Russland ...

... auch die USA, China und Kanada. Diese Länder halten zusammen einen Anteil von knapp 50 Prozent an der Weltförderung.

Doch ein runder Tisch mit Fracking- und konventionellen Förderern steht wohl nicht zur Debatte. Eher rauscht der Ölpreis weiter gen null Dollar. (Text: Diana Dittmer)

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