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Wer hat noch nicht, wer will nochmal? Das Rettungspaket für den deutschen Finanzsektor ist beschlossen, jetzt geht es für die Banken um die Wurst. Sage und schreibe 480 Milliarden Euro liegen in der Auslage.
Doch Wurst ist nicht gleich Wurst. Das größte Stück, nämlich 400 Milliarden, dient lediglich Bürgschaften. Die Banken dürfen also schnuppern, aber nicht zubeißen.
Anders sieht es bei den verbleibenden 80 Milliarden aus. Von diesem Geld können sich Banken jeweils bis zu 10 Milliarden Euro abschneiden. Gratis gibt es das jedoch nicht: Im Gegenzug erwartet der Rettungsfonds eine "marktgerechte" Vergütung.
Für die Bankmanager sind zudem die fetten Jahre vorerst vorbei: Mehr als 500.000 Euro jährlich darf nach der Kapitalspritze niemand verdienen, Abfindungen und Boni sind tabu.
Auch die Aktionäre sitzen erst einmal auf dem Trockenen. Dividenden dürfen - wenn überhaupt - nur an den Rettungsfonds gezahlt werden.
Entsprechende Auflagen hat das Bundeskabinett in die Durchführungsverordnung des Rettungspaketes geschrieben. Auf dem Papier ist damit alles klar.
Angesichts schwindelerregender Summen von Milliarden und Abermilliarden gerät manchem die gesamte Dimension des Rettungspaketes aus dem Blick. Wir zählen deshalb nach.
Der Rettungsfonds stellt Banken 80 Milliarden Euro Kapital zur Verfügung. Zudem kalkuliert der Bund damit, dass der Fonds bei fünf Prozent der Garantien über 400 Milliarden Euro tatsächlich einspringen muss - macht also 20 Milliarden zusätzlich.
Unter dem Strich müssen also zunächst 100 Milliarden Euro - eine Eins mit elf Nullen - aufgebracht werden. Vorstellbar ist eine solche Summe nur schwerlich.
100 Milliarden sind keine "Peanuts" - im Gegenteil: Die Summe würde ausreichen, um ein Vielfaches der weltweiten Jahresernte von Erdnüssen aufzukaufen - doch Spaß beiseite.
100 Milliarden Euro sind beispielsweise nur wenig mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Neuseeland.
Würde man für 100 Milliarden Euro Gold kaufen und zu einem massiven Würfel zusammenschmelzen, wäre dieser jeweils sechseinhalb Meter breit, hoch und tief...
...und würde mit rund 5200 Tonnen mehr als halb so viel wie der Pariser Eiffelturm wiegen.
Wer 100 Milliarden im Lotto gewinnen möchte, muss sich dringend mit Fortuna gutstellen: 1923 Jahre lang müsste man jede Woche eine Million gewinnen, dann reicht's für das Rettungspaket - von Inflation reden wir dabei lieber nicht.
Wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, lassen sich mit 100 Milliarden auch Teile des Bundeshaushalts finanzieren - bei anvisierten Ausgaben von 283 Mrd. Euro rund ein Drittel.
Rund 75 Milliarden Euro fließen 2008 aus Steuermitteln in die Sozialversicherung, der Löwenanteil davon in die Rentenversicherung.
Für die Unterstützung von Langzeitarbeitslosen und Arbeitssuchenden gibt der Bund 2008 rund 35 Milliarden Euro aus. Darin enthalten sind auch rund 20 Milliarden für ALG-II-Zahlungen.
Mehr als ein Viertel würde zur Finanzierung des Verteidigungshaushaltes ausreichen, der bei 28 Milliarden Euro liegt.
Was ausgegeben wird, muss auch eingenommen werden - zum Beispiel über Steuern. Mit erwarteten 124 Milliarden Euro werden die gesamten Einnahmen aus der Lohnsteuer 2008 nur ein Stück über den 100 Milliarden für das Rettungspaket liegen.
Rauchverbot hin oder her, die Einnahmen aus der Tabaksteuer bescheren dem Staat 2008 geschätzte Einnahmen von 13,6 Milliarden Euro.
Dass die Deutschen Biertrinker sind, lässt sich auch an den Steuereinnahmen ablesen. Während die Biersteuer 787 Millionen ins Staatssäckel spült, ...
...zieht die Sektsteuer, unter Steuerexperten auch Schaumweinsteuer genannt, mit 463 Millionen Euro klar den Kürzeren.
Keine Chance haben sie jedoch gegen den Goliath der Konsumsteuern, die Umsatzsteuer. Mit geschätzten 137 Milliarden Euro liegen die Einnahmen 2008 ein gutes Stück über dem beschlossenen Milliardenpaket für den Bankensektor.
Für 100 Milliarden könnte man übrigens - größere Kursschwankungen ausgeschlossen - in diesen Tagen auch Volkswagen vollständig übernehmen.
Dieser Job ist jedoch bereits vergeben... (Text: Nikolas Neuhaus / Stand: 20.10.2008/ Bilder: AP/ dpa / rts)
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