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Wirtschaft

"Das hässliche Gesicht des Turbokapitalismus": Wut nach GM-Kehrtwende

 
"Das hässliche Gesicht des Turbokapitalismus": Wut nach GM-Kehrtwende

Der US-Autobauer General Motors will Opel nun doch behalten. Der GM-Verwaltungsrat entschied sich am 3. November nach monatelangem Tauziehen gegen den geplanten Verkauf an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna.

In Deutschland löste die überraschende Kehrtwende Entsetzen und Wut aus. Hier einige Zitate:

ULRICH WILHELM, Regierungssprecher: "Was ich sagen kann ist, dass es keinen Hinweis gab auf einen Meinungsumschwung."

KLAUS FRANZ, Opel-Betriebsratschef: "Den Weg zurück zu General Motors werden wir nicht mitgestalten, sondern unsere klassische Schutzfunktion für die Belegschaften wahrnehmen."

RAINER BRÜDERLE (FDP), Bundeswirtschaftsminister: "Das Verhalten von General Motors gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist völlig inakzeptabel."

JÜRGEN RÜTTGERS (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen: "Nach mehreren Zusagen und monatelangen Verhandlungen lässt die Spitze von GM die Arbeitnehmer im Regen stehen. Dieses Verhalten von General-Motors zeigt das hässliche Gesicht des Turbokapitalismus. Das ist völlig inakzeptabel. Wir werden weiter für Opel und den Standort Bochum kämpfen."

ROLAND KOCH (CDU), Ministerpräsident von Hessen: "Ich bin sehr betroffen und verärgert. Wir sehen mit erheblichem Interesse, was General Motors nun vorlegen wird. Wenn ein Unternehmen sagt, es ist selbst in der Lage, die Probleme zu lösen, dann ist die Politik draußen."

KURT BECK (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz: "Die Entscheidung ist eine Zumutung für die Beschäftigten von Opel, die unvorstellbaren Belastungen ausgesetzt sind. GM hat kein Konzept."

GREGOR GYSI, Fraktionsvorsitzender Die Linke im Bundestag: "Die Bundesregierung hat bei Opel auf ganzer Linie versagt. Während die Kanzlerin vom US-Kongress beklatscht wird, zieht sie der staatseigene GM-Konzern am Nasenring durch die Manege."

DIRK PFEIL, Mitglied des Opel-Treuhandbeirats: "Ich halte die Entscheidung von GM für richtig. Die Chancen, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, sind mindestens so groß wie unter Magna."

OLIVER BURKHARD, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen: "Das ist eine Dreistigkeit gegenüber den Beschäftigten, die jetzt schon seit Monaten im Ungewissen über ihre Zukunft sind. Es ist ein Affront sondergleichen gegenüber den Mitarbeitern und allen, die mitgeholfen haben, 'New Opel' an den Start zu bekommen."

ARMIN SCHILD, Frankfurter IG-Metall-Chef und Opel-Aufsichtsratmitglied: "Wer zwölf Monate braucht, um zu erkennen, dass die eigene Tochter überlebensfähig ist und sechs Monate braucht, um zu entscheiden ob sie heiraten darf, hat sich als verantwortlicher Arbeitgeber selbst disqualifiziert."

CHRISTINE LIEBERKNECHT (CDU), Thüringer Ministerpräsidentin: "Das war jetzt doch noch mal ein wirklicher Tiefschlag, mit dem wir so nicht gerechnet hatten."

TONY WOODLEY; Generalsekretär der britischen Gewerkschaft Unite mit Blick auf die beiden englischen Werke der Opel-Schwester Vauxhall (in blau): "Es ist die beste Entscheidung für Großbritannien und unsere Fabriken."

OPEL-MITARBEITER (anonym): "Wenn GM sich jetzt hinstellt und behauptet, wir halten zu euch, glaubt das keiner mehr - auch wenn die Hand auf der Brust liegt, die amerikanische Flagge weht und die Musik im Hintergrund spielt."

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