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Wirtschaft

Der Bankenstresstest 2011: Zwölf Sieger und ein schwarzes Schaf

 
Der Bankenstresstest 2011: Zwölf Sieger und ein schwarzes Schaf

Wie fit sind die deutschen Kreditinstitute? Sind sie stabil genug, eine neue Krise ohne Staatshilfe zu überstehen?

Antworten auf diese Fragen soll der große europäische Stresstest im Bankensektor liefern. Es ist erst der zweite seiner Art.

Insgesamt 91 der wichtigsten Kreditinstitute hat die Europäische Bankenaufsicht Eba getestet.

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ist nach einem Streit mit der Aufsichtsbehörde aus dem Stresstest ausgestiegen. Aus Deutschland nehmen damit nur noch zwölf Banken teil.

Bestanden haben alle zwölf, doch ein Blick in die Details offenbart große Unterschiede beim Abschneiden.

Beste im Test ist die Landesbank Berlin. Ihr ohnehin großzügiges hartes Kernkapital schrumpft im Stress-Szenario einer EU-weiten Rezession auf 10,4 Prozent. Damit verfügt die Bank über rund doppelt so viel finanziellen Puffer wie mindestens erforderlich.

In den Büchern der Bank liegen Ende 2010 griechische Staatsanleihen für 448 Mio. Euro, vor allem mit ein- und fünfjähriger Laufzeit. In den beiden anderen Euro-Krisenstaaten Portugal und Irland ist die LBB nicht engagiert.

Von Altlasten befreit, nimmt auch die HRE Holding ohne Bauchschmerzen am Test teil. Das Kerngeschäft der ehemaligen Hypo Real Estate liegt heute in der Deutschen Pfandbriefbank. Die Schrottpapiere, die ihr beim letzten Test das Leben schwer machten, schlummern längst in einer Bad Bank.

War die Bank beim letzten Stresstest noch deutlich von der Finanzkrise gezeichnet und gehörte damit zu den wenigen Durchfallern, steht das Institut heute mit einer harten Kernkapitalquote von 10,0 Prozent unter Stress-Bedingungen wie von Zauberhand besser da als die meisten anderen Konkurrenten. Griechenland-Anleihen hält die Bank nicht, lediglich Portugal und Irland machen 538 Mio. Euro des Anleiheportfolio aus.

Drittsolideste deutsche Bank im Test ist die DekaBank, der Finanzmarktdienstleister der Sparkassen. Sie hält unter simuliertem Stress ihre harte Kernkapitalquote bei 9,2 Prozent. Der Rückzug der Landesbanken aus dem Institut hat keine spürbaren negativen Folgen für die Dekabank.

Keine andere Bank im Stresstest hält zum Stichtag weniger Staatsanleihen der drei Euro-Sorgenstaaten in ihrem Bestand. Insgesamt stecken 148 Mio. Euro in Papieren aus Griechenland, Irland und Portugal.

Auch die WGZ Bank, die Zentralbank der Volksbanken und Raiffeisenbanken, präsentiert sich mit einer harten Kernkapitalquote von 8,7 Prozent stressresistent. Ihr Bestand an Anleihen aus den drei Euro-Sorgenstaaten summieren sich jedoch auf rund 1 Mrd. Euro, die vor allem in langlaufenden Anleihen aus Griechenland und Portugal investiert sind.

Mit einer harten Kernkapitalquote von 7,1 Prozent liegt die Landesbank Baden-Württemberg knapp unter dem Schnitt aller deutscher Institute von 7,5 Prozent. Die LBBW wäre während der Finanzkrise nicht ohne milliardenschwere Kapitalspritzen der Eigner ausgekommen.

Die LBBW weist zum Ende 2010 vor allem Bestände griechischer Staatsanleihen auf. Insgesamt steht die LBBW hier mit 769 Mio. Euro im Risiko, mehrheitlich mit Papieren mit einer Laufzeit von 5 und mehr Jahren. Insgesamt machen Anleihen der drei Euro-Sorgenstaaten 864 Mio. Euro im Portfolio aus.

Auch die BayernLB kommt im Stresstest auf eine harte Kernkapitalquote von 7,1 Prozent. Und auch die Bayerische Landesbank musste in der Finanzkrise mit vielen Milliarden vom Steuerzahler gerettet werden.

Ihre Bestände an Staatsanleihen aus Griechenland, Irland oder Portugal liegen jedoch mit insgesamt 165 Mio. Euro deutlich niedriger. Die meisten Papiere, insgesamt 145 Mio. Euro, stammen dabei aus Griechenland.

Die Zentralbank der Kreditgenossenschaften, die DZ Bank, kommt unter den Stressszenarien der Bankenaufsicht auf eine harte Kernkapitalquote von 6,9 Prozent. Das liegt unter dem Durchschnitt, aber noch deutlich über der erforderlichen Mindestgrenze von 5 Prozent.

Die Risiken der DZ Bank aus Staatsanleihen der drei mit Rettungspaketen gestützten Euro-Staaten kann sich sehen lassen: Insgesamt kommt die Bank auf 1,77 Mrd. Euro. Knapp eine Milliarde stecken langlaufenden portugiesischen Anleihen, 730 Mio. in griechischen Papieren aller Laufzeiten.

Der deutsche Branchenprimus, die Deutsche Bank, landet im europaweiten Stresstest nur im unteren Mittelfeld. Mit einer harten Kernkapitalquote von 6,5 Prozent muss sie sich jedoch keine Sorgen um Ärger mit den Bankenaufsehern machen.

Die Deutsche Bank (Chart: 1 Jahr) ist unter den deutschen Instituten am zweitstärksten in Griechenland engagiert. Insgesamt weist der Stresstest Risiken von 1,5 Mrd. Euro aus, hinzu kommt das deutschlandweit stärkste Investment in irische Staatspapiere. Unter dem Strich kommt die Deutsche Bank auf 2,1 Mrd. Euro, die in Anleihen der aufgefangenen Euro-Staaten liegen.

Mit doppelt so hohen Positionen von insgesamt 4 Mrd. Euro in den drei Euro-Sorgenstaaten schießt die Commerzbank in Deutschland den Vogel ab. 3 Mrd. Euro davon stecken in griechischen Anleihen, vorwiegend mit einer Laufzeit von mehr als 15 Jahren. Auch in Portugal ist die Commerzbank vor allem am langen Ende im Risiko.

Beim Stresstest, wo die Pleite eines Euro-Staates jedoch ohnehin keine Rolle gespielt hat, erreicht die staatlich gestützte Commerzbank (Chart: 1 Jahr) eine harte Kernkapitalquote von 6,4 Prozent.

Die angeschlagene WestLB erreicht im Stresstest eine harte Kernkapitalquote von 6,1 Prozent. Damit schrammt das einstige Flaggschiff der Landesbanken als letzte an der Verwarnzone bis 6 Prozent vorbei. Die Bank steht vor der Zerschlagung.

Risiken aus Staatsanleihen der angezählten Euro-Staaten weist die WestLB nur in geringem Maße aus, insgesamt 378 Mio. Euro. Der Löwenanteil davon steckt in Anleihen aus Griechenland.

Noch schwächer auf der Brust präsentiert sich die NordLB. Sie kommt auf eine harte Kernkapitalquote von 5,6 Prozent. Der Haupteigner, das Land Niedersachsen, hatte zuvor vorsichtshalber Kapital nachgelegt, um ein Debakel zu verhindern. Eigentlich sollen Institute mit einer Quote von unter 6 Prozent Konsequenzen ziehen, doch Deutschlands Bankenaufsicht BaFin attestiert keinen Handlungsbedarf.

Für insgesamt 447 Mio. Euro weist die NordLB Risiken aus Staatsanleihen der drei Euro-Staaten Portugal, Griechenland und Irland auf. 150 Mio. gehen davon nach Athen, 256 Mio. nach Lissabon.

Knapp dahinter und damit auf dem letzten Platz der erfolgreich gestressten Banken liegt die HSH Nordbank. Sie kommt auf eine harte Kernkapitalquote von 5,5 Prozent. Auch hier sind jedoch wegen bereits eingeleiteter Maßnahmen keine weiteren Stärkungen zu erwarten.

Die Risiken aus Anleihen schwacher Euro-Staaten sind mit insgesamt 162 Mio. Euro zum Stichtag Ende 2010 so gering wie bei kaum einer anderen deutschen Bank.

Damit haben alle deutschen Banken bestanden. Alle Banken? Nein, eine kleine Landesbank leistet nach wie vor den Spielregeln der Bankenaufsicht erbitterten Widerstand: Die Helaba.

Wäre alles so gelaufen, wie die Helaba es erwartet hätte, dann hätte die Bankenaufsicht eine harte Kernkapitalquote von 6,8 Prozent festgestellt und die Helaba hätte locker bestanden. Doch kurz vor Toresschluss wollte die Aufsicht die Einlagen des Landes Hessen nicht mehr werten - das Ergebnis wäre eine Quote von 3,9 Prozent gewesen - und damit wäre die Bank deutlich durchgefallen.

Das Ende vom Lied: Die Helaba veröffentlicht ihre Ergebnisse selbst, erntet dafür Applaus bei den deutschen Bankenaufsehern - und übrig bleibt die Frage, für wen die Suche nach Vertrauen an dieser Stelle nach hinten losgegangen ist.

In Frankfurt schauen die Banker nun nach vorn - der nächste Stresstest kommt bestimmt. (Text: Nikolas Neuhaus; Quelle: Bundesbank, eigene Berechnungen).

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