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Den Aborigines wurde ihr Land genommen, ihre Kultur, ihre Sprache - und sie wurden ihrer Kinder beraubt. Bis in die 1980er Jahre litten sie unter den europäischen Einwanderern und wurden erst in diesem Jahr offiziell um Verzeihung gebeten.
Vor Ankunft der Europäer zogen die zahlreichen Einzelvölker, die unter dem Begriff Aborigines zusammengefasst werden, als Nomaden durch Australien.
Sie lebten in Familienverbänden von 20 bis 50 Mitgliedern und bildeten in dieser Vielzahl von Einzelverbänden über 250 verschiedene Sprachen aus.
Da sie aber keine Schrift entwickelten, gaben sie Erkenntnisse und Kulte über Musik und Malerei weiter.
Ihrem Glauben zufolge zogen ihre Ahnen in der "Traumzeit" über den Kontinent und teilten ihn in Traumpfade auf. Auf diesen Pfaden zogen sie durch Australien.
Mit den Europäern kam auch die Eisenbahn nach Australien. Ihre Schienen zerrissen die alten Traumpfade und die Aborigines wurden aus den fruchtbaren in die kargen Gegenden des Landes getrieben.
Als Barbaren klassifiziert litten sie zunächst unter Vertreibung und den Krankheiten, die die Europäer mitbrachten.
Es begann die Assimilation. Mit unmenschlichen Aktionen sollten die Ureinwohner zivilisiert, von ihren Kulten und Traditionen gelöst und zu "weißen Australiern" gemacht werden.
Zwischen 1900 und 1972 wurden vor allem Mischlingskinder von Wohlfahrtsorganisationen gewaltsam aus ihren Familien gerissen und in Heimen der Kirche oder weißen Familien untergebracht.
Etwa 70.000 Aborigines gehören zur "stolen generation", die ihrer eigenen Kultur gewaltsam entfremdet wurde. Sie wussten oft nicht einmal um ihre Herkunft.
Begründet wurde diese Aktion mit dem Wohl der Kinder, für die es besser sei zivilisiert aufzuwachsen, statt in vermeintlicher Armut in der Wildnis.
Erst als Erwachsene konnten die Zwangsassimilierten sich ihrer eigenen Kultur zuwenden und auf die Suche nach ihren Wurzeln gehen.
Die einst etwa 250 Sprachen gerieten jedoch in Vergessenheit, so dass heute nur noch 20 Sprachen aktiv weitergegeben werden.
Obwohl sie 1961 das Wahlrecht erhielten, blieben die Ureinwohner bis in die achtziger Jahre der Diskriminierung durch Rassentrennung ausgesetzt.
Bis heute bestehen enorme soziale Ungleichheiten. So liegt die Arbeitslosenquote bei den etwa 400.000 Aborigines um ein Vielfaches höher als bei den 21 Millionen weißen Australiern.
Die Kindersterblichkeit ist viel höher als bei weißen Australiern, ebenso die Zahl der Inhaftierten. In einigen Gefängnissen sitzen bis zu 90 Prozent Aborigines.
Im Jahr 2008 bat der Präsident Australiens stellvertretend für sein Volk um Entschuldigung für das an den Ureinwohnern begangene Unrecht.
Sein öffentliches "Sorry" war für viele Aborigines eine symbolische Geste zur Völkerverständigung. Denn entschuldigen kann und will das begangene Unrecht niemand.
Vor allem für die Verschleppten von einst ist die Geste des Präsidenten von Bedeutung, ändert aber an der Situation der Ureinwohner nichts.
Trotz erzwungener Assimilation sind Kult und Tradition jedoch nicht verschwunden und erfreuen sich auch bei der weißen Bevölkerung wachsender Beliebtheit.
Beim "Woggan ma gule" wird im Tanz die Geschichte der Vergangenheit erzählt.
Die Zeremonie soll die Ahnen ehren und das Land reinigen.
Umso absurder ist es, dass diese Zeremonie immer öfter vor Touristen und für Geld aufgeführt wird und weiße Australier mit der Aborigine-Kultur für ihr Land werben.
Die Aborigines schlagen aus dem Kapital, was ihnen noch geblieben ist; aus der Tradition, die ihnen die weißen Australier über Jahrzehnte austreiben wollten.
In "The Block", einem vor allem von Aborigines bewohnten Slum in Sydney, zeigt sich die Lebenswirklichkeit der Ureinwohner jenseits des bunten Kultes in den Touristenshows. Es grassieren Arbeitslosigkeit und Kriminalität.
Hier herrschen Alkoholismus, schwerer Drogenmissbrauch und Gewalt. Die Lebenserwartung eines weißen Australiers liegt knapp 20 Jahre höher als die der Aborigines.
Das Didgeridoo ist neben dem Boomerang das Markenzeichen der Aborigines ...
... und ist mittlerweile selbst in der Pfalz bekannt.
Das Didgeridoo, dessen Name eine Lautmalerei des von ihm erzeugten Tones ist, begleitet die traditionellen Gesänge und Tänze. Es wird neuerdings aber auch bei modernen Popgruppen eingesetzt.
Die Aborigines leben heute im Spagat zwischen dem Leben in einer westlichen Industrienation und der Rückbesinnung auf ihre Kulte und Traditionen.
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