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Freude und Erleichterung gab es am 8. April 2010 nach dem erfolgreichen Start des Forschungssatelliten "CryoSat-2" bei den Verantwortlichen in Darmstadt.
Der Spezial-Satellit wurde vom Weltraumbahnhof Baikonur aus einem unteridischen Raketensilo mit einer Dnepr-Rakete ins All geschossen.
Bereits nach 17 Minuten Flugzeit konnte die erfolgreiche Trennung des Satelliten von der Oberstufe der Trägerrakete bestätigt werden.
In den Forschungssatelliten "CryoSat-2" werden große Hoffnungen gesetzt.
Der Satellit soll vor allem das Volumen der Eismassen der Arktis und der Antarktis vermessen.
Bereits sechs Monate nach dem Start wird der Satellit komplett eingestellt sein und erste verwertbare Daten zur Erde senden.
Mit der neuen Radar-Technik an Bord kann nicht nur die Fläche des Eises, sondern auch die Dicke erfasst werden.
"CryoSat-2" gehört zum groß angelegten Programm der Europäischen Weltraumagentur (ESA), das den Namen "Living Planet" trägt. Der ESA-Satellit SMOS (im Bild) ist ebenfalls ein Teil davon. Er misst Bodenfeuchte und Salzgehalt der Meere vom All aus.
Auch der Satellit GOCE misst Daten der Erde aus dem All. Er ist auf Erdschwerefelder und Meeresströmungen spezialisiert.
Mit diesem Erderkundungsprogramm ist die ESA den globalen Umweltveränderungen auf der Spur.
Der 670 Kilogramm schwere Erdbeobachter wurde unter der Leitung des Raumfahrtunternehmens Astrium aus Friedrichshafen gebaut.
Mit Hilfe von Radar kann "CryoSat-2" die Dichte des Eises messen. Dafür werden 20.000 Pulse pro Sekunde zur Erde gesendet. Aus der Zeit bis zum Auftreffen auf Eis kann die Entfernung zwischen Raumsonde und Eisoberfläche berechnet werden.
Besonders an dieser Messtechnik ist, dass sie auch während der Polarnächte und bei dicker Wolkendecke funktioniert.
Ziel ist es, Höhenunterschiede von nur zwei Zentimetern festzustellen, denn nur so lassen sich jahreszeitliche Änderungen in der polaren Eisdicke erkennen.
Zudem verfügt "CryoSat-2" über zwei Radarantennen. Damit kann die Oberfläche noch genauer untersucht werden. Das ist allerdings nicht der Grund für den Namen der Raumsonde.
Bereits 2005 hatte die ESA einen Eisvermessungssatelliten gebaut.
Der hieß "CryoSat" und sollte ebenso wie sein Nachfolger die Dicke der Eismassen vom All aus messen.
Auch dieser Satellit wurde von der EADS Astrium in Friedrichshafen gebaut und in Ottobrunn bei München zahlreichen Tests unterzogen.
Nach der Fertigstellung wurden zehn Container, gefüllt mit Satellitenbauteilen und Spezialcomputern, mit einer Antonow AN 124 zum russischen Weltraumbahnhof nach Plessezk gebracht.
Von hier aus wurde der Eisforschungssatellit am 8. Oktober 2005 ins All gebracht.
Nach erfolgreichem Start traten erste Probleme auf.
Die Trägerrakete, die den Himmelssphäher ins All bringen sollte, wies einen Programmierfehler auf. Der Kopfteil der Rakete trennte sich nicht wie geplant vom Satelliten, ...
... so dass "CryoSat" niemals auf der geplanten Umlaufbahn im All ankam, sondern mit dem Raketenkopf ins Nordpolarmeer stürzte.
"CryoSat-2" tritt also ein schweres Erbe an. Vor dem erfolgreichen Start am 8. April 2010 musste der Beginn der Mission im All zwei Mal verschoben werden.
Im Dezember 2009 war die Startbasis in Baikonur überlastet.
Im Februar 2010 musste der Start wegen technischer Probleme an der Trägerrakete "Dnepr" abermals verschoben werden.
Doch nun hat die Eiserforschung aus dem All endlich beginnen.
In einigen Wochen wird "CryoSat-2" in einer Höhe von 720 Kilometern über dem Eis der Erde schweben und drei Jahre lang Messergebnisse zur Erde senden.
Gesteuert wird "CryoSat-2" vom Europäischen Satellitenkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt.
Der Nutzen scheint die Kosten von rund 140 Millionen Euro für den Neubau des zweiten Eisforschungssatelliten zu rechtfertigen.
Nur mit modernster Technik und über einen längeren Zeitraum vom All aus ist es möglich, das Abschmelzen der Eismassen auf der Erde so genau zu beobachten, ...
... dass wesentliche Erkenntnisse zum Klimawandel gemacht werden können. Erst dann wird wohl geklärt werden können, ob der Rückgang des Eises auf dem Dahinschmelzen oder dem Abrutschen des Eises ins Meer beruht.
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