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Versunkenes Geheimnis: Auf den Spuren von Osiris

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Im 8. Jahrhundert versanken die antiken Städte Thonis-Herakleion und Kanopus 30 Kilometer von Alexandria entfernt vor der Küste Ägyptens im Mittelmeer. Sie hielten Erdbeben, Sturmfluten und dem steigenden Meeresspiegel nicht stand. (Foto: Christoph Gerigk © Franck Goddio/Hilti Foundation. Stele von Thonis-Herakleion)

Im 8. Jahrhundert versanken die antiken Städte Thonis-Herakleion und Kanopus 30 Kilometer von Alexandria entfernt vor der Küste Ägyptens im Mittelmeer. Sie hielten Erdbeben, Sturmfluten und dem steigenden Meeresspiegel nicht stand.

Im 8. Jahrhundert versanken die antiken Städte Thonis-Herakleion und Kanopus 30 Kilometer von Alexandria entfernt vor der Küste Ägyptens im Mittelmeer. Sie hielten Erdbeben, Sturmfluten und dem steigenden Meeresspiegel nicht stand.

Bereits seit 20 Jahren nimmt Franck Goddio, ein Spezialist für Unterwasserarchäologie, in der Bucht von Abukir Ausgrabungen vor. Mit seinem Team hat er inzwischen Hunderte Statuen, Sarkophage, Götterbilder und Kultgegenstände geborgen, die auf dem Meeresgrund in acht Metern Tiefe unter einer bis zu 40 Zentimeter dicken Schlammschicht lagerten.

2006 waren die spektakulären Funde unter anderem in Berlin zu sehen. Nun zeigt das Museum Rietberg in Zürich viele neue Ausgrabungsobjekte erstmals in Europa und setzt mit der Ausstellung, "Osiris - Das versunkene Geheimnis Ägyptens" einen besonderen Schwerpunkt: …

… Die Schau lässt eine der wichtigsten und geheimsten religiösen Feiern im alten Ägypten wiederauferstehen: die Osiris-Mysterien, die das Wunder der Wiedergeburt und den Kreislauf der Natur feierten. Der Apis-Stier, hier zu sehen, verkörperte den auferstandenen Osiris.

Der Legende nach war Osiris der Sohn von Himmel und Erde und brachte den Ägyptern als Gottkönig die Errungenschaften der Zivilisation - bis er von seinem Bruder Seth getötet wurde. Seth zerstückelte die Leiche und verstreute sie über das ganze Land.

Isis, Schwester und gleichzeitig Gattin von Osiris, sammelte die Teile ein und setzte den Körper wieder zusammen. Mithilfe ihrer göttlichen Macht erweckte sie Osiris für kurze Zeit zum Leben, damit er ihren gemeinsamen Sohn Horus zeugen konnte, der sich an Seth rächen sollte.

Und das tat er: Horus besiegte seinen Onkel nach langem Kampf und wurde zum Herrn der Oberwelt. Sein Vater Osiris stieg als Gott des Jenseits für immer in die Unterwelt hinab.

Einmal im Jahr, am Ende der Nilflut, hielten Priester zu Ehren Osiris eine Zeremonie ab, die so geheim war, dass sie mit niemandem darüber sprechen durften. Der genaue Ablauf der Mysterien ist daher nicht überliefert.

Dank des im 19. Jahrhundert entdeckten Kanopusdekret, einer Steintafel aus dem Jahr 238 v.Chr., ist aber bekannt, dass eine solche Feierlichkeit regelmäßig in den zwei versunkenen Städten stattfand.

Offenbar wurde nach Abschluss der geheimen Zeremonie im Tempel von Thonis-Herakleion ein Osiris-Bildnis in einer Schiffsprozession auf den Wasserwegen nach Kanopus gebracht, wo es beerdigt und das Boot versenkt wurde.

Das Team um Goddio entdeckte in den Kanälen der aus Inseln und Wasserwegen bestehenden Städte Hinweise darauf: kleine Votivbarken aus Blei …

… und rituelle Gegenstände wie diese Phiale aus Gold für Opfergaben.

Auch Kolossalstatuen bargen die Archäologen. Die hier abgebildete zeigt den Gott Hapi und ist mit 5,40 Metern Höhe die bisher größte in Ägypten gefundene Statue einer Gottheit.

All diese Funde sind einzigartige Zeugen des Lebens und der religiösen Feste im antiken Ägypten. Noch bis zum 16. Juli können sie in Zürich bestaunt werden. Und ...

… da Goddio und sein Team noch lange nicht die ganze Bucht erkundet haben, dürfte auf dem Meeresboden noch so manches Geheimnis für künftige Schauen schlummern.

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