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Nasa verliert Shuttle-Ersatz: Das Raketen-Debakel von Wallops

Von Martin Morcinek

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Das ist der ganze Stolz der US-Weltraumfahrt in der Post-Shuttle-Ära: die zweistufige Fest- und Flüssigtreibstoff-Trägerrakete "Antares". (Foto: picture alliance / dpa)

Das ist der ganze Stolz der US-Weltraumfahrt in der Post-Shuttle-Ära: die zweistufige Fest- und Flüssigtreibstoff-Trägerrakete "Antares".

Das ist der ganze Stolz der US-Weltraumfahrt in der Post-Shuttle-Ära: die zweistufige Fest- und Flüssigtreibstoff-Trägerrakete "Antares".

Hersteller ist das private US-Unternehmen Orbital Sciences Corporation mit Sitz in Dulles im Bundesstaat Virginia.

Orbital bewirbt die Rakete als verlässlichen Low-Cost-Zugang zum Weltall, besonders geeignet für den erdnahen Orbit und für Nutzlasten jenseits der 5-Tonnen-Marke.

Genau das war in den vergangenen Jahrzehnten die Domäne der wiederverwendbaren Raumfähren vom Typ "Space Shuttle" (Hier die betagte "Discovery" nach einem Überführungsflug auf dem Rücken einer Boeing 747 in Spezialausführung, im April 2012).

Mit den Shuttles stellte die Nasa ursprünglich die Versorgung der Internationalen Raumstation ISS sicher.

Doch weil das Shuttle-Programm aus Kosten- und Sicherheitsgründen eingestellt werden musste, steht die US-Weltraumbehörde seit Sommer 2011 ohne eigene Transportkapazitäten da.

Diese Lücke sollen private Anbieter wie Orbital füllen. In einer als beispielhaft gelobten Partnerschaft aus öffentlicher Hand und privater Wirtschaft übernehmen "Antares"-Raketen Transportaufträge für die Nasa.

Der Großauftrag umfasst eine Summe von 1,9 Milliarden Dollar. Orbital muss dafür acht Versorgungsmissionen übernehmen.

Die Idee: Die Nasa kann so vergleichsweise kostengünstig Raumfahrt betreiben und sich vor allem am multinationalen ISS-Projekt weiter beteiligen.

Der aktuelle Flug hätte der dritte der acht Versorgungsmissionen mit Orbital werden sollen. Diesmal mit an Bord: ...

... der unbemannte Raumfrachter "Cygnus" (Archivbild) - ebenfalls eine Entwicklung von Orbital im Auftrag der Nasa.

Das millionenteure Frachtmodul sitzt an der Spitze der zweistufigen Trägerrakete. Es enthält insgesamt rund 2,2 Tonnen an Material und Versorgungsgütern für die sechs Raumfahrer an Bord der Weltraumstation.

Nach der Montage hieven Spezialkräne die rund 40 Meter lange Rakete auf der Startrampe in eine senkrechte Position. Aus großen Tanks wird der flüssige Raketentreibstoff eingefüllt. Das Gemisch ist hochentzündlich und steht unter Druck.

Die Nasa überträgt den Start live im Internet. In Zeiten klammer Staatskassen ist die Weltraumbehörde um öffentliche Wirkung und starke, werbewirksame Bilder aus der Weltraumfahrt bemüht (Screenshot, knapp viereinhalb Minuten vor dem Start).

In Handreichungen für die Medien informiert die Nasa vor dem Start bis ins Detail, in welchen Regionen der USA der Raketenschweif am Abendhimmel verfolgt werden kann.

Im Vorfeld des Starts kommt es mehrfach zu Verzögerungen. Zuletzt muss zu Wochenbeginn der Countdown zehn Minuten vor dem Start komplett abgebrochen werden, weil sich ein Boot unerlaubt in die Sicherheitszone an der Atlantikküste Virginias eingeschlichen hatte.

24 Stunden später steht einem erfolgreichen Start ins All nichts mehr im Wege: Die Trägerrakete und ihre Nutzlast sind bereit zum Abheben.

Alles läuft zunächst nach Plan. Nasa-Techniker registrieren ersten Angaben zufolge keinerlei Hinweise auf Störungen. Die letzten Sekunden verstreichen. Am Nasa-Weltraumbahnhof Wallops südöstlich von Washington herrscht gespannte Stille.

Dann gibt das Kontrollzentrum im texanischen Houston das Kommando zum Start: Die Rakete hebt ab - doch irgendetwas läuft schief.

Nach nur sechs Sekunden in der Luft fällt das tonnenschwere Ungetüm in seinen eigenen Flammenschweif zurück.

Der Raketenstreibstoff explodiert in einem Feuerball.

Die Flammen schlagen mehr als hundert Meter hoch in den Himmel. Der Wasserturm in der Bildmitte rechts gewährt einen ungefähren Größenvergleich (siehe Bild 17).

Der Fehlschlag ist offensichtlich: Es sei eine "katastrophale Anomalie" aufgetreten, erklärt ein Nasa-Sprecher. Noch Minuten später steigen Rauch und Flammen aus der zerstörten Startrampe auf.

Der Live-Stream bleibt auf Sendung. Der Kommentator ringt um Fassung. Erinnerungen an die "Challenger"-Katastrophe von 1986 und den Absturz der "Columbia" im Jahr 2003 werden wach.

Diesmal hat die Nasa Glück im Unglück: Menschen kommen bei dem fehlgeschlagenen Raketenstart nicht zu Schaden. Auch die Besatzung der ISS sei durch den Absturz ihres Versorgungsfrachters "in keiner Gefahr", wie Nasa-Topmanager William Gerstenmaier bei einer Pressekonferenz gut drei Stunden nach dem Unglück betont. (Stand: 28. Oktober 2014)

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