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Dienstag, 01. Dezember 2015

Nur noch 50 Jahre: Das Tote Meer trocknet aus

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Das Tote Meer - eigentlich ein See - liegt etwa 428 Meter unter dem Meeresspiegel. Es grenzt an Jordanien, Israel und das Westjordanland. (Foto: REUTERS)

Das Tote Meer - eigentlich ein See - liegt etwa 428 Meter unter dem Meeresspiegel. Es grenzt an Jordanien, Israel und das Westjordanland.

Das Tote Meer - eigentlich ein See - liegt etwa 428 Meter unter dem Meeresspiegel. Es grenzt an Jordanien, Israel und das Westjordanland.

Es ist der am tiefsten gelegene See, seine Ufer sind die tiefsten natürlichen (nicht künstlich gegrabenen) Landflächen der Erde.

Auch einige wenige Pflanzenarten mit großer Salz-Toleranz (Halophyten) können unter diesen Extrem-Bedingungen überleben.

Für die angeschwemmten Salze ist er daher wie eine Sackgasse. Das Wasser verdunstet durch das trockene Wüstenklima, ...

... Mineralien und Salze bleiben zurück und reichern sich im Toten Meer an.

Das Tote Meer hat nur einen einzigen nennenswerten Zufluss: Es wird vom Jordan gespeist. (Israelische Soldaten am Zufluss des Jordans in das Tote Meer)

Es ist mehrfach bedroht. Da Jahr für Jahr mehr Wasser aus dem Jordan entnommen wird, sinkt der Wasserspiegel des Sees jedes Jahr um bis zu einen Meter.

Nicht nur der Wasserverbrauch durch die Bevölkerung auf der Westseite des Sees steigt kontinuierlich, ...

... auch die Fabriken am Ufer, die Salz, Magnesium und Brom gewinnen, verbrauchen sehr viel Wasser. (Planierraupe vor einer Magnesium-Fabrik am Toten Meer)

Zudem kommen jährlich hunderttausende Touristen, die natürlich auch viel Süßwasser verbrauchen ...

... und die Felder und Obstplantagen, ...

... die bewässert werden. (Verdunstungsbecken im Süden des Toten Meeres)

Warnungen von Experten häufen sich, dass das Tote Meer langsam austrocknen könnte.

Es könnte demnach in 50 Jahren völlig verschwunden sein, wenn nichts unternommen werde, heißt es.

Ein Gegenmittel könnte sein, mehr auf Meerwasserentsalzung zu setzen und dafür weniger Wasser aus dem Jordan zu entnehmen. (Bild: Salzgewinnung aus dem Toten Meer)

Eine andere Möglichkeit wäre ein Kanal vom Roten oder Mittelmeer. Diese Idee ist nicht neu: Schon 1855 schlugen Ingenieure ein solches Projekt vor.

Außer der Wasserzufuhr könnte man das entstehende Gefälle zwischen beiden Meeren zur Energieerzeugung nutzen. (Seilbahn nahe der Festung Masada)

Das wäre allerdings sehr kostspielig und auch nicht ohne Risiken. Ein Kanal vom Roten Meer beispielsweise wäre etwa 300 Kilometer lang und würde mehrere Milliarden Euro kosten. (Landformationen nahe der Festung Masada)

Die ökologischen Risiken sind ebenfalls nicht zu unterschätzen: Wissenschaftler befürchten ... (Jordan-Zufluss)

... durch die Mischung der verschiedenen salzigen Gewässer (das Tote Meer ist sehr kalziumhaltig, das Rote Meer sehr sulfatreich) eine massive Gipsbildung (Calciumsulfat).

Auch die Folgen für die Korallenriffe im Roten Meer bei einer Wasserentnahme sind ungeklärt.

Aber das Kanalprojekt kommt immer mal wieder auf die Tagesordnung, denn das Absinken des Wasserspiegels im Toten Meer hat weitreichende Folgen für die Umwelt und die Nutzung des Gewässers.

Eine besonders bedeutende Nutzung ist die durch den Badetourismus.

Wegen des hohen Salzgehaltes und der damit verbundenen Massedichte trägt das Wasser ungewöhnlich gut. (Badende in En Bokek)

... zum Beispiel bei Schuppenflechte (Psoriasis) oder Neurodermitis.

Auch bei kleinen Schnittwunden brennt es äußerst unangenehm.

Außer Badevergnügen und heilender Wirkung bietet das Tote Meer aber auch noch andere Attraktionen in seiner Umgebung, ...

... oder die Festung Masada am Südwestende des Toten Meeres. (Blick von der Festung)

En Bokek ist der tiefstgelegene öffentlich zugängliche Ort der Erde, zugleich einer der am stärksten entwickelten Ferienresorts an der Küste des Toten Meeres. (Hotels in Ein Bokek)

Jenseits des Meeresufers ...

... trifft man in der Region auf bizarre Landformationen ...

... und Felsengebilde. Diese Attraktionen werden übrig bleiben, ...

... wenn das Meer weiter zurückgeht und ...

... das Baden nach und nach immer schwieriger wird.

Ob nun ein Kanal gebaut wird, ist noch unsicher. Das größte Problem ist nach wie vor die Finanzierung. Am 1. Dezember 2015 hat Jordanien nun jedoch die Ausschreibung für den Bau eines Kanals vom Roten zum Toten Meer gestartet.

Bis Ende März 2016 können sich Unternehmen und Konsortien um den gewaltigen Auftrag bewerben, so das Ministerium für Wasser und Bewässerung in Amman. In einer ersten Phase soll die Infrastruktur geschaffen werden, ...

... um 300 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich aus dem Golf von Akaba im Roten Meer im Süden Jordaniens zu pumpen. (im Bild: Golf von Akaba mit den Städten Elat vorn und Akaba, hinten, Jordanien)

Zur ersten Bauphase gehört auch eine Entsalzungsanlage mit einer Kapazität von 65 bis 85 Millionen Kubikmetern pro Jahr. Die Kosten für beide Projekte schätzte das Ministerium auf 900 Millionen Dollar.

Ein Teil des Wassers aus dem Roten Meer soll in das von Austrocknung bedrohte Tote Meer fließen; ein anderer Teil würde entsalzt und Israel und den Palästinensern zugutekommen. Auch Jordanien braucht dringend Wasser. Das Land besteht zu 92 Prozent aus Wüste und die Bevölkerung wächst, auch wegen der vielen Flüchtlinge aus Syrien.

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