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Der Treibhauseffekt ist lebenswichtig: Die Lufthülle unseres Planeten lässt das einfallende Sonnenlicht hinein und sorgt gleichzeitig dafür, dass ein Großteil der vom Erdboden abgestrahlten Wärme drinbleibt.
Dank des Treibhauseffekts ist es auf der Erde zumindest im Durchschnitt nicht zu kalt und nicht zu warm - im Mittel etwa 15 Grad Celsius.
Ohne den atmosphärischen Treibhauseffekt wäre die Erde mit Durchschnittswerten von minus 18 Grad für den Menschen ein deutlich weniger angenehmer Lebensraum.
Der Treibhauseffekt funktioniert nach außen wie ein Sieb, nach innen wie ein Schirm: Für die kurzwelligen Sonnenstrahlen ist die Atmosphäre durchlässig, ...
... die von der Erde reflektierte langwellige Wärmestrahlung hingegen wird vom Wasserdampf und den so genannten Treibhausgasen in der Atmosphäre geschluckt und zum Teil zurückgeworfen.
Dieser natürliche wie segensreiche Effekt wurde seit den 1970er Jahren als Gefahr für das Überleben der Menschheit bekannt. Experten unterscheiden zwischen dem atmosphärischen (natürlichen) und dem anthropogenen (vom Menschen verursachten) Treibhauseffekt.
Seither verstärkt sich der Treibhauseffekt zusehends. Der Grund ist seit langem bekannt.
Seit Beginn der Industrialisierung pumpt die Menschheit immer mehr Treibhausgase in die Atmosphäre: Methan (CH4), Distickstoffoxid bzw. Lachgas (N2O) und vor allem immer mehr Kohlendioxid (CO2). Die Grafik zeigt den CO2-Anstieg in der Atmosphäre.
Dies geschieht vor allem durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas, ...
... aber auch durch die Landwirtschaft.
Immer mehr Treibhausgase in der Atmosphäre sorgen für eine immer stärkere atmosphärische Gegenstrahlung: Immer mehr Wärme wird von der Atmosphäre auf die Erde zurückgeworfen. Die Folge: Die Temperatur auf der Erde steigt ...
... und wird weiter steigen.
Mittlerweile hat die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre einen Rekordwert erreicht. Das gilt auch für Distickstoffoxid und Methan.
Kein seriöser Wissenschaftler bestreitet den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel: Die Welt wird wärmer, und der Mensch ist schuld daran. Der vierte UN-Klimareport zeigt dies deutlicher als zuvor.
Sechs Jahre lang haben mehr als 2.500 Experten aus rund 130 Ländern an dem Text gearbeitet. 450 Hauptautoren verfassten schließlich den Bericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), des Zwischenstaatlichen Ausschusses zum Klimawandel.
Eine sehr hübsche Fleißarbeit. Leider waren die Regierungen der Industriestaaten in den vergangenen Jahren deutlich weniger fleißig. In einer bekannten Online-Enzyklopädie heißt es lapidar: "Im Gegensatz zu den Forderungen der Wissenschaft und ...
... den Ansprüchen der Politik steigt die Emission von Treibhausgasen weltweit an."
Deutschland steht noch vergleichsweise gut da: Die Bundesrepublik konnte ihre Emissionen bis 2004 im Vergleich zu 1990 um 17,2 Prozent senken (dies allerdings nicht zuletzt wegen großflächiger Industrie-Stilllegungen im Osten).
Selbst das reicht jedoch nicht. Und ob das Ziel einer Senkung um 21 Prozent bis 2010 erreicht wird, ist mehr als fraglich.
Genau dies ist der Haken des neuen UN-Berichts: Die Diagnose ist im Grundsatz lange bekannt. Seit dem ersten Report aus dem Jahr 1990 ändert sich allenfalls die Vehemenz, mit der die Forscher warnen.
Einige brauchten natürlich etwas länger. US-Präsident George W. Bush gestand erst im Sommer 2004 ein, dass der Ausstoß von Treibhausgasen die "einzig wahrscheinliche Erklärung für die globale Erwärmung in den vergangenen drei Jahrzehnten" ist.
Das Kyoto-Protokoll haben die USA trotzdem noch nicht ratifiziert.
Und immer wieder gibt es Berichte, die US-Regierung versuche Klimaforscher unter Druck zu setzen.
Fast die Hälfte von über 300 befragten Wissenschaftlern, die für verschiedene Behörden der Regierung gearbeitet hatten, berichteten in einer Untersuchung des US-Kongresses über Manipulationsversuche in den vergangenen fünf Jahren.
Die Forscher seien gedrängt worden, Begriffe wie "Klimawandel" oder "Erderwärmung" aus ihren Texten zu entfernen, betonte ein Sprecher des "Verbands besorgter Wissenschaftler" bei einer Anhörung im Kongress. Kontakte zu den Medien seien streng reglementiert worden.
Auch öffentlich wird Propaganda gegen den Klimawandel gemacht. Im Jahr 2006 produzierte eine konservative Lobbyorganisation in den USA Fernsehwerbung, in der suggeriert wurde, der Ausstoß von Kohlendioxid sei eine tolle Sache.
In einer Reihe von reichlich grotesken TV-Spots hieß es allen Ernstes: "Kohlendioxid: Die nennen es Verschmutzung, wir nennen es Leben." Denn "die Kraftstoffe, die CO2 freisetzen, haben uns aus einer Welt der Knochenarbeit befreit, unser Leben erleuchtet".
"Jetzt wollen ein paar Politiker Kohlendioxid einen Schadstoff nennen. Stellen Sie sich vor, sie hätten damit Erfolg - wie würde unser Leben dann aussehen?" Der Bildschirm wird schwarz.
Lächerlich? Und ob. Erfolglos? Man darf zweifeln. Im Januar 2007 untersagte eine Schulbehörde im US-Bundesstaat Washington die Aufführung des Dokumentarfilms "Eine unbequeme Wahrheit".
Ein Vater hatte sich beschwert, dass seine Tochter "das Propaganda-Video von Al Gore, das unserer Nation - dem großartigsten Land auf diesem Planeten - die Schuld an der globalen Erwärmung gibt", im Unterricht zu sehen bekäme.
Andere Eltern protestierten gegen das Aufführungsverbot. Die Schulbehörde fand einen Kompromiss: Der Film darf gezeigt werden, wenn den Schülern gleichzeitig auch eine "andere Perspektive" durch "wissenschaftliche Materialien" präsentiert wird.
Lächerlich? Auch bei uns berichten Medien über den Klimawandel mitunter wie über ein unbestätigtes Gerücht. Kohlendioxid werde "mit für den Klimawandel verantwortlich gemacht", hieß es etwa am 14. Dezember 2006 in der Meldung einer Nachrichtenagentur.
Schnell begreift in der Regel nur, wer unmittelbar betroffen ist. Bei der Münchener Rück, einem der weltgrößten Versicherer von Versicherungen, hieß es bereits 1995 zum Klimawandel, ...
... es sei "keine Frage mehr, dass die Erwärmung der Atmosphäre und der Ozeane eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Stürme, Sturmfluten, Unwetter, Hagelschläge, Überschwemmungen und andere Extremereignisse mit sich" bringe.
Der politische Einfluss von Versicherungen ist jedoch geringer als der von Energiekonzernen.
In dem Dokumentarfilm, den der besorgte Vater seiner Tochter nicht zumuten wollte, zitiert Gore eine interessante Studie: Von 636 Artikeln zum Klimawandel in den wichtigsten US-Zeitungen hätten 53 Prozent bezweifelt, dass der Treibhauseffekt menschengemacht ist.
Dagegen zog von 928 Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften kein einziger den Klimawandel in Zweifel.
Beispiele für den Klimawandel gibt es genug. Für die Inuit in Ilulissat, der drittgrößten Stadt Grönlands, ist die Klimakatastrophe schon vor zehn Jahren Wirklichkeit geworden.
Seither gibt es wegen des kräftigen Temperaturanstiegs kein Packeis mehr in der Disko-Bucht vor Ilulissat.
Die Fischer können nicht mehr mit ihren Hundeschlitten losziehen, um vom Eis aus durch gehackte Löcher Heilbutt zu fangen. Vorerst behelfen sie sich mit neu angeschafften Booten.
Aber was sollen sie tun, wenn die Erwärmung um geschätzte fünf bis sieben Grad Celsius auch den Permafrostboden aufweicht, auf dem ihre Häuser stehen?
Die deutsche Gesellschaft für bedrohte Völker warnt, alle 400.000 Ureinwohner der Arktis zwischen Sibirien und Kanada seien in ihrer Kultur und letztlich auch existenziell gefährdet.
Die Eisbären verlieren schon jetzt den Boden unter den Füßen. Die Bestandszahlen sinken massiv, weil Eisbären entweder verhungern oder - noch vor wenigen Jahren unvorstellbar - bei der Jagd ertrinken.
In der Arktis vollzieht sich die Erderwärmung etwa doppelt so schnell wie anderswo. 2040 wird es im arktischen Sommer überhaupt kein Treibeis mehr geben, sagen die Klimaforscher voraus.
Das schmelzende Eis sorgt für einen Anstieg des Wasserspiegels. Auf den Carteret-Inseln (Papua-Neuguinea) ist der Kampf gegen das steigende Wasser bereits verloren. Die Brunnen sind mit Salzwasser gefüllt.
Die 2.500 Einwohner sollen auf der Hauptinsel Bougainville eine neue Bleibe finden.
Auch auf Tuvalu zwischen Australien und Hawaii sind die Gärten längst verkommen. Hier ein Bild von der Insel Funafuti. Das Wasser steigt immer höher, der Boden versalzt.
Die Fischgründe sind durch das Ausbleichen der Korallen stark dezimiert. Tuvalu hat auf seinen acht Inseln nur fünf Meter hohe "Berge".
Ähnlich ergeht es den Insel-Staaten Kiribati (Bild), den Cook-Inseln und Fidschi. Auf Kiribati wurden 1999 zwei unbewohnte Atolle überflutet, ...
... auf bewohnten Inseln versuchen die Menschen, sich mit Schutzwällen gegen das steigende Wasser zu wappnen.
Die Regierung von Tuvalu hat ein Abkommen mit Neuseeland getroffen: Das Land hat sich bereit erklärt, die 11.600 Einwohner aufzunehmen, wenn es brenzlig wird. In 50 Jahren, so fürchtet die Regierung, könnte das Inselreich verschwunden sein.
Bis 2010 - das ist in drei Jahren - rechnen die Vereinten Nationen mit 50 Millionen Umweltflüchtlingen.
Auf Kiribati haben die 100.000 Einwohner als Trinkwasser praktisch nur noch Regen. Die ohnehin nur flachen Süßwasser-Reservoire versalzen durch den steigenden Meeresspiegel.
Weltweit werden sowohl Überschwemmungen als auch lange Trockenzeiten zunehmen. Links die Oder in Frankfurt (Oder) bei extremem Niedrigwasser mit einem Pegelstand von 90 cm am 4. August 2006, rechts mit einem rasch steigendem Pegel von 215 cm am 11. August 2006.
In Australien setzen starke Niederschläge Anfang 2007 zahlreiche Wüsten-Städte unter Wasser. Der trockene Boden kann den Regen nicht aufnehmen, das Wasser fließt oberirdisch ab.
Gleichzeitig kämpfte die Feuerwehr an den normalerweise feuchten Küsten im Südosten mit Tankflugzeugen gegen Buschbrände, die sich alljährlich durch extreme Dürre verbreiten.
Der Dal-See im indischen Teil Kaschmirs ist in den vergangenen 40 Jahren von einst 30 Quadratkilometern auf weniger als die Hälfte geschrumpft.
Wasserknappheit bedroht nicht mehr nur Entwicklungsländer, sondern auch Staaten wie Spanien (Bild), die USA, Japan und Teile Großbritanniens.
In Österreich musste in diesem Jahr der traditionelle Eisschnelllauf-Marathon auf dem Weissensee abgesagt werden. Erstmals seit 119 Jahren hat der in 930 Meter Meeresspiegelhöhe gelegene See in Kärnten um diese Jahreszeit keine tragende Eisdecke.
Auch Deutschland ist im globalen Klimawandel keine Insel der Seligen. "Deutschland muss sich spätestens zur Mitte des Jahrhunderts auf die Zunahme extremer Wetterereignisse wie starker Sommergewitter oder längerer Trockenperioden einstellen", ...
... erklärt Daniela Jacob vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. Jacob hat zusammen mit ihren Kollegen die bislang umfassendste Klimasimulation für Deutschland geschaffen. Unter dem Namen Remo (Regionalmodell) füllt sie riesige Festplattenstapel.
"Fast gesichert ist, dass sommerliche Starkniederschläge und Gewitter zunehmen", sagt die Max-Planck-Forscherin. Das gelte sowohl für deren Anzahl als auch für die Niederschlagsmenge. Eines der betroffenen Gebiete ist etwa der gesamte Einzugsbereich der Elbe.
Auch lange Hitzeperioden - etwa wie im Jahr 2003 - würden künftig wahrscheinlicher. Die Prognose sagt doppelt so viele ein- und zweiwöchige Niedrigwasser am Rhein voraus.
Die Winter im Süden und Südosten dürften bis 2100 um mehr als vier Grad wärmer ausfallen als im Zeitraum von 1961 bis 1990. "Wir müssen mit 20 bis 30 Prozent mehr Niederschlägen im Winter rechnen, ...
... ein Großteil davon als Regen", erklärt die Hamburger Forscherin.
Die Zeichen stehen mehr denn je auf Sturm. Nach Europa und den USA haben sich auch Indien und China zu extrem energiehungrigen Volkswirtschaften entwickelt. Beide Länder steigern ihren Verbrauch, statt ihn zu drosseln.
Um so dringender ist eine Nachfolgeregelung des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls. Wie gesagt: Analysiert wurde lange genug. Jetzt muss etwas geschehen.
Was?
Das weiß doch mittlerweile wirklich jeder: Zuerst auf grüne Energie umsteigen, ...
... dann weniger Auto fahren, ...
... weniger fliegen, ...
... weniger Fleisch essen, ...
... möglichst Bio-Produkte kaufen ...
... und ein paar Bäume pflanzen.
Strom sparen? Das muss nicht sein ...
... jedenfalls nicht, wenn der Strom von der Sonne, dem Wind oder der Erde erzeugt wird.
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