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Unaufhaltsam: Der Verfall des menschlichen Körpers

 
Unaufhaltsam: Der Verfall des menschlichen Körpers

Dass wir älter werden, ist eine der wenigen Sicherheiten, die wir im Leben haben. Älter werden - schön und gut. Lange leben? Ja, bitte. Aber altern wollen wir dabei nicht.

Glatzen

... noch weiße Haare oder ...

... Falten.

Wir wollen keine dünne, fleckige Haut, und es wäre uns lieb, ...

... ohne Hörgerät alt zu werden ...

... (die oberen Hörfrequenzen sind mit den Jahren unter Umständen nicht mehr wahrnehmbar).

Auf die Lesebrille möchten wir verzichten ...

... (unsere Augenlinsen verlieren im Alter an Elastizität und können sich nicht mehr so stark wölben. Dadurch verlieren wir nach und nach das Naheinstellungsvermögen).

Und ein Gebiss ist auch nicht gerade das, was wir uns für einen romantischen Abend zu zweit wünschen.

Von Jahr zu Jahr kleiner zu werden, scheint ebenso wenig attraktiv ...

... (Dieser Prozess beginnt etwa mit dem 40. Lebensjahr, um die 60 herum beschleunigt er sich. Die menschliche Statik wird zunehmend instabil und unsere Bandscheiben verlieren immer mehr an Höhe).

Auch Vergesslichkeit gefällt uns nicht immer (das Gehirn büßt im Laufe des Lebens ein Drittel seines Gewichtes ein).

Den Verlust einstiger Fähigkeiten ...

... und die nachlassende Libido wollen wir lieber gar nicht erst erwähnen.

Im Alter wird unsere Immunabwehr schwächer, Arterien und Gelenke versteifen, Knochen werden brüchig. Unser Hormonsystem stellt kaum noch verjüngende Hormone her, ...

... die Produktion von Tyrosin, das wichtig ist für den Haarfarbstoff Melanin, lässt nach, ...

... die Verdauung wird immer träger.

Unsere Muskeln erschlaffen, und der einst straffe Körperbau wandelt sich - leider kaum zu verhüllen - in schlappes, faltiges Gewebe. Der Knackarsch, den wir einmal hatten, existiert nur noch auf Fotos.

Depressionen treten auf, und der Blick in den Spiegel kann sie täglich verstärken.

In jeder einzelnen Zelle unseres Körpers spielen sich altersbedingte Veränderungen ab. Das wirkt sich auf die Eigenschaften und Funktionen von Gewebe und Organen aus.

Altern bedeutet Verschleiß und Leistungseinbuße, und beides setzt erschreckend früh ein, nämlich bereits nach der sexuellen Reife, meist nur wenige Jahre nach dem 20. Geburtstag.

Und dabei hat der Mensch noch Glück. Schließlich lebt er etwa fünfmal länger als eine Katze.

Und die wiederum fünfmal länger als eine Maus, und diese…

… sogar fünfundzwanzigmal länger als eine Fruchtfliege. Warum das so ist? Evolutionsbiologen erklären es mit einem gesicherten Fortbestand der eigenen Art.

Es soll genug Kraft und Zeit bleiben, um ausreichend Nachkommen zu zeugen und großzuziehen. Dafür braucht der Mensch zweifelsohne länger als eine Fruchtfliege.

Und er kommt - verglichen mit der Tierwelt - noch in anderer Hinsicht gut weg: In freier Wildbahn werden Schwäche und Unachtsamkeit oft direkt mit dem Tode bestraft.

Richtig alt werden nur wenige Tierarten, so z.B. die Galapagos-Schildkröte. Und bei ihr liegt es - so zumindest eine These - daran, dass sie unaufhaltsam wächst und nie ihre endgültige Körpergröße erreicht. Gut, da ist bei uns nichts zu machen.

Trotzdem versichern uns Wissenschaftler und Mediziner, dass der Verfall des menschlichen Körpers verzögert werden kann. Manche glauben sogar, dass wir ihn komplett aufhalten könnten.

Immerhin ist das zu erwartende Lebensalter innerhalb der EU seit 1980 um rund fünf Jahre gestiegen. Die höchste Lebenserwartung in der Union haben Spanierinnen mit durchschnittlich 82,5 Jahren, ...

... die geringste portugiesische Männer. Sie erreichen ein Alter von 71,7 Jahren.

Schon 2102 könnten die Deutschen ein Volk der Hundertjährigen sein.

Denn wie das Rostocker Max-Planck-Institut für demografische Forschung 2002 berechnet hat, wird etwa die Hälfte der heute geborenen Mädchen und fast jeder dritte Junge mindestens 100 Jahre alt.

Das maximal erreichbare Lebensalter für den Menschen scheint allerdings seit langer Zeit konstant bei etwa 120 Jahren zu liegen.

Wichtig ist, zwischen dem normalen körperlichen Verfall und so genannten Alterskrankheiten wie Demenz und Osteoporose zu unterscheiden. Diese sind es, die letztlich unsere Lebensqualität reduzieren und uns mitunter unserer Würde berauben.

Der Verfall des menschlichen Körpers ist ein dankbares Forschungsfeld. Inzwischen bringen es die Wissenschaftler auf rund 300 verschiedene Theorien des Alterns.

Warum wir altern, wie wir altern, warum manche anders altern als andere, warum unsere Vorfahren früher alterten als wir - all das sind Fragen, die noch nicht eindeutig beantwortet sind.

Klar ist: Der Alterungsprozess ist zu rund 20 Prozent genetisch festgelegt (das erklärt die so genannte Programmtheorie) und zu rund 80 Prozent Verschleiß (Fehlertheorie).

7000 Gene stehen als lebensverkürzende Übeltäter im Verdacht. Bisher sind lediglich drei davon etwas gründlicher erforscht.

So ist es z.B. bei Würmern gelungen, ihre Lebenserwartung von 9 auf 50 Jahre zu steigern. Forscher hatten ein Gen ausgeschaltet, von dem man nicht so recht wusste, wofür es eigentlich gut war.

In der Folge jedenfalls reduzierte sich der Stoffwechsel der Tiere. Alles ging plötzlich langsamer: Nahrungsaufnahme, Verdauung, Fortbewegung. Auf Sex hatten die Würmer keine große Lust mehr. Sie wurden träge, dafür aber uralt.

Zur Programmtheorie gehört auch der Verlust der Telomere, der Chromosomenenden. Bindegewebszellen können sich nur etwa 50 Mal teilen, und dabei verkürzen sich jedes Mal die Chromosomenenden. ( Spezielles Mikroskopbild eines Chromosomenpaares)

Zur Geburt sind unsere Telomere etwa 10.000 Basenpaare lang, ...

... im Alter von 100 Jahren nur noch etwa 5000 Basenpaare. Wenn die kritische Länge unterschritten wird, hört die Zelle auf, sich zu teilen. Das bedeutet, sie altert und stirbt ab.

Etwas einfacher klingen die Grundzüge der Fehlertheorie. Sie geht davon aus, dass unsere Körpersysteme ständig über ihre Grenzen hinaus beansprucht werden und dadurch starkem Verschleiß ausgesetzt sind. Umweltverschmutzung, ...

... Säure bildende Nahrung, mit Chemikalien versetzte Lebensmittel, ...

... Nebenwirkungen von Medikamenten und ...

... Alltagsstress beschleunigen unseren Verfall.

Zur Fehlertheorie gehört auch die weit verbreitete Theorie der Freien Radikalen.

Sie lässt sich auf die meisten Organe (im Bild die Nieren) und Funktionskreise des menschlichen Körpers anwenden.

Die durch UV-Licht verursachte Hautalterung beispielsweise geht auf das Konto der Freien Radikalen.

Freie Radikale sind aggressive Sauerstoffatome. Reaktionen mit Freien Radikalen verursachen Schäden und beschleunigen damit den Alterungsprozess.

Der Körper kann sich lange Zeit dagegen wehren und entstandene Schäden reparieren.

Doch irgendwann schwinden diese Kräfte und die Zahl der schadhaften Stellen nimmt zu.

Die Mittel der Wahl heißen hier Antioxidantien. Sie sind z.B. in Knoblauch, Gurken, Brokkoli, Kaffee, Tee, ...

... Zitrusfrüchten, Tomaten, Basilikum, Spargel und Kakao enthalten.

Antioxidantien vermindern die Reaktionen mit Freien Radikalen. Außerdem sollen sie der Entwicklung von Übergewicht entgegenwirken. Das wiederum hat einen positiven Einfluss auf den Alterungsprozess.

Eine weitere Theorie des Alterns beschäftigt sich nämlich mit Körpergewicht und Energieverbrauch.

Fasten wirkt sich demnach günstig auf die Lebenserwartung aus.

Mäuse, die von Wissenschaftlern auf Diät gesetzt worden waren, ...

... lebten im Durchschnitt um die Hälfte länger als wohlgenährte Artgenossen. Auf menschliche Maßstäbe übertragen wurden die Diätmäuse rund 150 Jahre alt.

Beim Menschen nimmt der Energiebedarf ab dem 30. Lebensjahr kontinuierlich ab. Die meisten Gerontologen stimmen darin überein, dass durch maßvolles, aber nährstoffreiches Essen chronische Erkrankungen im Alter reduziert werden können.

Damit steigt dann auch die Lebenserwartung.

In Mode ist die Hormon-Theorie. Ihr zufolge wäre Altern auf das Versagen der Zirbeldrüse zurückzuführen. Je verkalkter diese Drüse ist, umso weniger Melatonin produziert sie.

Das wiederum bewirkt, dass wir leichter frieren und ...

... schlechter schlafen. Außerdem regeneriert sich der Körper nicht mehr so gut.

In den USA sind "Anti-Aging"-Hormone zum Teil frei verkäuflich. So z.B. auch DHEA, ein Vorläufer des Testosterons. Es soll Immunabwehr und Gedächtnis stärken, die Libido steigern und vor Übergewicht schützen.

Vor einer unkontrollierten Einnahme von Hormonen jedoch warnen viele Forscher. Zuweilen, so meinen sie, kämen "Anti-Aging"-Maßnahmen dem Doping gleich.

Die Langzeitwirkung von DHEA ist medizinisch noch nicht umfassend erforscht. Erste Daten deuten nach Auskunft einiger Hormonforscher auf ein eher unkalkulierbares Risiko hin.

Auch ohne Hormonkur ist es uns möglich, den Alterungsprozess zu beeinflussen. Es reicht, Lebensstil und Ernährung umzustellen. Um bis zu zehn Jahre lässt sich die biologische Uhr nach Einschätzung von Biologen zurückdrehen, ...

... vorausgesetzt, wir verzichten auf Nikotin, ...

... nehmen Alkohol nur in Maßen zu uns, ...

... essen zurückhaltend und ...

... treiben regelmäßig Sport.

Auch hilft es, uns die bereits erwähnten Würmer zum Vorbild zu nehmen und unsere Stoffwechselaktivität zu reduzieren. Das geht zum Beispiel mit Meditation.

Ruhe und Gelassenheit im Alltag zahlen sich aus.

Spaziergänge in der Natur und ...

... schöne Musik helfen uns, dies zu erreichen.

Daneben spielt auch die Versorgung mit Mineralien und Spurenelementen eine wichtige Rolle. Alle Naturvölker, die ihr genetisch angelegtes Potenzial von 120 Jahren in Gesundheit und Vitalität tatsächlich erfüllen, ...

... leben abseits der Zivilisation in einsamen Bergregionen und verwenden zur Bewässerung ihrer Felder ausschließlich Gletscherwasser. Dieses ist voller Mineralien und Spurenelemente.

Wenn uns Wissenschaftler eine hohe Lebenserwartung voraussagen sollen, müssten wir idealerweise aus dem Kaukasus kommen.

Von Vorteil wäre es außerdem, wenn wir eine unfruchtbare oder vorsorglich sterilisierte Frau wären. Schon von Geburt an müssten wir kalorienarm essen.

Unsere Eltern müssten sehr alt geworden, zum Zeitpunkt unserer Geburt aber sehr jung gewesen sein.

Wir müssten mindestens acht Stunden täglich schlafen und ...

... gern Distelöl, Fischöle, vernünftige Mengen an Vitamin E und Knoblauch essen.

Außerdem sollten wir täglich mindestens einmal herzlich lachen.

Ein hoher IQ - so das Ergebnis von Studien - würde sich eher nachteilig auf unsere Lebenserwartung auswirken, ...

... ebenso ein hohes Einkommen.

Infektionskrankheiten müssten wir strikt vermeiden, genauso wie Unfälle.

Daher sollten wir das Haus vorsichtshalber nur selten verlassen.

Auf den sonntäglichen Kirchgang sollten wir allerdings nicht verzichten. "Alles in allem eine eher lustfeindliche, aber eben lange Art zu leben", resümiert der Sportmediziner Klaus Pöttgen. Wie wir die Prioritäten setzen, ...

... will daher wohl überlegt sein.

Übrigens wirkt sich auch ein großes Hirngewicht positiv auf die Lebenserwartung aus. Wahrscheinlich können kleinere Hirne den Verlust von Nervenzellen (beim Menschen etwa 100.000 am Tag) nicht gut wettmachen.

Wir haben es aber in der Hand, unsere Lebenszeit aktiv und gesund zu gestalten. Und wie der Forscher Leonard Hayflick anmerkt, haben wir dabei die Möglichkeit, auf ganz einfache Weise Zeit zu schinden: ...

Wer seinen Wecker morgens eine halbe Stunde vorstellt und das vom 25. bis zum 85. Lebensjahr durchhält, gewinnt 1,25 Jahre an aktiver Lebenszeit.

Immerhin. Wem das nicht reicht, dem müssen wir gestehen: Ein Wundermittel gegen das Altern ist nach wie vor nicht in Sicht.

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