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Unvorstellbar, ...
... eine Welt ohne Bienen.
Die fleißigen Insekten, die wie die Ameisen und die Wespen zu der Familie der Hautflügler gehören, bestäuben quasi nebenbei tausende Blüten.
Die Honigbienen sind mit ihrer sozialen Lebensweise eine Ausnahme unter den verschiedenen Bienenarten. Sie leben als Völker in Bienenstöcken.
Ein Bienenstock ist ein höchst komplexes Sozialgebilde, in dem maximal 100.000 Bienen leben. Im gut organisierten Bienenstaat herrscht reproduktive Arbeitsteilung, das heißt, jede Biene ist auf eine bestimmte, gemeinschaftserhaltende Arbeit spezialisiert.
Bienen brauchen die Gemeinschaft und können als Individuen nicht überleben. Ein Bienenvolk besteht aus einer Königin, Arbeitsbienen und Drohnen.
Die Bienenkönigin (meist vom Imker mit einem farbigen Punkt gekennzeichnet) ist allein für die Eiablage zuständig.
Nur sie legt die Eier in die Wabenzellen im Bienenstock ab.
Ein befruchtetes Ei, das in einer Wabenzelle liegt, wird von den Arbeitsbienen mit einem Gemisch aus Pollen und Honig ernährt.
Aus diesem Ei entstehen nach 21 Tagen die Arbeitsbienen, die mit 30.000 bis 70.000 Stück den größten Anteil in einem Bienenstaat ausmachen.
Andere weibliche Eier werden von der Königin in so genannte Weiselwiegen, das sind tönnchenförmige Wachszellen, gelegt.
Die Arbeitsbienen werden ungefähr 45 Tage alt. Ihre Aufgaben im Bienenstaat sind vielfältig. Je nach Alter sind sie Putz-, Bau-, Wehr-, Trachtbienen oder Ammen für die Larven.
Der Boden der Weiselwiegen wird mit so genanntem Gelee Royal bedeckt, so dass die heranwachsende Königin nie Mangel leidet.
Nach 16 Tagen schlüpft aus einer verdeckelten Weiselwiege eine Königin. Diese tötet sofort alle anderen Königinnenlarven. Die Königin ist mit ungefähr 18 mm wesentlich größer als die Arbeiterinnen. Ihr Körper ist länger und spitzer.
Neue Bienenköniginnen entstehen nur, wenn sich das Bienenvolk über das Schwärmen vermehren will oder weil die bisherige Königin durch Tod oder aus Altersgründen ersetzt werden muss.
Sechs Tage nach dem Schlüpfen geht die Königin auf Hochzeitsflug, auf dem sie sich fünf bis sechs Mal mit mehreren Drohnen vereinigt. Danach beginnt ihr vier- bis fünfjähriges Leben als Eierlegerin. In dieser Zeit verlässt die Königin nie wieder ihren Stock.
Die Königin legt durchschnittlich ein Ei pro Minute. Aber nicht nur befruchtete, sondern auch unbefruchtete Eier werden von der Bienenkönigin in die Wabenzellen gelegt. Auch diese werden von Arbeiterinnen mit einem Pollen-Honig-Gemisch gefüttert.
Nach 24 Tagen schlüpfen die männlichen Bienen, die so genannten Drohnen. Diese sind größer und haariger als die Arbeitsbienen, haben einen eckigeren Leib und größere Augen. Drohnen besitzen keinen Stechapparat.
Drohnen sind die einzigen Männchen im Bienenstock. In einem Bienenvolk leben nur einige hundert Drohnen. Ihre Aufgabe ist es, die Königin zu besamen. Sie werden deshalb im Stock geduldet und von den Arbeiterinnen versorgt.
Nur wenigen Drohnen gelingt die Besamung der Königin. Diese sterben aber nach dem Akt. Die anderen Drohnen werden nach dem Hochzeitsflug der Königin nicht mehr zurück in den Bienenstock gelassen bzw. als unnütze Esser hinausgeworfen. Auch sie sterben.
Die meisten Arbeiterinnen sind - je nach Lebensalter - emsig damit beschäftigt, ihre Rüssel in Blütenkelche zu stecken, ...
... um den süßen Nektar herauszusaugen. Beim Nektarsammeln werden die Blüten der Pflanzen quasi nebenbei bestäubt. Die Pflanzen können erst jetzt Früchte ausbilden.
Aus diesem Grund liegt der landwirtschaftliche Stellenwert der Biene als Haustier (nach Rindern und Schweinen) auf Platz drei. 80 bis 90 Prozent aller Obst- und Gemüsesarten, aber auch Futterpflanzen werden von Bienen bestäubt.
Der süße, goldgelbe Honig, der direkt aus dem Bienenstock gewonnen wird, spielt in Bezug auf die landwirtschaftliche Stellung der Biene nur eine untergeordnete Rolle.
Auch das Bienenwachs, das vielfältig eingesetzt werden kann, ist nur ein "Nebenprodukt" der Biene.
Indirekt steckt also selbst in einem Hamburger die Arbeit von fleißigen Bienen. Der von Bienen erwirtschaftete Wert wird von Forschern allein für die USA auf rund 18 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Die Gründe für das massenhafte Bienensterben scheinen vielfältig. Einerseits könnten die Insekten überzüchtet sein, ...
... andererseits scheint das Nahrungsangebot für die Tiere nicht ausreichend zu sein. Zudem gibt es auch immer weniger Imker - junge Leute interessieren sich nicht für die Arbeit mit Bienen.
In Baden-Württemberg haben Untersuchungen ergeben, dass ein Pflanzenschutzmittel die Tiere schlichtweg vergiftet hat.
Die Varroamilbe hat wie in jedem Jahr zusätzlich die Bienenbestände reduziert.
Um die Anzahl der Bienen schnell wieder auffüllen zu können, versuchen Wissenschaftler derzeit, eine varroaresistente Biene zu züchten.
Fest steht, dass die sonst sehr anpassungsfähige Honigbiene nun nicht mehr mitmacht. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Gleichgewicht der Natur enorm gestört ist. (Text: J. Köhler, Bilder: AP, dpa)
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