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Steinalter Überlebenskünstler: Die Qualle

 
Steinalter Überlebenskünstler: Die Qualle

Sie sind glibberig und oft unscheinbar.

Viele Arten sind giftig ...

... einige bizarr, andere wunderschön.

Quallen leben seit mehr als 670 Millionen Jahren in den Meeren der Welt.

Beweise dafür sind Quallen-Fossilien (links), die Forscher in Felsen im US-Staat Utah und in Illinois fanden.

Quallen zählen damit zu den ältesten Tieren der Erdgeschichte.

Sie bestehen zu 98 bis 99 Prozent aus Wasser und gehören zu den Nesseltieren.

Auch Polypen und Seeanemonen werden zur Gruppe der Nesseltiere gezählt.

Quallen werden wissenschaftlich als Medusen bezeichnet. Sie leben in allen Meeren der Welt.

Aber auch in Seen und Flüssen haben sich bestimmte Quallenarten im Laufe der Zeit angesiedelt.

Mehr als 2500 verschiedene Arten sind bekannt.

Quallen können zwischen einem Millimeter ...

... und mehr als zwei Metern Durchmesser haben. Die Riesenquallen erreichen ein Gewicht von mehr als 200 Kilogramm.

Der Körperbau der durchsichtigen Tiere hat sich bewährt. Er ist seit mehr als 500 Millionen Jahren unverändert.

Je nach Art ist ihr Körper kugel-, würfel- oder schirmförmig und besteht nur aus zwei verschiedenen Schichten - einer inneren und einer äußeren Zellschicht.

Dazwischen liegt die gallertartige Masse, die einerseits den Sauerstoff speichert und andererseits das Tier schützt. Durch diese Schicht können Quallen selbst im sauerstoffarmen Wasser bis zu zwei Stunden überleben.

Durch ihren Körperbau sind Quallen wahre Überlebenskünstler. Sie können in Hungerszeiten 99 Prozent ihres Gewichts verlieren und fressen in der größten Not sogar ihre eigenen Geschlechtsorgane.

Die Tiere besitzen ein Nervensystem und Sinnesorgane, aber kein Gehirn. Der Hohlraum an der inneren Zellschicht ist mit einem Magen gleichzusetzen, aber einen After hat die Qualle nicht.

Aber auch ohne diese Körperteile kann sich die Qualle sehr gut in ihrem Lebensraum entfalten.

Die meisten Quallen besitzen lange Tentakeln, an denen sogenannte Nesselzellen haften. Diese Tentakeln können bei einer Riesenqualle bis zu 20 Meter lang werden.

Mit den Tentakeln fängt die Qualle ihre Beute oder verteidigt sich. Bei Berührung kommt es innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde zum Ausstoß von Gift.

Die Nesselkapseln an den Tentakeln schießen wie Harpunen in die Haut des Opfers. Durch den Nesselschlauch wird das Gift direkt in die Wunde abgegeben.

Auch für Menschen ist das Gift bestimmter Quallenarten gefährlich, manchmal sogar tödlich.

Durch Quallen kommen jährlich mehr Menschen ums Leben als durch Haiangriffe. Die Tiere gehören zu den giftigsten der Erde.

Die Berührung von giftigen Quallen kann bei Menschen zu Hautreizungen, allergischen Reaktionen, zu Lähmungen, heftigen Schmerzen und Ausfällen im Gehirn führen - im schlimmsten Fall zum Tod.

Aber auch Narben und vielfältige Langzeitschäden sind nach einem Quallenkontakt möglich. Nicht jedes Quallengift ist allerdings schädlich für uns Menschen.

Es wird angenommen, dass das Gift der Quallen so wirksam ist, weil viele der Meeresbewohner selbst wesentlich unempfindlicher als Landbewohner darauf reagieren.

Die giftigen Fangarme der Tiere können abgerissen und im Meer treibend für einige Zeit auch ohne die Qualle Schaden anrichten. Die Tiere wiederum haben die Fähigkeit, abgerissene Tentakeln nachwachsen zu lassen.

Auch wenn von den glibbrigen Tieren eine gewisse Gefahr ausgeht, faszinieren sie uns Menschen enorm.

Auch die Wissenschaft interessiert sich mehr und mehr für die Eigenarten der Tiere.

So ist sowohl ihr Leuchten, ...

... als auch ihre Fähigkeit zur Regeneration von größtem Interesse für Forscher.

Das fluoreszierende Protein der Qualle kommt bereits seit einiger Zeit erfolgreich in der Molekular- und Zellbiologie zum Einsatz.

Auch die gallertartige Struktur steht im Fokus. Das Gel der Ohrenqualle beispielsweise wurde erfolgreich als Bio-Kollagen verwendet. Es hilft, die Elastizität von Knorpel, Sehnen und Bänder beim Menschen aufrechtzuerhalten.

Die Forscher fanden heraus, dass der Glibber der Qualle den Knorpelzellen des Menschen ähnlicher ist als alle bisher getesteten Kollagene.

Auch die Kosmetikindustrie hat wachsendes Interesse an Quallen als Kollagenlieferant.

In Japan und China dagegen landen die bizarren Wesen ...

... als Delikatesse zur Vorspeise auf dem Teller.

Trotz des gestiegenen Interesses an den Meeresbewohnern und den sich verändernden Lebensbedingungen im Meer ist keine einzige Quallenart bedroht.

Im Gegenteil, Experten gehen davon aus, dass die Überdüngung der Meere zur rasanten Vermehrung der Tiere und schließlich zu Quallenplagen beiträgt.

So bleiben die Tiere ohne Hirn und Rückgrat die Gewinner der Evolution.

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