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Blutige Jagd auf friedliche Riesen: Die Walfangpläne der Japaner

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Der kommerzielle Walfang ist seit fast 30 Jahren international verboten - und das aus gutem Grund: Viele der riesigen Meeresbewohner sind in ihrem Bestand gefährdet und sie können sich nur langsam erholen. (Foto: picture alliance / dpa)

Der kommerzielle Walfang ist seit fast 30 Jahren international verboten - und das aus gutem Grund: Viele der riesigen Meeresbewohner sind in ihrem Bestand gefährdet und sie können sich nur langsam erholen.

Der kommerzielle Walfang ist seit fast 30 Jahren international verboten - und das aus gutem Grund: Viele der riesigen Meeresbewohner sind in ihrem Bestand gefährdet und sie können sich nur langsam erholen.

Fast alle Nationen halten sich an dieses Gebot der Vernunft. Die Meeressäuger gelten als hochintelligent. Viele ihre Verhaltensweisen sind noch immer rätselhaft, ihre Sprachen nahezu unerforscht, ihr Lebensraum gefährdet.

Nur Japan will trotz eines Urteils des Internationalen Gerichtshofs (IGH) gegen sein Walfangprogramm weiter Meeressäuger in der Antarktis jagen.

Um die Internationale Walfangkommission (IWC) für sich zu gewinnen, legt Tokio ihr den Plan für ein abgespecktes neues Forschungsprogramm vor.

Demnach sollen ab April 2015 jährlich noch 333 Zwergwale getötet werden, zwei Drittel weniger, als das bisherige Programm vorsah.

Experten sind entsetzt: Die Naturschutzorganisation WWF lehnt den Vorschlag in einer ersten Stellungnahme als "Augenwischerei" ab.

"Walfänger haben in den Walschutzgebieten des Südpolarmeeres nichts verloren", betont Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland.

"Illegaler kommerzieller Walfang wurde viel zu lange unter dem Deckmantel der Forschung geduldet." (Im Bild die "Nisshin Maru", das Farbrikschiff der japanischen Walfangflotte.)

Die Walfangkommission müsse, so heißt es beim WWF weiter, den Antrag Japans auf Wiederaufnahme des Programms ablehnen.

Die offizielle Begründung des japanischen Walfang kann längst niemanden mehr ernsthaft überzeugen: Das Fleisch der zu "Forschungszwecken" gefangenen Wale gelangt in den Handel. Es gilt in manchen Kreisen als Delikatesse.

Der Verzehr von Walfleisch wird von der japanischen Regierung sogar ausdrücklich gefördert - obwohl sich im Gewebe der langsam wachsenden Meeresbewohner viele Schwermetalle und andere Giftstoffe aus den Ozeanen ablagern.

"Hier gibt es Walfleisch": In Tokio treffen sich der frühere Wirtschaftsminister Toshihiro Nikai (r.v.l.) und amtierende Staatssekretäre aus dem Handelsministerium trotz aller Bedenken demonstrativ zum öffentlichen Walfleischessen.

Und im Hafen von Minamiboso dürfen Schüler zum alljährlichen Start der Walfangsaison zuschauen, wie ...

... fleißige Arbeiter mit messerscharfen Schnittwerkzeugen einen rund zehn Meter langen Schwarzwal abziehen und in Stücke schneiden.

Im Anschluss an die traditionelle Veranstaltung zur Saisoneröffnung reichen Helfer üblicherweise kostenlose Kostproben fangfrischen Walfleischs.

Davon ist selbst in Minamiboso nicht jeder Zuschauer begeistert.

Japan, das Land der aufgehenden Sonne, ignoriert damit nicht nur die oft sehr kreativen, zuweilen auch handfesten Protestaktionen von Walschützern und Umweltaktivisten.

Japan stellt sich damit auch gegen geltendes internationales Recht - einer einzelnen kulinarischen Tradition zuliebe und um eine Handvoll leicht ersetzbarer Arbeitsplätze zu schützen.

Denn der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hatte das sogenannte wissenschaftliche Fangprogramm Japans zuletzt klipp und klar als "illegal" bezeichnet.

Die Forschungsergebnisse seien zu dürftig, zu viele Tiere würden getötet, lautet die Begründung der Juristen aus Den Haag.

Außerhalb Japans ruft der rücksichtslose Umgang der Japaner Wut und Empörung hervor.

Nach einem kürzlich veröffentlichten Beschluss der internationalen Wahlfangkommission IWC muss Tokio sein umstrittenes Fangprogramm zunächst IWC-Wissenschaftlern zur Prüfung vorlegen.

Dem neuen Plan nach verzichtet Japan künftig auf die Tötung von Finn- und Buckelwalen. (Hier eine Buckelwalmutter mit ihrem Kalb, r.)

Bisher hatten jeweils 50 dieser Tiere auf Japans Abschussliste gestanden. (Im Bild das japanische 'Forschungsschiff' "Shonan Maru 2")

Zudem will Japan das neue "Forschungsprogramm" auf zwölf Jahre begrenzen.

Auch damit will Japan der Kritik begegnen, bisher zeitlich unbegrenzt Jagd auf die Wale gemacht zu haben.

Für überzeugte Walschützer wie zum Beispiel der radikalen "Sea Shepherd Conservation Societey" - die sich seit Jahren auf offener See mit den Japanern anlegt - klingt der Vorschlag wie der blanke Hohn.

Nicht wenige Kritiker werfen der Regierung in Tokio vor, unter dem Deckmantel der Forschung den kommerziellen Walfang durch die Hintertür wieder einführen zu wollen. (Im Bild das Sea-Sheperd-Schiff "The Bob Barker" bei einer Konfrontation mit der japanischen Fangflotte im Südpazifik.)

Selbst das reduzierte Fangprogramm geht Walschützern zu weit: Zwölf Jahre lang eine Quote von 333 Zwergwalen bedeute weitere 3996 tote Wale, rechnet zum Beispiel der Tierschutzverein Pro Wildlife vor.

"Damit geht Japan auf volle Konfrontation mit der internationalen Staatengemeinschaft", betont Pro Wildlife.

Vom Tierschutz-Fonds IFAW heißt es: "Wäre Japan ernsthaft an der Wissenschaft interessiert, ...

... würden sie sich am nicht-tödlichen multinationalen Forschungsprogramm im südlichen Ozean beteiligen."

Dieses Forschungsprogramm liefert laut IFAW "wertvolle Daten durch die Beobachtung lebender Wale in ihrem Lebensraum."

Eine große Hoffnung verbinden Meeresforscher mit einem ganz anderen kommerziellen Effekt der Meeressäuger.

In Weltregionen, in denen sich die Tiere in Küstennähe aufhalten, ist rund um ihre Anwesenheit ein eigener Tourismuszweig, die Walbeobachtung, entstanden.

Wale sind weltweit allerdings nicht nur durch angeblich forschende Walfänger bedroht.

Neben Lärm, Schiffsverkehr und Meeresverschmutzung haben die Wal-Populationen auch mit treibenden Fischernetzen, den sogenannten Geisternetzen, zu kämpfen - oder, wie WWF-Experte Homes betont: "Der Beifang ist für viele Arten die größte Gefährdung."

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