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Lange Geschichte und knallhartes Geschäft: Die Welt der Drogen

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"Drogen" sind ursprünglich lediglich für Heilzwecke oder auch als Gewürze getrocknete Pflanzen. (Foto: picture alliance / dpa)

"Drogen" sind ursprünglich lediglich für Heilzwecke oder auch als Gewürze getrocknete Pflanzen.

"Drogen" sind ursprünglich lediglich für Heilzwecke oder auch als Gewürze getrocknete Pflanzen.

In allen Kulturen und zu allen geschichtlichen Zeiten haben die Menschen nicht nur die heilenden, sondern auch die berauschenden, halluzinogenen Kräfte der Pflanzen benutzt.

In der Regel wurde der Gebrauch sozial, oft auch religiös, streng kontrolliert.

In Asien, aber auch in Südosteuropa, wurde bereits vor 3000 bis 4000 Jahren Mohn angebaut.

In antiken Schriften wird über Opiate als Medikament gegen Schmerzen und Diarrhoe sowie als Genuss- und Rauschmittel berichtet.

Ebenso wird Cannabis bereits um 2700 v.Chr. erstmals von dem chinesischen Kaiser Sheng Nung als Heilmittel bei verschiedenen Krankheiten erwähnt.

Südamerikas Naturvölker setzen Pilze mit dem Wirkstoff Psilocybin, Trichterwinden oder Kakteen mit dem ebenfalls halluzinogen wirkenden Meskalin bei schamanischen Ritualen ein.

In Europa werden im Mittelalter vor allem heimische Nachtschattengewächse wie Alraun, Bilsenkraut, Stechapfel, Tollkirsche und Tollkraut mit den Wirkstoffen Atropin und Scopolamin bei magischen Ritualen verwendet.

Aufzeichnungen über Hexenprozesse belegen, dass Bilsenkraut von den "Hexen" als "Flugsalbe" benutzt wurde, um zum Teufel auf den Blocksberg zu fliegen.

Im 17. und 18. Jahrhundert wird der Hanfanbau sowohl in Europa als auch in Nordamerika von den Regierungen gefördert und der Konsum von Cannabis als Droge toleriert.

In Ostasien wird das Rauchen von Opium ab dem 17. Jahrhundert jedoch zum gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Problem. In China wird es 1729 verboten.

Durch die wissenschaftlichen Fortschritte der Chemie können zu Beginn des 19. Jahrhunderts die chemischen Wirkstoffe der meisten Naturdrogen analysiert werden.

1821 wird erstmals die chemische Struktur des Cannabis untersucht, ...

... 1898 stellt die Firma Bayer in Deutschland Heroin zur Behandlung Morphinsüchtiger her. Es erweist sich als noch suchtbildender.

1938 synthetisiert Albert Hofmann das im Mutterkornpilz vorkommende Alkaloid LSD.

Diese in den 70er Jahren von Jugendlichen am meisten konsumierten illegalen Drogen werden gegen Ende der 90er Jahre durch ebenfalls synthetisch hergestellte Designer-Drogen wie Ecstasy abgelöst.

Historische Untersuchungen belegen, dass Gesellschaften, die den Gebrauch von Drogen in Rituale einbinden, insgesamt weniger Probleme damit haben.

Verbote, wie die Prohibition gegen Alkohol in den USA 1920 bis 1933, bewirken hingegen eher einen stärkeren Drogenkonsum.

Drogen wirken durch ihre psychotropen Substanzen auf das Gehirn oder das zentrale Nervensystem des Menschen.

Dadurch verändern sich die Wahrnehmung, das Denken, Fühlen und das Verhalten des Drogenkonsumenten.

Die am häufigsten gebrauchte Droge in Deutschland ist Nikotin.

In kleinen Konzentrationen hat Nikotin einen stimulierenden Effekt. Es fördert die Ausschüttung des Hormons Adrenalin sowie der Neurotransmitter Dopamin und Serotonin, beschleunigt den Herzschlag und erhöht den Blutdruck.

Zu den zentralen Wirkungen gehören vor allem die kurzzeitige Steigerung der psychomotorischen Leistungsfähigkeit sowie der Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen.

Die gesundheitlichen Folgen des Tabakrauchens sind jedoch verheerender als die des Konsums von Alkohol, Medikamenten und illegalen Rauschdrogen zusammen.

Tabak ist seit dem Import durch Kolumbus in Europa eine Kulturdroge. Tabakraucher finden sich zusammen und erleben Geselligkeit.

Ärzte schätzen den Tabakkonsum ab fünf Zigaretten am Tag als riskant ein. Mit steigenden Konsumzahlen erhöht sich auch deutlich die Wahrscheinlichkeit schwerer Erkrankungen durch das Rauchen.

Raucher erkranken öfter an Krebs, erleiden häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arterienverkalkung und Durchblutungsstörungen, Impotenz, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, Lungenentzündung, Bronchitis und Lungenemphyseme.

Auch Genschäden und der Verlust des Augenlichts sind mögliche Folgeerkrankungen des Tabakkonsums.

Die am zweithäufigsten verwendete Droge in Deutschland ist Alkohol. Gelegentlicher und mäßiger Alkoholgenuss wird im westeuropäischen Kulturkreis als normales Verhalten betrachtet. Die Grenzen zur Sucht sind jedoch gerade bei den legalen Drogen fließend.

In geringen Dosen wirkt Alkohol euphorisierend, senkt Hemmschwellen und erhöht riskantes Verhalten.

Insgesamt verändert Alkohol das Verhalten der Konsumenten, sie werden z.B. aggressiver, die Gewaltbereitschaft und das Risiko für Depressionen und Selbsttötungen steigen.

Ein stationärer Alkoholentzug dauert acht bis vierzehn Tage, Entzugssymptome wie Schlafstörungen und Erbrechen zeigen, wie stark die körperliche Abhängigkeit ist.

In Deutschland sterben jährlich 42.000 Personen direkt oder indirekt an den Folgen von Alkohol.

Ein noch immer dramatisch unterschätztes Problem ist der Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Der Alkoholkonsum von werdenden Müttern ist jedoch die häufigste Ursache für nicht genetisch bedingte kindliche Fehlbildungen bei Neugeborenen.

Nach Untersuchungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen trinken mehr als 16 Prozent aller Deutschen so viel Alkohol, dass sie ihre Gesundheit stark gefährden. Laut DHS sind derzeit 1,5 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig.

Die legalen Drogen Alkohol und Tabak sind für die persönliche Gesundheit und die Gesellschaft schädlicher als illegale Drogen, belegen wissenschaftliche Studien.

In dieser Rechnung sind sowohl die Folgen für die individuelle Gesundheit und das Suchtpotenzial als auch der gesellschaftliche Schaden einzelner Rauschmittel berücksichtigt.

Die am häufigsten benutzte illegale Droge ist nach wie vor Cannabis, sowohl in Deutschland als auch weltweit.

Cannabis wird als Haschisch und Marihuana konsumiert. Marihuana ist ein Gemisch aus den getrockneten Blättern und Blüten des Hanf und enthält weniger Wirkstoffe als das aus dem Harz der blühenden weiblichen Hanfpflanze gewonnene Haschisch.

Für die psychoaktive Wirkung von Haschisch und Marihuana ist vor allem der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) verantwortlich. Sie wird allerdings von den weiteren enthaltenen Cannabinoiden beeinflusst ...

... und entsteht somit erst durch die Wechselwirkung verschiedener Substanzen. Cannabis verändert die emotionale Gestimmtheit, löst Euphorie oder Lach-Anfälle aus, aber auch gegenteilige Reaktionen mit Angst oder Depressivität.

Zudem verändert die Droge die Wahrnehmung, optische, akustische und geschmackliche Eindrücke werden intensiver erlebt, das Zeitgefühl verändert sich, der Konsument erlebt Halluzinationen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, ...

... komplexe kognitive Leistungen sind nur schwer oder kaum möglich. Wird Cannabis in suchtrelevanten Mengen konsumiert, kann es zu psychischen und physischen Beeinträchtigungen kommen - bis hin zur seelischen Abhängigkeit und auch zu Entzugssymptomen.

Mögliche körperliche Folgen von hohem Cannabisdauerkonsum in Verbindung mit Tabakkonsum (beim Joint-Rauchen), können z.B. Erkrankungen am Herz-Kreislauf-System und der Lunge sein.

Mögliche negative psychische Folgen bei einem harten Konsummuster sind: Angststörungen, affektive Störungen, Persönlichkeitsstörungen, Entwicklungsstörungen. In sehr seltenen Fällen können Krankheiten wie Schizophrenie ausgelöst werden.

Durch Züchtungen ist der Gehalt des Suchtstoffs THC in Hanfpflanzen heute bis zu achtfach höher als noch in den 1970er Jahren. Damit steigen Abhängigkeits- und Gesundheitsgefahren.

Wissenschaftler befürchten, dass dadurch während der Hirnreifung Schäden am zentralen Nervensystem entstehen können. Jugendliche, die schon sehr früh und regelmäßig "kiffen", riskieren v.a. in der psychosozialen Entwicklung gravierende Spätfolgen.

Psychoaktive Pilze, wie der spitzkegelige Kahlkopf, enthalten die Tryptamine Psilocybin und Psilocin. Sie werden gegessen. Ihre halluzinogene Wirkung ähnelt derjenigen von LSD, ist aber von kürzerer Dauer.

Der Konsum führt zu Wahrnehmungsstörungen, es besteht akute Vergiftungsgefahr bei Überdosierung, möglich sind Herzprobleme und Krämpfe.

Heroin ist ein Opiat, es entsteht in chemischen Reaktionen von Morphin und Essigsäureanhydrit.

Es wird meist intravenös gespritzt ("fixen"). Nach Einnahme gerät es in den Blutkreislauf und wirkt sofort.

Der Rausch wird als glückseliger Zustand erlebt, der von Euphorie, Ruhe und Ausgeglichenheit geprägt ist. Probleme treten in den Hintergrund, der Konsument empfindet keinen Schmerz.

Nach Crack ist Heroin die suchterzeugendste Droge. Die Sucht ist psychisch und körperlich. Ein Entzug ist qualvoll und kann auch tödlich enden. Deshalb werden Ersatzwirkstoffe wie Methadon eingesetzt. Dies birgt die Gefahr einer erneuten Anhängigkeit.

Da immer höhere Dosen benötigt werden und unter Heroineinfluss keiner regulären Tätigkeit nachgegangen werden kann, bleibt die Beschaffungskriminalität eines der größten Probleme.

Neben Prävention und Aufklärung wird auch darauf gesetzt, die Gefahr der Aids-Infektion einzudämmen, indem Fixer-Räume und sauberes Besteck zur Verfügung gestellt werden, wie in Hamburg oder Frankfurt.

Nach großen Aufklärungskampagnen und massiver medialer Aufmerksamkeit ist Heroin heute den meisten Menschen ein Begriff. Konsumierende Stars sind eher abschreckende Beispiele der Selbstzerstörung.

Durch Messungen der Abbauprodukte des Kokains im Rhein wird geschätzt, dass etwa in Deutschland pro Jahr etwa 20 Tonnen Kokain konsumiert werden. Eine "Nase Koks" sind etwa 0,1 Gramm. Pro Bundesbürger hieße das hochgerechnet zweimal koksen im Jahr.

Unter Kokaineinfluss fühlen sich die Konsumenten euphorisch, energiegeladen.

Das Selbstwertgefühl steigt in ungekannte Höhen.

Klingt der Rausch jedoch ab, drohen Angstzustände, Paranoia und akustische Halluzinationen.

Die hohe Gefahr psychischer Abhängigkeit resultiert vor allem aus der Selbstüberschätzung. Denn im nüchternen Zustand sinkt das Selbstwertgefühl wieder auf den "Normalwert" ab oder gar darunter. Frustration und Depression sind mögliche Folgen.

Kokain ist aufgrund seines hohen Preises und seiner kurzen Wirkungsdauer von 20 bis 30 Minuten eher eine Droge für Besserverdienende. Drogenexperten sehen Tendenzen, dass Kokain inzwischen aus der Mode kommt.

Crack dagegen ist wesentlich billiger als Kokain und in den USA vor allem als Straßendroge verbreitet. Es ist die Droge mit dem höchsten Suchtpotenzial.

Crack wird aus Kokainsalz und Natron hergestellt. Die Rauschwirkung hält nur kurz an, danach kommt es häufig zum Verlangen nach mehr.

Crack wirkt euphorisierend und stimmungsaufhellend. Es steigert die Aufmerksamkeit und das sexuelle Verlangen. Der körperliche Verfall, den die Droge auslöst, verläuft rasant.

Seit Beginn der 2000er Jahre steigt die Zahl der Amphetamin-Konsumenten kontinuierlich an.

Der Körper wird durch Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin in Alarmbereitschaft versetzt. Die Atmung wird schneller, Blutdruck, Puls und Aufmerksamkeit steigen, ebenso das Selbstbewusstsein.

Außerdem wird Dopamin ausgeschüttet, auch als Glückshormon bekannt, das im Zentrum des Belohnungssystems des Gehirns steht. Der Konsument hat ein gutes Gefühl und ist zufrieden mit sich selbst.

Der Konsument verspürt keinen Hunger, keinen Durst, kein Bedürfnis zu schlafen.

Mögliche Nebenwirkungen sind: paranoide Wahnvorstellungen, latente Schizophrenie, Aggressivität, Schlafstörungen, Akne, Gewichtsverlust ...

... Verlust von Zahnschmelz, Kalziummangel, daraufhin Verlust der Zähne, Potenzstörungen, Nierenschäden, Erbrechen durch Überanstrengung des Körpers, Durchfall, Autoaggression.

Zur Gruppe der Amphetamine gehört aber auch Ritalin. Da Amphetamine paradoxerweise auf Kinder eine eher beruhigende Wirkung haben, wird das Medikament gegen ADHS/Hyperaktivität eingesetzt.

Aufgrund der appetitzügelnden Wirkung werden Amphetamine auch in Diätpillen benutzt.

Eine besondere Abart des Amphetamins ist das Methylamphetamin, das auch aus einigen Medikamenten aus der Apotheke "zusammengekocht" werden kann. In den USA gibt es bereits etwa vier Millionen Abhängige, darunter auch Prominente.

Die Droge, die unter anderem als Meth, Crystal, Crystal Meth und Crank bekannt ist, wird mittlerweile auch in Deutschland konsumiert, auch wenn die Zahlen noch nicht so alarmierend sind wie die US-amerikanischen.

Die Wirkung von Crystal Meth ähnelt der der Amphetamine, ist aber viel stärker. Der Rausch unter Methamphetaminen dauert bei hoher Dosierung bis zu 24 Stunden.

Die Nebenwirkungen sind weit verheerender als bei Amphetaminen. In den USA gibt es bereits "Meth Acts", die die Nebenwirkungen und Folgeerscheinungen des Konsums propagieren.

Die zerstörerische Modedroge ist allerdings keineswegs neu und wurde bereits 1920 patentiert und im Dritten Reich als Pervitin vertrieben.

Das Aufputschmittel wurde auch von der Wehrmacht eingesetzt. Daher auch der Szene-Name "Hitler-Speed".

230 Millionen Menschen nehmen laut dem Bericht der UN-Behörde für Drogen- und Verbrechensbekämpfung mindestens einmal im Leben verbotene Drogen.

27 Millionen Menschen sind abhängig. Das ist einer von 200 Menschen weltweit.

Der Drogenkonsum besonders in den Industrieländern in Europa und Nordamerika ist seit Jahren konstant.

Inzwischen greifen jedoch auch immer mehr Menschen in den aufstrebenden Entwicklungsländern zu Drogen.

Eine Million Chinesen würden Heroin nehmen, gibt selbst die Regierung zu. Die UNODC schätzt die chinesischen Süchtigen auf 2,4 Millionen.

Neben Klassikern wie Haschisch und Marihuana, Kokain und Heroin florieren die sogenannten Designer-Drogen, Amphetamine wie Ecstasy und Metamphetamine, die noch schneller und heftiger aufputschen.

Die Dealer rühren psychoaktive Substanzen zu immer neuen Mischungen zusammen, um den Fahndern zu entgehen.

Während Männer zu harten Stoffen neigen, schlucken Frauen häufig Medikamente als Drogenersatz. Die Beruhigungsmittel können ebenso abhängig machen.

Viele bewaffnete Auseinandersetzungen sind mehr oder weniger versteckte Drogenkriege.

Am Drogengeschäft verdienen vor allem gut organisierte Kriminelle.

Was immer Süchtige suchen, sie finden meist Elend und oft genug den Tod.

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