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Die Zahlen sind alarmierend:
Alle 30 Sekunden stirbt allein in Afrika ein Kind an Malaria.
Anlässlich des Weltmalariatages im April 2008 rief UN-Generalsekretär Ban Ki Monn zu einer weltweiten Kampagne gegen Malaria auf.
Bis 2010 sollten sich alle Menschen auf der Welt vor der tödlichen Krankheit schützen können.
Malaria ist nur eine Krankheit von vielen. Nach wie vor wird die Menschheit von Krankheiten befallen, deren Ausbruch oft vermeidbar wäre.
So sterben 2007 gut 2,1 Millionen Menschen an Aids.
1,5 Millionen Tuberkuloseopfer gibt es im Jahr 2006.
5.5 Millionen Tote fordert das Rauchen pro Jahr.
Hinzu kommen hunderttausende Todesfälle durch Durchfallerkrankungen, Unterernährung, Fettsucht ...
Und die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer weiteren, völlig unterschätzten Gefahr: Dem Klimawandel.
"Über den Klimawandel wird manchmal debattiert, als ob davon nur der Planet betroffen wäre, aber nicht seine Bewohner", so UN-Generalsekretär Ban Ki Moon anlässlich des Weltgesundheitstages.
"Der Klimawandel gefährdet die Qualität und die Verfügbarkeit von Wasser und Nahrung, ...
... er verursacht häufigere und stärkere Stürme, Hitzewellen, Dürreperioden und Überschwemmungen und verschlechtert die Qualität unserer Luft."
Schon heute sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mehr als 150.000 Menschen pro Jahr durch klimabedingte Krankheiten und Verletzungen.
Allein in Europa kostete demnach der extrem heiße Sommer im Jahr 2003 mehr als 70.000 Hitze-Opfer.
"Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit", sagt WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in Genf.
Obgleich manchem der Klimawandel noch in weiter Ferne zu liegen scheint - auch in reichen Ländern wie Deutschland könnte er zu vielen Opfern führen, fürchten Forscher.
Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist die Temperatur in den vergangenen 100 Jahren in Deutschland um 0,8 Grad gestiegen - und auch für die Zukunft sagen Klimaforscher mehr heiße Sommer und nasse Winter voraus.
Mögliche Folgen: Die Infektionskrankheit Malaria könnte nach Deutschland zurückkehren, ....
... auch hierzulande könnte sich - wie in den USA bereits geschehen - das gefährliche West-Nil-Virus ausbreiten.
"Malaria übertragende Moskitos werden heute in Gebieten gefunden, in denen es vorher keine Malaria gab", sagt Shigeru Omi, WHO-Direktor für den Westlichen Pazifik.
Auch bei der Verbreitung des Dengue-Fiebers gibt es offensichtlich einen Zusammenhang mit dem Klimawandel.
Klaus Stark vom Robert-Koch-Institut in Berlin sieht wegen des Klimawandels die Gefahr einer Zunahme von bestimmten Krankheiten. "Dazu zählen Durchfallerkrankungen, Lebensmittelvergiftungen, aber auch die durch Zecken übertragenen Erkrankungen...
... Hier können sich die Zeckenbisse ausbreiten", so der Infektologe bei n-tv.
Und er warnt weiter: "Zum anderen bedrohen uns Infektionserreger, die bisher nicht direkt in Deutschland vorkommen, die aber in den tropischen und subtropischen Ländern weit verbreitet sind."
Gerade diese Länder trifft der Klimawandel noch deutlich mehr.
So kommen durch Katastrophen, bei denen das Klima eine Rolle spielt, laut WHO weltweit 60.000 Menschen ums Leben - die meisten davon in Entwicklungsländern.
Doch nicht nur Hitzewellen, Stürme, Überschwemmungen und Dürren fordern ihren Tribut.
An Erkrankungen wie Durchfall, Malaria und Unterernährung sterben laut Chan pro Jahr mehr als drei Millionen Menschen - auch diese Leiden sind zum Teil mit dem Klimawandel verbunden.
"Alle Völker sind verwundbar, aber die Armen werden als erste und am härtesten getroffen", betont die chinesische Medizinerin.
"Das ist nicht akzeptabel."
Ähnlich sieht es UN-Generalsekretär Ban: Die Auswirkungen würden vor allem in den armen Ländern zu spüren sein, die am wenigsten für diese globale Krise können.
"Bis zum Jahr 2020 könnte fast eine Viertelmilliarde Menschen in Afrika von der wachsenden Wasserknappheit betroffen sein ...
... Die Ernteerträge in einigen afrikanischen Ländern könnten um die Hälfte zurückgehen."
Doch die Entwicklungsländer leiden nicht nur unter den Folgen des Klimawandels.
Schlechte sanitäre Anlagen, wenige Ärzte und Medikamente, mangelnde Bildung und Armut führen oft zu andernfalls vermeidbaren Krankheiten und Todesfällen.
So haben sechs von zehn Afrikanern keinen Zugang zu ordentlichen Toiletten, weltweit sind es rund vierzig Prozent.
2,6 Milliarden Menschen, die den Kontakt mit menschlichen Ausscheidungen und damit verbundenen möglichen Infektionskrankheiten kaum vermeiden können.
"Sanitäre Versorgung ist der Grundstein für öffentliche Gesundheit", so Chan.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon benennt dies konkret: "Alle 20 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen schlechter Sanitärversorgung."
Fast 5.000 Kinder täglich fallen Cholera, Typhus, Gelbsucht oder Durchfall zum Opfer.
Dabei hatten Staats- und Regierungschefs in den Millenniumszielen im Jahr 2000 noch beschlossen, den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sanitärer Grundversorgung bis zum Jahr 2015 zu halbieren.
Doch zwischen Versprechen und Realität klafft mal wieder eine Lücke: "Wir haben nirgendwo das nötige Reformtempo erreicht", muss nun der UN-Generalsekretär eingestehen.
Für das Jahr 2015 rechnen Experten noch immer mit 2,1 Milliarden Menschen ohne sanitäre Grundversorgung.
Für Afrika sieht es noch düsterer aus: "Mit dem jetzigen Tempo wird Schwarzafrika das Ziel erst im Jahr 2076 erreichen können", so Ban.
Überhaupt ist der Zustand des Gesundheitssystems in weiten Teilen Afrikas katastrophal.
Wer kann, arbeitet in anderen Ländern. Etwa ein Viertel der in Afrika ausgebildeten Ärzte ist mittlerweile in wohlhabenderen Staaten tätig.
Allein in Uganda kommen auf einen Arzt 100.000 Patienten.
Laut UN arbeiten nur drei Prozent des medizinischen Fachpersonals weltweit in Schwarzafrika - obwohl dort elf Prozent der Weltbevölkerung leben und 25 Prozent des weltweiten Krankheitsaufkommens verzeichnet werden.
Weltweit fehlen nach WHO-Angaben vier Millionen Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen. In 57 Staaten, meist in Afrika, wird der Fachkräftemangel als kritisch eingestuft.
Eine der größten Bedrohungen für viele Staaten Afrikas und andere Entwicklungsländer ist die Immunschwächekrankheit Aids.
So starben 2007 weltweit 2,1 Millionen Menschen an den Folgen von Aids - unter ihnen 290.000 Kinder.
Fast 90 Prozent aller HIV-infizierten Kinder leben in Afrika - die meisten von ihnen angesteckt durch ihre eigene Mutter.
In den besonders betroffenen ärmeren Ländern erhalten gerade einmal 23 Prozent aller HIV-infizierten Schwangeren eine Vorsorgebehandlung, die das Risiko einer Übertragung der Krankheit auf das Baby verringert.
UNAIDS-Direktor Peter Piot zieht eine negative Bilanz: "Es muss noch sehr viel mehr getan werden, wenn wir wirklich eine große Veränderung bei dieser Epidemie erreichen wollen."
WHO-Experten machen sich vor allem über Tuberkulose unter Aidskranken Sorgen.
Sterben doch viele Aidspatienten an der aggressiven Lungenkrankheit.
Allein in Afrika träten 85 Prozent aller Fälle auf, in denen es eine Verbindung zwischen HIV und Tuberkulose gebe, sagt Piot. "Bei vielen wird die Krankheit nicht erkannt, weil sie nicht getestet sind. Es mangelt an einfachster Diagnose."
Hinzu kommt, dass antibiotikaresistente Tuberkulose-Erreger weltweit rapide zunehmen.
Täglich sterben rund 4.400 Menschen an Tuberkulose.
WHO-Generaldirektorin Chan sieht vor allem ein Problem: zu wenig Geld.
Für die weltweit 90 am meisten betroffenen Länder, in denen 91 Prozent aller Tuberkulose-Fälle auftreten, fehlt rund eine Milliarde Dollar.
So schlimm Aids, Tuberkulose, Malaria und Mangelernährung sind - die vermeidbare Todesursache Nummer eins weltweit ist etwas anderes: das Rauchen.
"Tabak entwickelt sich zu einer der größten Gesundheitskatastrophen in der Menschheitsgeschichte", meint die ehemalige WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland.
Alle sechs Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen des Tabakkonsums.
"Im 20. Jahrhundert hat die Tabakepidemie 100 Millionen Menschen weltweit getötet. Im 21. Jahrhundert könnte sie eine Milliarde töten", heißt es im Welt-Tabak-Bericht der WHO.
Und der Bericht zitiert aus dem "Oxford Medical Companion": "Tabak ist das einzige legal verfügbare Verbrauchsgut, das Menschen tötet, wenn es ganz wie vorgesehen benutzt wird."
So ist Rauchen Risikofaktor für sechs der acht führenden Todesursachen weltweit.
Einer von zehn Todesfällen bei Erwachsenen geht auf Tabak zurück, insgesamt 5,4 Millionen pro Jahr.
Tabak tötet bis zu jeden zweiten Konsumenten, ...
... fast die Hälfte aller Kinder der Welt ist durch Passivrauchen belastet.
Und die Befürchtung der WHO: Wegen des zeitlichen Verzugs zwischen Tabakkonsum und resultierenden Gesundheitsschäden hat die "Tabakepidemie" gerade erst begonnen.
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