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Montag, 09. März 2015

"Kultureller Genozid": Diese Kulturstätten zerstören die IS-Terroristen

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Das sind die Tempelruinen von Hatra - einer Wüstenstadt, die ... (Foto: imago stock&people)

Das sind die Tempelruinen von Hatra - einer Wüstenstadt, die ...

Das sind die Tempelruinen von Hatra - einer Wüstenstadt, die ...

... reich an Denkmälern ist und zum Weltkulturerbe der Unesco zählt.

In der Antike war Hatra die Hauptstadt eines mesopotamischen Kleinfürstentums im Machtbereich der Parther.

Die gut erhaltenen Ruinen sind zum Teil mehr als 2000 Jahre alt.

Hatra liegt rund 110 Kilometer südlich der IS-Hochburg Mossul. Seit Sommer 2014 steht Hatra damit unter der Kontrolle der Terrormiliz.

Nun meldet das irakische Kulturministerium, dass der IS damit begonnen habe, die altorientalische Kulturstätte systematisch zu zerstören.

Mit Bulldozern und Sprengstoff sollen IS-Kämpfer die antiken Gebäude dem Erdboden gleichmachen.

Zuvor, so heißt es, seien die Ruinen geplündert worden. In der Ideologie der Extremisten gelten Tempel, Statuen und Abbildungen als Abgötterei, die nicht mit dem Islam vereinbar ist.

Monumente, die nicht mit dem sunnitischen Islam zusammenhängen, müsse man vernichten - so die Überzeugung der IS-Terroristen.

Wenige Tage vor Hatra war es die einstige assyrische Hauptstadt Nimrud, die der IS mit schwerem Gerät verwüstete. Nimrud, 30 Kilometer von Mossul gelegen, hat über die Jahrtausende viele stürmische Zeiten erlebt. Vor fast 3000 Jahren standen hier prächtige Paläste. Vor rund 2500 Jahren wurden diese von Medern und Chaldäern zerstört.

Einiges davon kam 1846 bei ersten Ausgrabungen wieder zum Vorschein.

Seither wurden Nimruds Palastruinen sowie ..

... einzigartige Torhüterfiguren freigelegt und von Schutt und Sand befreit.

Allerdings musste die archäologische Stätte nach dem Zusammenbruch des Regimes von Saddam Hussein vor Plünderern geschützt werden. Auch US-Soldaten richteten in Nimrud im Zweiten Irakkrieg Schaden an.

Jetzt aber hat der IS offenbar mit der systematischen Zerstörung Nimruds begonnen. Das berichtet das irakische Kulturministerium. Es gibt nur wenig Zweifel daran, dass die Nachricht stimmt. Der Vernichtungswille des IS schreckt vor nichts zurück. Die Extremisten zerstören alles, was ihrer Ideologie widerspricht. Die Unesco spricht von einem "Kriegsverbrechen".

Erst im Februar 2015 hatte der IS einem Propagandavideo zufolge Statuen im Museum von Mossul zertrümmert. Ob die Aufnahmen echt sind, ist ungeklärt. Mit Vorschlaghämmern und Presslufthämmern zerschlagen die Extremisten in dem Video berühmte Türhüterfiguren, Reliefs und Statuen.

Einige davon waren Gips-Nachbildungen, viele andere aber echt.

"Sie begehen einen kulturellen Genozid", zitierte eine Bagdader Zeitung den irakischen Autor Riad Abdul Karim.

"Zuerst haben sie Menschen zerstört und jetzt zerstören sie das menschliche Erbe." Nach Plünderungen im Irakkrieg 2003 hatte sich das Museum gerade auf seine Wiedereröffnung vorbereitet, als Mossul im Juni 2014 vom IS eingenommen wurde. Die Regierung in Bagdad ist hilflos.

Die Gebiete unter IS-Herrschaft sind unzugänglich, erst recht für Archäologen, die Kulturgüter retten wollen.

Markus Hilgert, Direktor des Vorderasiatischen Museums in Berlin, warnt: "Wenn nichts getan wird, dann ist das einmalige Kulturerbe im Irak und auch in Syrien in 10 oder 15 Jahren verschwunden."

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