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Freitag, 18. September 2015

Ist das Wissenschaft oder kann das weg?: "Unwürdige" Nobelpreisträger feiern schräge Gala

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Marc Abrahams moderierte die Veranstaltung wie gewohnt mit ramponiertem Zylinder und beendete auch die 25. Ausgabe wieder mit seinen traditionellen Abschlussworten: "Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben - und besonders dann, wenn Sie einen gewonnen haben: mehr Glück im nächsten Jahr!" (abe/dpa) (Foto: imago/UPI Photo)

Marc Abrahams moderierte die Veranstaltung wie gewohnt mit ramponiertem Zylinder und beendete auch die 25. Ausgabe wieder mit seinen traditionellen Abschlussworten: "Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben - und besonders dann, wenn Sie einen gewonnen haben: mehr Glück im nächsten Jahr!" (abe/dpa)

Wissenschaft muss gar nicht bierernst, trocken oder langweilig sein ...

... und Wissenschaftler sind manchmal ziemlich durchgeknallt - das kann man deutlich bei der Verleihung der Ig-Nobelpreise sehen, die am 17. September 2015 nun schon zum 25. Mal stattfand.

Zu der schrillen Gala mit mehr als 1000 Zuschauern (sie hat längst Kultstatus und ist lange im Voraus ausverkauft) ...

... reisten diesmal wie in jedem Jahr auch echte Nobelpreisträger an. Das erste Mal ...

... fand die schräg-schlaue Veranstaltung 1991 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) statt, inzwischen werden die Preise an der Harvard-Universität in Boston überreicht. Das Werfen von Papierflugzeugen Richtung Bühne, auf die Preisträger, ...

... hat dabei mittlerweile eine lange Tradition. Seit einigen Jahren ...

... hat sich etabliert, dass Roy Glauber, Physik-Nobelpreisträger von 2005, als "Besenmeister" die Papierflieger von der Bühne fegt.

Ein anderer "running gag": Ein kleines Mädchen, genannt "Miss Sweetie Poo", ruft wiederholt "Please stop, I'm bored," (Bitte aufhören, laaangweilig), wenn die Dankesrede des Preisträger zu lange dauert.

"Ig Nobel prize" steht für eine Mischung aus "Ignoble" (unwürdig, schmachvoll, schändlich) und Nobelpreis: Mit ihm werden zehn wissenschaftliche Forschungen ausgezeichnet, die "erst zum Lachen und dann zum Denken anregen".

Die Auszeichnungen sollen "das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren". (im Bild: Dan Meyer, der im Jahr 2007 den Ig-Nobelpreis für Medizin bekam für "Schwertschlucken und seine Nebenwirkungen", gab dieses Jahr eine kleine Vorstellung.)

Vergeben wird der Preis - ein Blumentopf ohne Pflanze - von der Zeitschrift "Annals of Improbable Research", die in Cambridge erscheint. Eine Bedingung für eine Nominierung ist, dass die Entdeckung nicht wiederholt werden kann ...

... oder nicht wiederholt werden sollte. Zudem darf niemand vorher eine ähnliche wissenschaftliche Arbeit abgeliefert haben, das Forschungsthema muss neuartig sein.

Das war hier gegeben: Wissenschaftler um Bruno Grossi von der Universität von Chile wurden geehrt, weil sie Hühnern eine Saugglocke ans Hinterteil befestigten und entdeckten, ...

... dass diese sich dann ähnlich wie Dinosaurier fortbewegen. Wollte man schon immer mal wissen.

Oder auch: Wie lange pinkeln eigentlich Säugetiere? Ein Team von Forschern um Patricia Yang und David Hu (l.) aus den USA bekam die Auszeichnung in der Sparte Physik, weil sie herausfanden, ...

... dass fast alle Säugetiere ihre Blase innerhalb von 21 Sekunden - oder bis zu 13 Sekunden schneller oder langsamer - leeren. Den Preis nahm David Hu entsprechend mit einer Klobrille um den Hals entgegen. "Wir nennen es das 'Gesetz des Urinierens'", erklärten die Wissenschaftler - und drückten der nörgelnden Miss Sweetie Poo zur Bestechung ein Kuscheltier in die Hand, als sie sich über die lange Dankesrede beschwerte.

Ein Ig-Nobelpreis für Medizin ging an mehrere Forscher unter anderem aus Japan und der Slowakei, die sich mit Auswirkungen und Nutzen von intensivem Küssen beschäftigt haben. "Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, war das ziemlich harte Arbeit", sagte die Wissenschaftlerin Jaroslava Durdiaková in ihrer Dankesrede.

Elisabeth Oberzaucher (im Bild, beschienen von einer "menschlichen Taschenlampe") und Karl Grammer von der Universität Wien bekamen den Mathematik-Preis für den Versuch, auszurechnen, ob der marokkanische Sultan Mulai Ismail zwischen 1697 und 1727 wirklich 888 Kinder gezeugt haben kann, wie es in Überlieferungen heißt. (Sie kamen zu dem Schluss, dass dies durchaus möglich gewesen ist.)

Der Ig-Nobelpreis für Diagnostische Medizin ging an das Team um Helen F. Ashdown von der University of Oxford. Sie fanden heraus, dass eine akute Appendizitis (oft medizinisch unkorrekt Blinddarmentzündung genannt) genau diagnostiziert werden kann ...

... anhand der Stärke des Schmerzes, den man empfindet, wenn man über Bremsschwellen (speed bumps) auf der Straße fährt.

Michael Smith, Student an der Cornell University, ließ sich etwa 200 Mal von Bienen stechen, um herauszufinden, wo am Körper das am meisten wehtut. Ergebnis: Nasenlöcher, Oberlippe und das männliche Geschlechtsorgan sind diesbezüglich am schmerzempfindlichsten. Am wenigsten weht tut es demzufolge an Kopf, Oberarm und mittlerer Zehenspitze.

Dr. Justin Schmidt (im Bild) und Michael Smith schufen danach den "Schmidt Sting Pain Index" , eine Skala zur Einordnung von Schmerzen durch Insektenstiche.

Gregory Weiss von der University of California-Irvine und sein Team bekamen den Chemie-Ig-Nobelpreis, weil sie herausbekommen hatten, wie man ein gegartes Ei wieder teilweise "entkocht", also in den ungegarten Zustand versetzt.

In der Sparte Literatur wurden Forscher um Mark Dingemanse vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen (nicht im Bild) geehrt. Die Experten wurden für ihre Entdeckung ausgezeichnet, dass das Wort "huh?" (hä?) offenbar in allen Sprachen der Welt vorkommt - und auch dafür, dass sie nicht wissen, warum das so ist.

Bei der 25. Gala wurden auch nicht-wissenschaftliche Leistungen geehrt: So erhielt die Polizei von Bangkok einen Anti-Nobelpreis in Wirtschaft dafür, dass sie Polizisten eine Prämie zahlt, die sich nicht schmieren lassen.

Zuschauer aus dem Publikum konnten auch etwas gewinnen - zum Beispiel ein Date mit den echten Nobelpreisträgern Carol Greider (l.) und Jack Szostak (r.) - die Freude ist auf allen Seiten groß.

Zum Abschluss gaben die Nobelpreisträger ("echte" und "unwürdige") noch die Kurz-Oper "The Best Life" zum Besten - damit war die verrückte Wissenschaftsparty vorbei.

Marc Abrahams moderierte die Veranstaltung wie gewohnt mit ramponiertem Zylinder und beendete auch die 25. Ausgabe wieder mit seinen traditionellen Abschlussworten: "Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben - und besonders dann, wenn Sie einen gewonnen haben: mehr Glück im nächsten Jahr!" (abe/dpa)

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