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Ob als Hauptakteur im Horrorfilm ...
... oder als zweites Ich beim Kölner Karneval: Mumien sind manchmal lebendiger als man vermuten möchte. Sie beflügeln die Fantasie, und das ganz besonders dann, wenn sie mit einem Fluch belegt sind.
Dabei war im alten Ägypten gar nicht die Mumie verflucht, sondern es wurde dem Glauben nach derjenige bestraft, der ihre Grabruhe störte: Grabräuber also.
Die Ägypter mumifizierten ihre Verstorbenen - diejenigen, die es sich leisten konnten -, ...
... um ihnen ein Weiterleben nach dem Tod zu ermöglichen.
Um fortbestehen zu können, war die Seele auf den Körper angewiesen. Folglich mussten die Leichname haltbar gemacht werden.
Ohne Mumifizierung wird eine Leiche rasch von Bakterien, Würmern und Pilzen befallen. Chemische Reaktionen lösen eine Verwesung aus. Der Körper wird zersetzt.
Rund vier Jahre dauert es, bis im Grab nur noch das Skelett zu finden ist.
Bestimmte klimatische Bedingungen können diesen Prozess bremsen oder ganz unterdrücken. Das ist bei der natürlichen Mumifizierung der Fall. Sie kann bei beständiger Kälte, trockener Hitze, Luftabschluss oder auch mit Pech und Asphalt einsetzen.
Unter diesen Bedingungen nämlich sind die zersetzenden Bakterien nicht aktiv. Daher können bei Dauerfrost Eismumien wie "Ötzi" entstehen.
Auch im Wüstensand wird ein toter Körper gut konserviert. Es entsteht eine "Trockenmumie".
"Moorleichen" gehören ebenfalls zu den Mumien.
Huminsäuren und Gerbstoffe tragen hier zur Mumifizierung bei, indem sie Haut in Leder verwandeln.
Die alten Ägypter setzten weniger auf die natürliche als vielmehr auf die künstliche Mumifizierung. Sie hatten herausgefunden, dass sich eine Leiche konservieren lässt, indem man sie mit Natron behandelt. Das nämlich entzieht dem Körper Flüssigkeit.
In einem weiteren Schritt wurden das Gehirn (meist durch die Nase) und die Innereien der Leiche entfernt. Dann wurde die Bauchhöhle mit Palmwein und Kräutern gereinigt und mit Myrrhe, Kasia und Kräutern ausgestopft. In Natronsalz wurde der Körper später ungefähr zwei Wochen lang getrocknet.
Abschließend wurde die Mumie geschminkt, ...
... in Leinen gewickelt, ...
... mit Harz versiegelt ...
... und in den Sarg gelegt. Alternativ konnten die Körper in hochprozentigem Alkohol konserviert werden.
Auch aus dem 20. Jahrhundert noch sind künstliche Mumien bekannt. So wurde z.B. Evita Peron, argentinische Präsidentengattin und für viele "Engel der Barmherzigkeit", einbalsamiert, als sie 1952 starb. Wegen politischer Wirren reiste die Mumie quer durch die Welt.
Erst 1974 kam sie nach Argentinien zurück und wurde schließlich in einer Familiengruft begraben.
In Ägypten werden heutzutage keine Menschen mehr mumifiziert. Dort endete die Mumifizierung ca. 350 nach Christus, weil sich mit der Verbreitung des Christentums die Jenseitsvorstellungen gewandelt hatten. Nach christlichem Verständnis lebt die Seele nach dem Tod ohne Körper weiter. Eine Mumifizierung war also nicht mehr nötig.
Wie alt eine Mumie ist, lässt sich zum Beispiel per Computertomographie bestimmen.
"Ötzi" gehört zu den ältesten natürlichen Mumien. Er lebte in der Steinzeit zwischen 3300 und 3200 vor Christus.
Die ältesten künstlichen Mumien, die bisher entdeckt wurden, stammen aus der Zeit von 5050 vor Christus. Es handelt sich um einbalsamierte Kinder des Andenvolkes Chinchorro. In den Anden wurden Menschen damit schon 2000 Jahre vor den ägyptischen Pharaonen mumifiziert.
Als schönste Mumie der Welt, das sei abschließend erwähnt, gilt Rosalia Lombardo. Sie liegt in der Kapuzinergruft im süditalienischen Palermo. Das Mädchen starb Anfang des letzten Jahrhunderts an der berüchtigten Spanischen Grippe, der zwischen 1918 und 1920 Millionen Menschen in ganz Europa zum Opfer fielen. Rosalias Vater hatte einen Chemiker beauftragt, den Körper seiner Tochter vor dem Verfall zu bewahren. So entstand eine makellose Mumie.
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