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Linien, Kästchen, Strichmännchen: Kritzeleien werden Kunst

 
Linien, Kästchen, Strichmännchen: Kritzeleien werden Kunst

Wer kennt das nicht? Sind Stift und Zettel zur Hand, kritzeln die meisten Menschen beim Telefonieren oder in Konferenzen unbewusst vor sich hin.

Meist landen solche Spontanzeichnungen im Papierkorb.

Christoph Rust jedoch, Professor für Ästhetik und Kommunikation an der Fachhochschule Bielefeld, hat sie zum Ausgangspunkt für ein Kunstprojekt gemacht. Er sprach Menschen an und drückte ihnen Stift und Papier in die Hand.

Eine Minute lang durfte jeder kreativ werden.

Währenddessen verwickelte Rust den Zeichnenden in ein Gespräch.

Nach der 60-Sekunden-Zeichnung bat Rust die Teilnehmer um ein Foto aus der unmittelbaren Umgebung. Dieses wurde später ...

... digital in die Zeichnung hineinkopiert.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann lieferte ebenso eine Skizze ab wie ...

... eine Punkerin, ...

... ein Pariser Obdachloser, ein sechsjähriger Junge und eine 87 Jahre alte Rentnerin.

"Mir war wichtig, dass alle Bevölkerungsgruppen vertreten sind", sagt Rust. Auch Bekannte animierte er zum Kritzeln.

Rust war von der Kreativität seiner Projektteilnehmer beeindruckt.

So zeichnete der Pariser Obdachlose seine Freundin und fotografierte einen Gully.

Zeichnung und Foto kommentieren sich oft gegenseitig.

Sie geben Einblick in die Psyche des Urhebers und ...

... in seine Lebenswelt.

In der Kunstgeschichte spielen Spontanzeichnungen nach Rusts Recherchen nur bei den Surrealisten eine Rolle. "Sie waren am meisten am Unbewussten interessiert und experimentierten mit dem automatischen Schreiben."

Rust, der angehende Kulturpädagogen ausbildet, sieht in der Schule oder in Jugendzentren Raum für ähnlich gelagerte Projekte.

"Jeder trägt Kreativität in sich. Der Kunstunterricht in der Schule ist da leider häufig kontraproduktiv", sagt der Professor, der früher selbst stets die Rückseiten seiner Schulhefte mit Segelschiffen oder Karikaturen vollkritzelte.

Die 37 Werke, die er im Projekt "Sechzig Sekunden" entstehen ließ, sind nun vom 11. Februar bis zum 4. März in Schloss Landestrost in Neustadt am Rübenberge (Niedersachsen) zu sehen. Anschließend werden sie zugunsten von Amnesty International versteigert.

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