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Am 30. Januar 1948 wurde Mahatma Gandhi ermordet - der Mann, der nicht nur Indien in die Unabhängigkeit geführt, ...
... sondern auch die Unberührbarkeit von Leprakranken überwunden hat: "Fürsorge für Lepra-Kranke schafft nicht nur mit medizinischen Mitteln Linderung", sagte Gandhi.
"Sie verwandelt frustrierenden Alltag in erfülltes Dasein, persönlichen Ehrgeiz in selbstlosen Dienst."
Zu Gandhis fünftem Todestag 1954 rief der französische Jurist und "Apostel der Leprakranken" Raoul Follereau den ersten Welt-Lepra-Tag aus. Seither wird dieser Tag alljährlich wiederholt - zu Ehren von Gandhi immer am letzten Sonntag im Januar.
Lepra, eine der ältesten bekannten Krankheiten, findet schon in der Bibel Erwähnung. Im Alten Testament wird Hiob von Satan mit Aussatz gegeißelt und bleibt Gott dennoch treu, ...
... im Neuen Testament heilt Jesus zehn Aussätzige. Leprakranke schlossen sich oft in Gruppen zusammen, denn die Diagnose kam dem sozialen Tod gleich. Jahrhundertelang waren Aussätzige dazu verpflichtet, andere vor der Begegnung mit ihnen zu warnen.
Zum mittelalterlichen Leben gehörte Lepra dazu. In der Kunst finden sich zahlreiche Darstellungen. Lepra galt als Strafe Gottes für schwere Sünden.
Das hat sich in manchen Ländern bis heute nicht geändert. Noch immer werden Leprakranke versteckt oder ausgestoßen. Die Erkrankten gelten als unrein.
Kinder von Leprakranken müssen die Schule verlassen und haben kaum eine Chance auf Zukunft. Kinder, die selbst an Lepra erkrankt sind, haben einen noch schwierigeren Stand.
Im Westen nehmen viele an, Lepra, die "urzeitliche Krankheit" sei besiegt. Doch dem ist nicht so.
Obwohl Lepra seit fast 20 Jahren heilbar ist, werden jedes Jahr 250.000 Leprafälle neu diagnostiziert (Quelle: Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe, DAHW).
Bis zu vier Millionen Menschen leben derzeit mit Behinderungen durch die Krankheit.
Durch Verstümmelungen sind sie oftmals kaum in der Lage, ihr Leben allein zu meistern.
Über 70 Prozent aller Leprakranken leben in Indien. 2009 wurden 133.717 gezählt (Quelle: DHAW).
Im August 2010 wurden bei Untersuchungen in der indischen Stadt Pune 30 neue Patienten entdeckt, 60 Prozent mit der schweren Form der Lepra.
Besucher des Landes bekommen die furchtbaren Folgen der Krankheit meist gleich nach der Ankunft zu sehen.
In der Hauptstadt Neu Delhi halten ihnen Bettler verstümmelte Gliedmaßen entgegen, viele haben offene Stellen an den abgestorbenen Fingern.
Auch in Indonesien, Brasilien und Teilen Afrikas gehört Lepra noch immer zum Alltag.
In Deutschland gab es in den letzten sechs Jahren zwischen null und vier diagnostizierte Leprafälle pro Jahr (Quelle: DAHW). Immer hatten sich die Patienten, die in Deutschland diagnostiziert wurden, im Ausland angesteckt.
Die letzte Leprakolonie Europas liegt im Südosten Rumäniens, in Tichilesti, 325 Kilometer östlich von Bukarest.
Seit acht Jahren sinkt die offizielle Zahl der Leprakranken weltweit, doch nach Einschätzung der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) ist jährlich nach wie vor von rund 600.000 Neuerkrankungen auszugehen.
Dass sich die Infektionskrankheit weiterhin überträgt, zeigt der Anteil betroffener Kinder, der seit Jahren konstant bei zehn Prozent liegt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die aus den Ländern gemeldeten offiziellen Statistiken oft riesige Lücken aufweisen.
Die Zahlen werden geschönt. Denn bei weniger als einem neu erkrankten Leprapatienten pro 10.000 Einwohner gilt die Krankheit als eliminiert. Dieses Ziel wollen alle Länder erreichen.
Es gibt, vereinfacht gesagt, zwei Hauptformen der Lepra: eine ansteckende und eine nicht ansteckende. Letztere verursacht Hautschäden und befällt die Nerven. So können beispielsweise die Augennerven gelähmt werden, was zur Erblindung führen kann.
Wie sich die infektiöse Lepra überträgt, ist bis heute nicht geklärt. Man nimmt jedoch an, dass die transnasale Tröpfcheninfektion der entscheidende Ansteckungsmechanismus ist.
Einige Faktoren begünstigen den Ausbruch der Krankheit: unzureichende Ernährung, mangelnde Hygiene, enge Wohnverhältnisse und eine generell schlechte körperliche Verfassung.
Leprapatienten sind, schon lange bevor sie die Krankheit an sich selbst bemerkt haben, ansteckend.
Wenn sie ausbricht, führt die Erkrankung zur Bildung von Beulen und Knoten auf der Haut, und es kommt zu Nervenlähmungen. (Der äthiopische Junge im Bild wurde geheilt.)
Die bei Leprakranken typischen Verstümmelungen sind eine indirekte Folge der Krankheit: Die befallene Haut wird taub und gefühllos, sodass der Patient nicht bemerkt, wenn er sich verletzt.
Die sich daraufhin bildende Entzündung kann dann zum Verlust ganzer Gliedmaßen führen ...
... oder zu Entstellungen im Gesicht.
Mit einer Kombination aus Antibiotika ist Lepra in sechs bis zwölf Monaten heilbar. Die Behandlung kostet im Durchschnitt 50 Euro.
Bereits vorhandene Verstümmelungen oder Behinderungen bleiben bestehen. Sie müssen - falls möglich - operativ korrigiert werden.
90 Prozent aller Menschen sind genetisch immun gegen Lepra. Doch auch sie können das Bakterium als so genannte "silent transmitters" tragen und weiter verbreiten. Die Inkubationszeit kann wenige Monate, aber auch 30 Jahre betragen.
Aktuell fehlen die notwendigen Medikamente in einem der am meisten betroffenen Länder: in Brasilien. Schuld daran sind die geschönten Statistiken, denn ...
... aufgrund zu niedriger offizieller Zahlen werden weniger Medikamente bestellt, verschickt und auch produziert.
"Wenn wir jetzt aufhören, wird die Seuche zurückkehren", hört die international ausgezeichnete Lepra-Ärztin Dr. Ruth Pfau (r.) nicht auf zu mahnen.
Damit dies nicht passiert, muss die Lepra mit den echten Zahlen mehr Gewicht auf der gesundheitspolitischen Agenda bekommen, fordert die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe.
Doch auch Medikamente allein verhelfen ehemaligen Leprakranken nicht zu einer neuen Existenz. Wenn die Behandlung abgeschlossen ist, fehlt ihnen meist die materielle Basis für einen Neuanfang.
Ihren Arbeitsplatz haben sie verloren, sie tragen das Stigma der Krankheit und sind durch körperliche Behinderungen beeinträchtigt. Um sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren, sind sie auf besondere Hilfe angewiesen. An erster Stelle steht dabei ein Arbeitsplatz.
Dieses Ziel verfolgt die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe bereits seit ihrem ersten Projekt. Im äthiopischen Bisidimo werden seit 1958 Kranke und Ausgestoßene versorgt. Doch nicht nur das.
In der dortigen Berufsschule können sich von Lepra betroffene Jugendliche schon seit mehr als zehn Jahren zum Automechaniker ausbilden lassen. Mit relativ bescheidenen Mitteln ist es möglich, ...
... Leprapatienten und ihren Angehörigen dauerhaft zu helfen. 1200 Euro beträgt das Jahresgehalt eines Ausbilders, sechs Euro monatlich erhalten die Lehrlinge. Mechaniker haben in Äthiopien gute Perspektiven.
So kann Mohammed (Mitte) zum Unterhalt seiner Familie beitragen. Seine Eltern waren an Lepra erkrankt, seinem Bruder blieb daher außerhalb Bisidimos die Arbeit verwehrt.
Doch in Bisidimo gegründete Unternehmen sorgen für Beschäftigung. 200 Leprapatienten können mittlerweile durch den Job in einer Weberei selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Solche Erfolge lassen hoffen.
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