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Allem Krisen-Gerede und Miesepetertum zum Trotz: Die Deutschen streben zum Glück.
Das weiß nicht nur Berufsoptimist Dr. Eckart von Hirschhausen, der mit seinem Ratgeber "Glück kommt selten allein ... " seit Wochen die Sachbuch-Bestsellerliste anführt, ...
... auch Trendforscher sind davon überzeugt.
In Zeiten von Krisen wird die Sehnsucht nach immateriellen Werten wie Liebe, Glück und Geborgenheit größer.
Gleichzeitig steigen die Glücksgefühle ...
... mit steigenden Temperaturen.
Und genau die haben wir ja nun - dem Glück steht also kaum noch etwas im Weg.
"Wetterveränderungen wirken sich unmittelbar auf das Befinden der Menschen aus, auf ihre Stimmung und ihr Verhalten", sagt Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut in Kelkheim bei Frankfurt.
Bei Tieren ist das nicht anders ...
Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten setzten die Menschen auf einfache unverrückbare Dinge ...
... und Werte.
"Egal, was auch passiert, Frühling wird es jedes Jahr wieder, damit kommt mehr Licht ...
... und mehr Hoffnung", sagt der Trendforscher.
Ganz gleich, ob sich die Temperaturen in der Nacht mitunter noch um den Gefrierpunkt bewegen, ...
... am Tage erwärmen auch die zartesten Sonnenstrahlen Wangen und Gemüter, ...
... Frühlingsgefühle bekommen freien Lauf.
Alles nur Gefühlsduselei?
Keineswegs, auch wenn sich Wissenschaftler uneins über die Ursachen sind, ...
... die Symptome sind eindeutig: beste Laune und Kribbeln im Bauch.
"Durch das Sonnenlicht und mehr Helligkeit wird das Hormon Serotonin verstärkt ausgeschüttet, und das lässt uns insgesamt wacher und vitaler werden", sagt der Biopsychologe Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin.
Bei mehr Licht produziert der Körper außerdem weniger vom Schlafhormon Melatonin.
Die Stimmung steigt und damit die Lust auf Flirts und Sex.
Doch das ist längst nicht alles.
"Für die durchaus wissenschaftlich umstrittenen Frühlingsgefühle gibt es physiologische, chronobiologische und psychologische Gründe", sagt Walschburger.
Dabei seien es vor allem die psychologischen Aspekte, die uns im Frühling aufblühen ließen.
"Die Anregungsbedingungen sind einfach besser als im Winter", sagt er.
Frauen trügen wieder kürzere Röcke und tiefere Dekollets. Das schaffe Anreize.
"Der Frühling bietet ganz einfach mehr Möglichkeiten", sagt auch Nina Deißler (nicht im Bild) - und sie muss es wissen.
Seit Jahren bietet die Hamburgerin Flirtseminare an.
"Markante Punkte für den Wunsch nach einer Beziehung sind immer um Weihnachten herum und im Frühling", sagt sie.
Da seien im Frühling die Chancen oft besser, und zwar aus ganz praktischen Gründen.
"Man darf nicht vergessen, dass man den Körper wieder strafft, ...
... wenn man sich nicht mehr in seinem Wintermantel vor dem eisigen Wind schützen muss."
Da könne man den Blick auch wieder nach vorn richten - und potenzielle Flirtpartner überhaupt erst sehen.
Vor allem auf psychologische Faktoren führt auch der Endokrinologe Prof. Horst Harald Klein von der Universität Bochum die vielbeschworenen Frühlingsgefühle zurück.
Selbst die erhöhten Hormonausschüttungen hält er für vernachlässigungswürdig.
"Ob wir Glück oder Lust verspüren, hängt zweifellos von einem komplexen Puzzle ab, ...
... bei dem psychologische Faktoren, Sinnesreize und individuelle Veranlagung eine Rolle spielen - nicht nur der Hormonspiegel", sagte er.
Doch die längeren Tage, gepaart mit penetrant guter Laune einiger Menschen, lösen nicht bei allen Hochgefühle aus: ...
... Statt Kribbeln im Bauch verspüren sie bleierne Frühjahrsmüdigkeit.
"Auch hier handelt es sich vermutlich um eine Kombination vieler verschiedener Faktoren", erklärt Prof. Klein.
Im Frühling nähmen die Aktivitäten nun mal zu, der Körper werde mehr gefordert.
Viele Menschen blieben auch länger wach und aktiv.
"Wenn man im Frühling abends um acht müde ist und es ist noch hell, fällt das einfach mehr auf als im Winter."
Das sei aber eine ganze normale Umstellung, mit der der Körper fertig werden müsse.
Und Prof. Walschburger fügt hinzu: "Das Wetter muss eben für die verschiedensten Dinge herhalten, egal ob für Hochgefühle oder Schläfrigkeit."
Eins ist klar: Nicht nur das Wetter macht glücklich! Deswegen zum Schluss noch ein paar Glücksbotschaften.
"Alles Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde."
"Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist." (Johann Strauß, Sohn, Die Fledermaus)
"Aber in der Beschäftigung selbst Vergnügen finden - dies ist das Geheimnis des Glücklichen!" (Sophie Mereau, Betrachtungen)
"Der ist beglückt, der seyn darf was er ist." (Friedrich von Hagedorn, Horaz. Aus: Moralische Gedichte.)
"Die Erinnerungen an vergangenes Glück sind die Narben der Seele." (Xavier de Maistre, Expdition nocturne autour de ma chambre)
"Die Entdeckung eines neuen Gerichtes macht die Menschheit glücklicher als die Entdeckung eines neuen Sterns." (Jean Anthelme Brillat-Savarin, Physiologie des Geschmacks)
"Es stirbt der Glücklichste wünschend." (Ewald Christian von Kleist, Der Frühling)
"Glücklich, wer seinen Beruf erkannt hat. Er verlange nach keinem andern Glück!" (Thomas Carlyle, Past and Present, 1843, Book III, chapter XI: Labour)
"Könnte ich leben, ohne zu arbeiten, ich wäre das glücklichste Wesen unter der Sonne." (Franziska zu Reventlow, Tagebücher) (Im Bild: "Florida-Rolf", Sozialschnorrer, der Anspruch auf Arbeitslosengeld auch im Urlaub stellte))
"Leider erkennen viele Menschen erst im Unglück, dass sie vorher glücklich waren." (Bertrand Russell, Eroberung des Glücks)
"Man muss lernen, glücklich zu sein." (Alain, Die Pflicht, glücklich zu sein)
"Wenn man glücklich ist, so gibt es noch viel zu tun: Das Trösten der anderen." (Jules Renard Renard, Tagebuch, 1897) (Fotos: dpa)
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