Bilderserie

Nach Skandalen sinken Spenderzahlen: Organe sind Mangelware

Bild 1 von 43
Jedes Jahr fallen bei tausenden Menschen in Deutschland durch Verletzungen, Vergiftungen oder Erkrankungen lebenswichtige Organe teilweise oder vollständig aus. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Jedes Jahr fallen bei tausenden Menschen in Deutschland durch Verletzungen, Vergiftungen oder Erkrankungen lebenswichtige Organe teilweise oder vollständig aus.

Jedes Jahr fallen bei tausenden Menschen in Deutschland durch Verletzungen, Vergiftungen oder Erkrankungen lebenswichtige Organe teilweise oder vollständig aus.

Für eine bestimmte Zeit kann mit moderner Medizintechnik das Leben vieler dieser Patienten erhalten werden.

Über einen längeren Zeitraum allerdings sind die Patienten auf eine Organspende angewiesen, um weiterleben zu können.

Das größte Problem der Organtransplantation ist das weltweit große Gefälle zwischen Bedürftigen und zur Verfügung stehenden Spenderorganen.

Organe sind Mangelware.

Rund 12.000 Menschen warten allein in Deutschland auf ein Spenderorgan.

Die meisten von ihnen kommen auf Wartelisten, die von den Transplantationszentren geführt werden müssen.

An welche Stelle die Patienten dort gesetzt werden, hängt von der Dringlichkeit und der Erfolgswahrscheinlichkeit des Eingriffs ab.

Täglich müssen drei Menschen von dieser Warteliste sterben, weil für sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan zur Verfügung steht.

Um die Lücke zwischen Organbedarf und Spenderorganen zu verkleinern, ist am 25. Mai 2012 die Organspende-Reform in Deutschland vom Bundestag mit großer Mehrheit beschlossen worden.

Die Debatte allerdings dauerte 15 Jahre lang.

Die neue Regelung wird im Transplantationsgesetz verankert.

Rund 70 Millionen Versicherte in Deutschland, egal ob privat oder gesetzlich, wurden von ihren Krankenkassen angeschrieben, um sich zur Organspende zu positionieren.

Alle Krankenkassenversicherten ab 16 Jahren haben 2012 ein Schreiben per Post erhalten, in dem sie dazu aufgefordert werden, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden.

Zwei Jahre später soll ein weiteres Schreiben folgen. Ab 2017 sollen die Kassen dann alle fünf Jahre bei ihren Versicherten den aktuellen Stand der Entscheidung zur Organspende abfragen.

Die neue Regelung soll kein Entscheidungszwang sein, sondern nur ein Anstoß, sich bewusst mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die strengen Gesetze, unter welchen Umständen ein Organ entnommen werden darf, bleiben bestehen.

Die Entscheidung soll erst einmal wie bisher, egal ob dafür oder dagegen, auf einem Organspendeausweis festgehalten werden. Dieser sollte wie jeder andere Ausweis auch ständig bei sich getragen werden.

Später soll die Entscheidung auf dem Chip der Gesundheitskarte hinterlegt werden.

Fast jeder kann Organspender werden. Eine Altersgrenze gibt es nicht. Nur Menschen mit HIV und einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung werden von vornherein als Spender ausgeschlossen.

Dennoch wird ein Mensch, der sich für das Spenden seiner Organe entscheidet, nicht automatisch ein Organspender, denn ...

... in Deutschland werden Organe für Spenderzwecke nur entnommen, wenn vorher der Hirntod des Patienten von zwei Ärzten unabhängig voneinander festgestellt wurde.

Der Organismus des Hirntoten wird in der Zeit bis zur Entnahme von Organen mit Maschinen der Intensivmedizin am Leben gehalten.

Nur ein Prozent aller Sterbefälle in Kliniken, von denen jährlich rund 400.000 gezählt werden, wird als Hirntod diagnostiziert.

Nur die wenigsten von den an Hirntod Verstorbenen haben einen Organspendeausweis oder ...

... zu Lebzeiten den nächsten Angehörigen ihre Entscheidung bezüglich einer Organspende mitgeteilt.

Dieser Zustand birgt sowohl für die behandelnden Ärzte als auch für die Angehörigen des Verstorbenen eine zusätzliche Belastung.

Die nächsten Angehörigen müssen trotz ihrer Trauer nun die Entscheidung treffen, ob und welche Organe für eine Spende entnommen werden dürfen. Die Reform sieht vor, dafür in den rund 1350 organtransplantierenden Kliniken in Deutschland einen Transplantationsbeauftragten einzustellen.

Auch die Lebendspender werden durch die gesetzlichen Neuregelungen gestärkt. Ihnen wird für den Eingriff sechs Wochen lang Lohnfortzahlung garantiert. Früher mussten Spender Urlaub für die Spende nehmen.

Gespendet werden können Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm, Teile der Haut ...

... sowie die Hornhaut der Augen, Gehörknöchelchen, Herzklappen, Teile der Blutgefäße, der Hirnhaut, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen.

Seit einigen Jahren sogar das ganze Gesicht.

Trotz des großen Bedarfs bestehen immer wieder Vorbehalte gegenüber einer Organspende nach Hirntod.

Viele Menschen haben Angst davor, dass ihr Hirntod irrtümlicherweise oder zu früh festgestellt werden könnte und sie erst durch die Organspende sterben könnten.

Andere können sich nicht mit der Vorstellung anfreunden, dass ein Teil von ihnen in einem anderen Körper weiterlebt.

Wieder andere haben Angst davor, zum Zwecke der Organspende nach dem Hirntod regelrecht "ausgeschlachtet" zu werden.

Weitreichende Aufklärung tut not.

Zudem ist durch die zahlreichen Manipulationen an Wartelisten das Vertrauen von potenziellen Spendern in Deutschland zerstört. Die Spenderzahlen sinken.

Sowohl unter Politikern als auch Medizinern wird der Ruf nach weiteren Reformen und Kontrollmechanismen laut.

Nachrichten über illegalen Organhandel im Ausland verunsichern zusätzlich.

Um sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden, muss sich jeder zunächst mit der Vergänglichkeit des Lebens ...

... und dem Tod bewusst auseinandersetzen.

Organspende ist in Deutschland anonym. Auf Wunsch kann den Angehörigen des Spenders jedoch mitgeteilt werden, ob die Transplantation erfolgreich verlaufen ist.

Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende sollte jeder selbst treffen.

weitere Bilderserien