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Von sehr groß bis revolutionär: Super-Teleskope in der Atacama-Wüste

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Die Atacama-Wüste im Norden Chiles gilt als trockenste Wüste überhaupt. (Foto: Andrea Beu)

Die Atacama-Wüste im Norden Chiles gilt als trockenste Wüste überhaupt.

Die Atacama-Wüste im Norden Chiles gilt als trockenste Wüste überhaupt.

Hier fällt nur ein Fünfzigstel der Regenmenge, die im US-amerikanischen Death Valley niedergeht.

Tagsüber klettert das Thermometer in der Atacama-Wüste auf 30 Grad Celsius, ...

... nachts sinkt es auf fünfzehn Grad unter Null.

Ockerfarbene Gesteinsbrocken und Sand, soweit das Auge reicht. Die Atacama-Wüste ist ein unwirtlicher Ort zum Leben, und doch ...

... ist sie für Astronomen das Paradies.

Nirgendwo ist die Luft so trocken, so klar und so ruhig wie hier.

Deswegen betreibt die Europäische Südsternwarte (ESO) auf dem 2600 Meter hohen Berg Cerro Paranal der Atacama-Wüste das höchstentwickelte optische Instrument der Welt: das "sehr große Teleskop", Very Large Telescope, abgekürzt VLT.

Es besteht aus vier großen Spiegelteleskopen und vier beweglichen Hilfsteleskopen.

30 Meter ragen die Gebäude in den Himmel.

Antu, Kueyen, Melipal und Yepun sind die Namen der darin versteckten Teleskope. In der Sprache des Mapuche-Volkes heißt das Sonne, Mond, Kreuz des Südens (ein Sternbild) und Venus.

8,2 Meter misst der Spiegel eines einzelnen Hauptteleskops, das ...

... stets eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang bei geschlossener Kuppel in Position gebracht wird. Völlig schwingungs- und vibrationsfrei und damit fast lautlos dreht sich das 400 Tonnen schwere Instrument in dem riesigen Kasten.

Dann werden die Beobachtungstore geöffnet.

Nichts kann den tiefen Blick ins All jetzt noch trüben.

Schon eines der Teleskope ist beeindruckend präzise. Mit einer Stunde Belichtungszeit kann ein Hauptteleskop Objekte aufnehmen, ...

... die vier Milliarden Mal schwächer leuchten als das, was das menschliche Auge noch ohne Hilfsmittel wahrnehmen kann.

Schaltet man die vier großen und die Hilfsteleskope zusammen, entsteht das riesige VLT-Interferometer.

Es kann 25 Mal feinere Details auseinanderhalten als jedes der Hauptteleskope für sich. Auf Aufnahmen des VLT-Interferometers wären selbst die zwei Scheinwerfer eines auf dem Mond befindlichen Autos voneinander zu unterscheiden.

Seit 1999 ist das VLT im Betrieb.

Seither hat es der Astronomie viele spannende Entdeckungen beschert. So zum Beispiel Gaswolken, die sich einem Schwarzen Loch in der Mitte der Milchstraße nähern oder ...

... das Chaos, das die Geburt eines Sterns in seiner Umgebung anrichtet.

Dieses Bild zeigt die riesige Gas- und Staubwolke, die der hellste bekannte Stern der Milchstraße, Eta Carinae, in einem Ausbruch im Jahr 1843 ausgestoßen haben soll.

Das VLT sorgt im Schnitt für eine Fachveröffentlichung pro Tag. Damit ist es das wissenschaftlich produktivste Observatorium auf der Erde.

Und die Atacama-Wüste hält noch mehr astronomische Superlative bereit. Denn auch ALMA ist dort angesiedelt, das derzeit größte bodengebundene astronomische Projekt.

ALMA steht für Atacama Large Millimeter Array.

Das riesige Verbundteleskop wurde von der ESO und internationalen Partnern auf der Hochebene Chajnantor errichtet.

ALMA soll das Licht einiger der kältesten Objekte des Universums einfangen.

Es geht um Relikte des Urknalls, um Grundbausteine von Sternen, Planetensystemen, Galaxien und vom Leben selbst.

Die Strahlung, die vom kalten Universum ausgeht, wird – wenn sie in die Erdatmosphäre gelangt – durch Wasserdampf stark abgeschwächt.

Um sie aufzufangen, muss das Teleskop daher möglichst hoch und trocken platziert sein.

Aus diesem Grund liegt ALMA 5000 Meter über dem Meeresspiegel und damit noch 2400 Meter höher als das VLT.

ALMA setzt sich aus 66 einzelnen Antennen zusammen. Alle Antennen sind transportabel und können so angeordnet werden, dass die Maximalabstände zwischen 150 Metern und 16 Kilometern variieren.

So wird ALMA zu einem riesigen Zoom-Objektiv.

Das Auflösungsvermögen des Verbundteleskops ist bei seiner Fertigstellung bis zu zehn Mal besser als das von Weltraumteleskop Hubble.

ALMA sei "vergleichbar mit dem Übergang vom nackten Auge zum ersten Fernrohr", sagt der europäische Projektleiter Wolfgang Wild von der ESO.

Im März 2013 ging ALMA in Betrieb. Es ist nicht das letzte Projekt, das in der Atacama-Wüste verwirklicht wird.

Im Dezember 2011 fiel der Startschuss zum Bau des "europäischen extrem großen Teleskops", dem E-ELT.

Der Hauptspiegel dieses European Extremely Large Telescopes soll einen Durchmesser von 39,3 Metern haben. Er wird aus 1000 sechseckigen Segmenten zusammengesetzt.

Das E-ELT wird vier- bis fünfmal größer sein als heutige Spitzenteleskope und rund 15 Mal mehr Licht auffangen können. Zu Beginn des kommenden Jahrzehnts soll es den Betrieb aufnehmen.

Sind wir allein um Universum? Details zur Beantwortung dieser Frage erhoffen sich Astronomen vom European Extremely Large Telescope. Als weltweit größtes Teleskop für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und des Infrarotlichts wird das E-ELT nach Planeten suchen, die ferne Sterne umkreisen.

Die Erwartungen, die die ESO ins E-ELT setzt, sind groß. Es werde die Wahrnehmung des Universums vielleicht revolutionieren, so heißt es. Und zwar in einem solchen Maße, wie ...

... einst das Fernrohr von Galileo Galilei. Rund 400 Jahre ist es her, dass der italienische Astronom in den Sternenhimmel blickte.

Und eines hat sich bis heute nicht geändert: Noch immer steckt das Universum voller Rätsel.

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