Bilderserie
Sonntag, 21. Juni 2009

Von windig bis katastrophal: Tornados und andere Wirbelstürme

Bild 1 von 42
Früher hießen sie schlicht Windhose, wenn sie über Land auftraten, … (Foto: picture-alliance/ dpa)

Früher hießen sie schlicht Windhose, wenn sie über Land auftraten, …

Früher hießen sie schlicht Windhose, wenn sie über Land auftraten, …

… oder Wasserhose, wenn sie sich über dem Meer oder großen Seen entwickelten.

Heute spricht man häufiger von Tornados.

Seit Jahrhunderten fegen sie - vor allem im Sommer - über Deutschland hinweg (so wie hier über Sachsen-Anhalt im Juni 2004).

Im Jahr 788 wurde der erste Tornado dokumentiert. Seitdem sind in Deutschland rund 1600 Windhosen registriert worden - allerdings mit einer hohen Dunkelziffer.

Tornados gehören zu den Wirbelstürmen, wobei dieser Begriff nicht genauer definiert ist. Allgemein wird ein Sturm, der sich um eine senkrechte Achse dreht, als Wirbelsturm bezeichnet.

Auch Zyklone – und mit ihnen Hurrikans und Taifune – zählen zu den Wirbelstürmen. In Entstehung, Struktur und Größe sind diese Windphänomene jedoch völlig verschieden.

Tornados sind von vergleichsweise kleinem Umfang.

Sie können bei starken Temperaturgegensätzen entstehen, wenn Luft aufsteigt bzw. gehoben wird. So ist es möglich, dass unter einer Gewitterwolke spiralförmig Warmluft in die Höhe steigt.

In immer schnelleren Drehbewegungen bildet sich an der Unterseite der Wolke ein rotierender Aufwindschlauch.

Sobald er den Boden berührt, ...

... kann er in einem Sog alles mitreißen, was ihm in die Quere kommt.

Der Luftschlauch kann einen Durchmesser von über einem Kilometer erreichen. Dabei sind Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Stunde möglich.

Tornados sind unberechenbar. Auch wenn man weiß, welche Wetterlagen die Entstehung einer Windhose begünstigen, lässt sich noch nicht präzise vorhersagen, ob oder gar wann es tatsächlich dazu kommt.

Zur Messung der Stärke einer Windhose wird die Fujita-Skala herangezogen, benannt nach dem Meteorologen Tetsuya Theodore Fujita. Sie reicht von der Stärke F0 bis zur Stärke F12, wobei die letzten sieben Stufen bisher rein theoretische Werte sind, die noch nicht erreicht wurden. (Tabelle: Deutscher Wetterdienst)

Erfreulicherweise, denn schon Tornados der Stärke F4 und F5 bringen die totale Zerstörung mit sich. Sie sind bis zu 513 Stundenkilometer schnell und nur in einem Raum unterhalb der Erde, in Kellern oder Bunkern, zu überleben. (Im Bild: Trümmer in der Ortschaft Lone Grove, Oklahoma, die im Februar 2009 von mehreren Windhosen, darunter auch einem F4-Tornado, verwüstet wurde.)

Zum Glück ist ein F5-Tornado selten. Nur 0,1 Prozent aller Tornados gehörte bisher dazu. Bei einem solchen Tornado bleibt kein Stein mehr auf dem anderen, Gebäude werden aus den Fundamenten gehoben, Autos fliegen mehr als 100 Meter durch die Luft. (Im Bild die Kleinstadt Greensburg im US-Bundesstaat Kansas. Sie wurde 2007 fast vollständig von einem F5-Tornado zerstört. Den Einwohnern blieben 20 Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen.)

Doch sowohl in den USA als auch in Deutschland sind 90 Prozent aller Tornados F0- und F1-Tornados.

Diese Windhosen schieben Autos von den Straßen, werfen Wohnmobile um und decken Häuser ab. Sie erreichen eine Geschwindigkeit von maximal 180 Stundenkilometern.

Allerdings lässt sich die Windgeschwindigkeit eines Tornados kaum messen, weil nur selten Messstationen getroffen werden. Deshalb beurteilt man Tornados nach den Schäden, die sie anrichten.

Ein Gebiet, das durch Tornados traurige Berühmtheit erlangt hat, ist die Tornado-Alley im Mittleren Westen der USA.

In dieser Gegend, in der schon an Vorschulen Tornado-Übungen durchgeführt werden, trifft häufig trocken-kalte Luft aus dem Norden mit feucht-warmer Luft vom Golf von Mexiko zusammen.

In Mitteleuropa kommt die feuchtheiße Luft vom Mittelmeer dagegen selten an. Deswegen treten hier weniger Tornados auf als in den USA (Grafik: European Severe Weather Database). Während es in Deutschland pro Jahr etwa 40 bis 60 Tornados gibt, ...

... sind es in den deutlich größeren USA über 1000.

Doch im Zusammenhang mit Sommergewittern sind Windhosen in Deutschlands Norden nichts Ungewöhnliches.

Während Tornados unter dem Einfluss von Kaltluft entstehen, sind Zyklone eine Warmluft-Erscheinung. Zyklone sind Wirbelstürme, die durch schwere tropische Tiefs hervorgerufen werden und nur über warmen Meeren entstehen.

In der Nordwestpazifik-Region heißt dieses Wetterphänomen Taifun, ...

... im östlichen Pazifik und Atlantik nennt man es Hurrikan.

Diese Bezeichnung geht auf das indianische Wort "Hunraken" zurück, den "Sturmgott".

Zyklon-Saison ist auf der Südhalbkugel von Januar bis März, ...

... im Nordatlantik und der Karibik von Juni bis November.

Für die Entstehung eines Zyklons müssen mehrere Faktoren zusammentreffen: große Temperaturgegensätze zwischen höhenkalter Luft und warmem Wasser (meist ab 26 Grad Celsius), genug Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre und ein tropisches Tief mit kreisenden Winden.

Im Kontakt mit der Wasseroberfläche erhitzt sich die Luft und steigt über dem Meer auf. Dann sinkt der Luftdruck. Von außen strömt Luft in das Zentrum des Tiefs, und es entsteht eine Luftspirale. Die mit Wasserdampf beladene Luft bildet Wolken, und es folgen Gewitter. Mit zunehmender Wärme und Feuchtigkeit werden diese immer heftiger.

Erst wenn ein Zyklon auf Land oder kältere Wasseroberflächen trifft, löst er sich auf.

In der Luftsäule, die sich im Zentrum eines Zyklons bildet, herrscht absolute Ruhe. Hier fliegen mitunter sogar Vögel.

Die Windspitzen eines Zyklons können mehr als 300 Kilometer pro Stunde erreichen, ...

... der Umfang kann mehrere tausend Kilometer betragen. (Aufnahme von Hurrikan "Ike" aus 350 Kilometern Höhe von der ISS aus. "Ike" prallte im September 2008 auf die texanische Küste und war fast so groß wie Deutschland.)

Zyklone sind also langsamer als die schnellsten, bisher registrierten Tornados, doch sie sind von weitaus größerem Ausmaß (Überschwemmungen in New Orleans, ausgelöst durch Hurrikan "Katrina" im August 2005).

Doch zurück zu den Windhosen. Seit dem Jahr 2000 werden in Deutschland vermehrt Tornados dokumentiert. Ob das tatsächlich bedeutet, dass sich hierzulande immer häufiger Tornados bilden, ist noch nicht geklärt.

Forscher untersuchen, ob mit dem Klimawandel und der Erderwärmung eine erhöhte Tornadogefahr einhergeht.

Fest steht aber schon jetzt, dass Digitalkameras die Dokumentierung von Tornados deutlich vereinfacht haben. Tornado-Jäger sind den Wirbelstürmen auf der Spur und machen sich ein Hobby daraus, möglichst nah an das Sturmtief heranzukommen.

Anderen dagegen bleibt nur noch eines: in Deckung zu gehen.

weitere Bilderserien