Schmetterlinge im Bauch?: Unser Leben mit Hormonen
Wenn 15-jährige Mädchen kreischend und der Ohnmacht nahe ihr Pop-Idol umjubeln, ...
Wenn 15-jährige Mädchen kreischend und der Ohnmacht nahe ihr Pop-Idol umjubeln, ...
... wenn Jungs im gleichen Alter wegen täglich neuer Pickel verzweifeln, ...
... wenn uns vor Aufregung das Herz bis zum Halse schlägt, ...
... wenn wir uns gut fühlen nach einem Lauf von 10 Kilometern ...
... und wenn der Körper erste Spuren des Verfalls erkennen lässt, dann sind sie schuld: die Hormone.
Wie aktiv Hormone in unserem Körpergeschehen sind, wird uns in einigen Lebensphasen besonders deutlich vor Augen geführt: in der Pubertät und den Wechseljahren, in der Schwangerschaft ...
... und im Alter ...
... oder auch, wenn wir verliebt sind.
Doch tagtäglich und ein Leben lang sorgen Hormone dafür, dass unser Körper im Gleichgewicht bleibt. Sie regeln die Körpertemperatur, ...
... steuern Stoffwechsel und Verdauung, ...
... wirken auf das Wachstum ...
... und beeinflussen Gefühle und Libido.
Sie halten den Blutdruck konstant ...
... und sind für die Fortpflanzung verantwortlich.
Hormone sind Wirkstoffe, die in Drüsen - wie etwa der Schilddrüse ...
... oder der Nebennierenrinde - ...
... und in speziellen Zellen und Geweben - wie Magen oder Herz - gebildet werden.
Auf diese Weise wecken sie z.B. körperliche Bedürfnisse, rufen also Hunger, ...
... Durst ...
... oder auch Müdigkeit hervor. Werden diese Bedürfnisse dann gestillt, ist der Körper wieder im Gleichgewicht. Anders als Vitamine und Mineralien werden Hormone also nicht verstoffwechselt, ...
... sondern sie übertragen Informationen. Deswegen nennt man sie auch Botenstoffe.
Die Zentrale des Hormonsystems befindet sich in unserem Kopf, in der Hirnanhangdrüse, griechisch Hypophyse. Sie produziert eigene Hormone und beeinflusst die Produktion der anderen endokrinen, also hormonproduzierenden Drüsen.
Zu diesen gehört z.B. die bereits erwähnte Schilddrüse. Die dort hergestellten Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) wirken sich auf den Energiehaushalt des Körpers aus.
Sie sorgen dafür, dass die Zellen vermehrt Sauerstoff und Kohlehydrate aufnehmen.
Bei einer Überfunktion der Schilddrüse produziert diese zu viele Hormone. Dadurch wird der Energieumsatz beschleunigt und die Körperfunktionen laufen auf Hochtouren. Nervosität und Schlaflosigkeit, ...
... Gewichtsverlust trotz Heißhunger ...
... und Schweißausbrüche können die Folge sein.
Bildet die Schilddrüse dagegen zu wenige Hormone, laufen alle Stoffwechselvorgänge verlangsamt ab. Gewichtszunahme, ...
... Müdigkeit, ein verlangsamter Herzschlag und eine heisere Stimme sind typische Symptome dieses Mangels.
Damit die Schilddrüse richtig arbeiten kann, benötigt sie Jod.
Das in der Schilddrüse produzierte Hormon Thyroxin wird missbräuchlich als Schlankheitspille eingesetzt. Doch für diese Indikation besteht weder eine Zulassung noch ein Wirknachweis.
Bekannter als die in der Schilddrüse hergestellten Hormone ist das Adrenalin (hier als Modell).
Adrenalin ist ein Stresshormon. In Sekundenschnelle steigert es die Pulsfrequenz und erhöht den Blutdruck. Außerdem weitet es die Atemwege und erleichtert so die Sauerstoffaufnahme.
Adrenalin wird auch als Fluchthormon bezeichnet. In Notfällen mobilisiert es die notwendigen Energiereserven.
Nerven und Gehirn werden in einen Alarmzustand versetzt.
Entstehungsort von Adrenalin ist die Nebennierenrinde.
Auch Endorphine hat der Körper für lebensbedrohliche Situationen vorgesehen, zumindest in der hohen Dosis: Sie wirken stark schmerzstillend. So erhöht sich zum Beispiel der Endorphin-Spiegel einer Frau erheblich unter der Geburt.
Endorphine sind gemeinhin als Glückshormone bekannt, denn sie machen geradezu "high".
Endorphin wird auch als natürliches "Opium" bezeichnet und ist chemisch mit Morphin verwandt.
Bei Läufen von mehr als 60 Minuten stellt sich dank der Endorphine ein Glücksgefühl ein, das über Stunden anhalten kann.
Um kleinste Mengen des Hormons im Körper auszuschütten, reichen schon ein paar Sonnenstrahlen.
Apropos Sonnenstrahlen: Melatonin ist das Hormon, das die "innere Uhr" des Menschen reguliert ...
... und dafür sorgt, dass der Körper auf den Tag- und Nachtrhythmus reagiert. Bei Dunkelheit löst ein erhöhter Melatoninspiegel Müdigkeit aus.
Scheint die Sonne selten, kann dies zu einer Störung des Melatoninhaushaltes führen. In den lichtarmen Monaten ...
... baut der Körper das überschüssige Melatonin tagsüber nämlich nicht ausreichend ab. So bleibt der Mensch müde und antriebsarm.
In den USA wird Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Es soll den Alterungsprozess verlangsamen und ...
... den Haarwuchs anregen. Für diese Wirkungen gibt es jedoch keine Belege.
Ebenso wie Melatonin beeinflusst auch Serotonin den menschlichen Schlafrhythmus. Doch ist Serotonin ein umgekehrt wirkendes Hormon. Es wird bei Helligkeit ...
... und daher vermehrt in den Sommermonaten gebildet und wirkt stimmungsaufhellend und antriebssteigernd.
Durch Bewegung ...
... oder den Verzehr von Zucker und Kohlehydraten lässt sich der Serotonin-Spiegel kurzfristig erhöhen.
Essen wir zu viel Süßes oder nehmen wir viele Kohlehydrate zu uns, steigt der Blutzuckerspiegel über das normale Maß.
Dann schüttet die Bauchspieldrüse das Hormon Insulin aus. Insulin fördert die Aufnahme von Glukose (Blutzucker) in die Leber und die Muskelzellen, wo sie als Energiereserve gespeichert wird.
Bildet der Körper zu wenig Insulin, kommt es zu Diabetes.
Fast alle Hormone haben ein ihnen entgegenwirkendes Hormon. Der Gegenspieler des Insulins ist das Glukagon.
Glukagon erhöht den Blutzuckerspiegel, wenn er den Normwert unterschritten hat. Das kann z.B. bei körperlicher Beanspruchung nötig sein.
Die Zuckerreserven aus den Speichern werden dann durch das Glukagon ins Blut abgegeben.
Ein weiteres Hormon, das Kortisol, arbeitet mit dem Glukagon zusammen. Auch Kortisol (in der Nebennierenrinde produziert) erhöht bei gesteigertem Energiebedarf den Blutzuckerspiegel. Es wandelt Eiweiß in Zucker um.
Kortisol wirkt entzündungshemmend und wird daher unter anderem in der Bronchialtherapie eingesetzt. Ein zu hoher Kortisolspiegel allerdings verringert die Infektabwehr des Körpers. Außerdem führt er zum Cushing-Syndrom, im Volksmund Vollmondgesicht genannt.
Kommen wir zu den Sexualhormonen und damit zum Östrogen. Östrogen ist der Oberbegriff für mehr als 30 verschiedene weibliche Geschlechtshormone, die größtenteils in den Eierstöcken gebildet werden.
Östrogen liefert den größten Beitrag zur weiblichen Sexualentwicklung und sorgt für das "typisch weibliche" Erscheinungsbild.
Es beeinflusst Figur, Haut und Behaarung und schafft die Voraussetzungen für Sex und Schwangerschaft.
Das wichtigste männliche Geschlechtshormon ist das Testosteron. Die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane, ...
... die männliche Körperbehaarung, ...
... Fettverteilung, die tiefe Stimme ...
... und die Samenbildung sind dem in den Hoden produzierten Testosteron zuzuschreiben.
Etwa um den 50. Geburtstag herum sinkt bei vielen Männern der Testosteronspiegel. Dies kann zu Reizbarkeit führen oder auch zu depressiven Verstimmungen und Konzentrationsstörungen.
In den Eierstöcken und in der Nebennierenrinde stellen auch Frauen in geringen Mengen Testosteron her. Das steigert die Libido.
Bei einem Überschuss jedoch kommt es zu einer Vermännlichung.
Oxytoxin ist ein Hormon, das vor allem Müttern bekannt ist. Es löst Wehen aus und sorgt später für den Einschuss der Muttermilch.
Oxytoxin gelangt aus der Hirnanhangdrüse direkt ins Blut. Saugt das Baby an der Brust, erhöht sich die Ausschüttung des Hormons. Oxytoxin beeinflusst nicht nur die Beziehung zwischen Mutter und Kind, ...
... sondern ganz allgemein soziale Interaktionen. Oxytoxin soll Vertrauen und Ruhe fördern.
Die Lebensdauer von Hormonen ist übrigens kurz: Manche existieren nur einige Sekunden, andere siebe Tage.
Nach der Erfüllung ihrer Aufgabe gelangen die Hormone über den Blutweg zur Leber, die sie zerlegt und inaktiviert. Über Nieren und Blase werden sie schließlich mit dem Urin ausgeschieden.
Das ist schon so manchem Sportler zum Verhängnis geworden.
Auch anabole Steroide, die am häufigsten verwendeten Dopingsubstanzen, gehören zu den Hormonen.
Basierend auf Testosteron, bauen sie das Muskelgewebe auf. Doch die Einnahme birgt ein hohes gesundheitliches Risiko. Leberschäden, Herzinfarkte, verkleinerte Hoden sind nur einige der vielen möglichen Folgen.
Hormone sind schon in sehr geringen Konzentrationen wirksam und sollten nie aufs Geratewohl eingenommen werden. Die Nebenwirkungen von Hormonpräparaten etwa, die den Alterungsprozess aufhalten sollen, sind noch kaum erforscht.
Lassen wir dem Alter also besser seinen Lauf und genießen wir so oft es geht ...
... die Frühlingsgefühle.

