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Die Meere erscheinen uns grenzenlos, ebenso grenzenlos wie die Nahrung, die sie für die Menschen bereithält.
Doch das täuscht: Nur wenige Jahrzehnte hat die Menschheit gebraucht, ...
... um die Fischbestände in den Weltmeeren und Binnengewässern - wenn nicht durch Umweltkatastrophen und Vermüllung - ...
... durch gnadenlose Überfischung stark zu dezimieren.
Die Welternährungsorganisation FAO warnt schon seit Jahren vor der Überfischung der Meere.
Nach ihren Angaben sind inzwischen 80 Prozent der wirtschaftlich wichtigen Fischbestände komplett ausgebeutet, überfischt oder erschöpft.
Noch dramatischer formulierte es Pavan Sukhdev vom UN-Umweltprogramm (UNEP): Sollte die Fischerei im derzeitigen Umfang fortgeführt werden, "dann sind wir in 40 Jahren in einer Situation, in der uns der Fisch ausgeht".
Hauptursache für das Leerfischen der Ozeane seien Regierungssubventionen für die Fischereiindustrie, die mit immer größeren Flotten einen immer kleineren Bestand an Fisch ausbeute. Es gebe derzeit im Fischfang eine Überkapazität von 50 bis 60 Prozent.
Laut einem UNEP-Bericht gibt es weltweit 35 Millionen Fischer auf 20 Millionen Fischerbooten; etwa 170 Millionen Arbeitsplätze hängen direkt mit dem Fischfang zusammen.
"Die Lage der Fischbestände ist weltweit nach wie vor dramatisch, viele brauchen endlich eine Pause von der Fischerei", sagt Iris Menn, Meeresexpertin bei Greenpeace.
Vom Roten Thunfisch beispielsweise (auch Blauflossenthunfisch, Großer oder Nordatlantischer Thun) gibt es neueren wissenschaftlichen Studien zufolge im Mittelmeer und Ostatlantik nur noch etwa sechs Prozent der ursprünglichen Bestände.
Nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF wird der Rote Thun bei gleichbleibendem Befischungsgrad schon 2012 im Mittelmeer ausgerottet sein. Das Tier, das bis zu 650 Kilogramm schwer und bis zu drei Meter lang wird, ...
... wird vor allem wegen seiner Verwendung in der asiatischen Küche im großen Stil gejagt.
Gegen Beschränkungen bei Fang und Handel macht vor allem Japan mobil, das seine Esskultur bedroht sieht.
Aber nicht nur die Japaner sind große Fischesser - der Fischkonsum steigt weltweit rapide an. Wie die FAO berichtet, ...
… verbrauchte die Menschheit im Jahr 2009 gut 145 Millionen Tonnen Fisch. Bis 2009 stieg die Fangmenge jedes Jahr um etwa zwei Millionen Tonnen an.
Rund 80 Prozent des gefangenen Fischs werden verspeist.
Der Rest geht vor allem als Fischmehl und Fischöl in die Industrie oder wird zu Tierfutter.
Die Aquakultur hat in den vergangenen vier Jahrzehnten stark zugenommen und macht inzwischen schon fast die Hälfte der Fischproduktion aus. Ohne die Massenaufzucht in Aquakulturen wäre es nicht mehr möglich, den Fischhunger der wachsenden Weltbevölkerung zu stillen.
Auch der Fischkonsum pro Kopf ist den Daten des Worldwatch Institute zufolge stetig gestiegen: Betrug er in den 1960er Jahren noch jährlich 9,9 Kilogramm, waren es 17,1 im Jahr 2009.
In Europa werden 11 Prozent des tierischen Eiweißes über Fisch aufgenommen, in Afrika sind es 19 Prozent, in Asien 21.
Steigende Einkommen und verbesserte Infrastruktur führen laut Institut auch in Entwicklungsländern zu höherem Fischkonsum. Dieser zunehmende weltweite Bedarf hat die Bestände der Speisefische dramatisch reduziert.
Wie kann man dem Problem begegnen? Auf politischer Ebene wird schon seit Jahren versucht, über Fangquoten die Fisch-Bestände zu retten – offenbar ohne großen Erfolg. Die Fangquoten sind häufig recht großzügig gefasst.
In der EU beispielsweise werden die Fischbestände in Ost- und Nordsee, Schwarzem Meer und Nordostatlantik von den EU-Staaten gemeinsam verwaltet, und zwar durch jährlich an die Flotten vergebene Obergrenzen beim Fang und bei den erlaubten Tagen auf See.
Zur Festlegung der Fangmöglichkeiten für das kommende Jahr legt die Kommission auf der Grundlage von Expertenanalysen Vorschläge vor, auf die sich die Mitgliedsstaaten dann einigen müssen.
Üblicherweise setzen die großen Fangnationen Spanien, Frankreich, Deutschland, Polen oder Griechenland am Ende aber weitaus laxere Regeln durch. Und auch diese Regeln werden häufig nicht eingehalten. Eine Kontrolle der Fangmengen ist schwierig.
Die Europäische Kommission will nun jedoch strengere und an wissenschaftliche Daten gekoppelte Fangquoten für Fischer durchsetzen.
Nach Ansicht der EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki ist die bisherige Fischereipolitk gescheitert. Spätestens 2015 sollen die Fischbestände nicht mehr über ihre natürliche Reproduktionsfähigkeit hinaus ausgebeutet werden.
Für bestimmte Fischbestände sollen die Fangquoten daher pauschal um 25 Prozent gesenkt werden. Wissenschaftliche Gutachten sollen die einzelnen Quoten untermauern. Außerdem hat Damanaki den Beifang im Blick: Ungewünscht gefangene Meerestiere dürfen künftig nicht wieder über Bord gekippt werden - so der Plan.
Alle gefangenen Fische sollen angelandet werden. Damanaki hofft, die Fischer mit dieser Regelung zu gezielteren Fangmethoden bewegen zu können. Denn nirgendwo auf der Welt sind die Bestände so überfischt wie in EU-Gewässern.
Die Fischvielfalt in den Kühlregalen gaukelt dem Konsumenten einen Fischreichtum vor, den es nicht mehr gibt. Allein im Mittelmeer sind 82 Prozent der bekannten Bestände überfischt.
Daher spielt der Verbraucher eine wichtige Rolle. Er hat die Möglichkeit, durch sein Einkaufs- und Konsumverhalten Einfluss zu nehmen. Mit Erfolg:
Supermärkte bieten immer mehr nachhaltig gefangenen Fisch an. Das ist das Ergebnis einer Supermarkt-Studie von Greenpeace.
Die bedrohten Fische Aal, Rotbarsch, Scholle und Heilbutt wurden in vielen Läden aus dem Sortiment genommen.
Sowohl Greenpeace als auch der WWF geben regelmäßig sogenannte Einkaufsratgeber heraus. Wenn man sich danach richtet, kann man durch bewussten Einkauf bedrohte Arten schützen.
Laut aktuellem Greenpeace-Einkaufsratgeber kann man Karpfen und Forelle - beide aus Aquakultur - guten Gewissens noch essen.
Für alle anderen Fischarten gelten Einschränkungen, oder sie sollten gar nicht auf den Teller kommen, empfiehlt die Umweltschutzorganisation.
Der in Deutschland sehr beliebte Hering sollte demnach nicht aus dem Nordostatlantik, der Nordsee oder dem Nordwestatlantik kommen. Auch Fänge in verschiedenen Teilen von Ostsee seien nicht vertretbar.
Ähnliche Einschränkungen, die sich auf das Fanggebiet oder die Fangmethode beziehen, gelten laut Greenpeace-Angaben zum Beispiel für Makrele (im Bild), Sardine und Zander.
Auch der Verzehr von Kabeljau ist demnach "grundsätzlich nicht vertretbar", mit einigen Ausnahmen für Fänge im Nordostatlantik und -pazifik.
Die Finger ganz lassen sollten Verbraucher zum Beispiel von wild gefangenem Dornhai, der auch als Seeaal oder Schillerlocke angeboten wird, Rotbarsch (im Bild), Scholle, Seeteufel, Steinbeißer oder Wittling.
Den stark zurückgegangenen Beständen des in Deutschland besonders gern gekauften Alaska-Seelachses droht nach Greenpeace-Einschätzung gar der Zusammenbruch. Greenpeace rät beim Alaska-Seelachs sogar von Produkten ab, die das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) tragen, das für nachhaltige Fischerei steht.
Das Umweltsiegel des MSC ist generell ein guter Anhaltspunkt für nachhaltigen Fischkauf. Es will den verantwortungsvollen Umgang mit Fisch und dem Lebensraum Meer fördern.
Der MSC ist eine unabhängige, gemeinnützige und nichtstaatliche Organisation in London. Sie zertifiziert Fischereien weltweit nach bestimmten Umweltverträglichkeitskriterien.
Diese Standards wurden von unabhängigen internationalen Experten aufgestellt.
Produkte der ausgezeichneten Fischereien sind mit einem kleinen blauen Fisch, dem MSC-Logo, gekennzeichnet. Aber nur etwa 4 Prozent des globalen Fischfangs stammen heute aus MSC-Fischereien.
Wenn wir also auch in Jahrzehnten noch Fisch auf unserem Teller haben wollen, bleibt nur: Besser informieren, bewusster einkaufen. (Andrea Beu)
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