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Von Aҫai-Beeren bis Sauerkraut: Wie gut ist Superfood wirklich?

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"Der Mensch ist, was er isst", sagte der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804 - 1872) schon im 19. Jahrhundert. (Foto: imago/CHROMORANGE)

"Der Mensch ist, was er isst", sagte der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804 - 1872) schon im 19. Jahrhundert.

"Der Mensch ist, was er isst", sagte der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804 - 1872) schon im 19. Jahrhundert.

Mit seinem Ausspruch war er Vordenker für all diejenigen, für die Essen zum gesunden Lifestyle gehört.

Also diejenigen, die sich gern und ausgiebig mit dem beschäftigen, was sie zu sich nehmen (sollten).

Das Internet scheint für Menschen, die sich besonders gesund ernähren wollen, eine große Rolle zu spielen, denn hier erkundigen sich die meisten, was wirklich gut für sie ist.

Je nachdem, welcher Philosophie man nach ausgiebiger Recherche folgt, kommt dann beispielsweise nur noch das auf den Tisch, was unsere Vorfahren in der Steinzeit auch gegessen hätten (Paleo-Diät) oder ...

... das, was ausschließlich von Pflanzen stammt (Veganismus).

Und manche ergänzen ihren Speiseplan getrieben von Gesundheitsversprechen und mit der Überzeugung diverser Heilwirkungen mit Pillen, Pulvern oder Tropfen.

Einiges davon stammt aus sogenanntem Superfood, zu dem auch das Weizengras (im Bild: Weizengras-Pulver und -Tabletten) gezählt wird.

Oftmals wird dabei völlig außer Acht gelassen, dass solche Präparate, die von weither kommen, bei der Herstellung nicht den hohen Sicherheitsstandards der EU unterliegen.

Und manche Anbieter verzichten sogar ganz auf eine lückenlose Inhaltsangabe.

Doch was versteht man eigentlich unter dem Begriff Superfood?

Offiziell gibt es keine eindeutige Definition dafür, obwohl der Begriff bereits seit dem 20. Jahrhundert als Marketingwort verwendet wird.

Im Allgemeinen werden damit Lebensmittel bezeichnet, die sich wegen ihrer Nährstoffe positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken sollen.

Superfood soll darüber hinaus im Vergleich zu anderen Lebensmitteln einen höheren gesundheitlichen Nutzen haben.

Das Werben mit dem Begriff "Superfood" oder anderen Begriffen, die den Verzehr von Produkten mit gesundheitsfördernden Effekten verbinden, ...

... ist in der Europäischen Union verboten, solange eine tatsächliche Wirksamkeit nicht durch ein strenges Zulassungsverfahren bestätigt wird.

Alle, die morgens Chia-Samen auf ihr Müsli streuen, ...

... um die Leistungsfähigkeit des Gehirns anzukurbeln, die Verdauung zu unterstützen und die Hautalterung auszubremsen, ...

... mittags ein paar getrocknete Goji-Beeren naschen, um...

... mit der aus China stammenden Frucht das Immunsystem zu stärken und den Alterungsprozess aufzuhalten und ...

... den Tag mit einem Weizengras-Smoothie beschließen mit dem Wissen, dass ...

... man damit etwas zur Gesunderhaltung der Zähne, der Regulierung des Cholesterinspiegels und gegen das Ergrauen der Haare tut ...

... und für all diese Zutaten auch gern mal tiefer ins Portemonnaie greifen, müssen jetzt ganz stark sein, denn:

"Es gibt keine Superfoods. Das ist ein frei erfundener Marketing-Begriff, um exotische, hierzulande häufig noch relativ unbekannte Früchte, Pflanzen oder Samen völlig überteuert zu verkaufen," betont der Ernährungswissenschaftler und Autor Uwe Knop.

Und die Vermarkter setzen sogar noch einen drauf: Um Goji-Beeren und Co. werden oftmals schöne Geschichten mit hohem Mystikpotenzial gestrickt. Darin werden die Superbeeren als wahre Wundermittel der Medizinmänner gepriesen.

Dabei können viele einheimische Nahrungsmittel, wie beispielsweise der hierzulande bekannte Leinsamen, aus ernährungsphysiologischer Sicht locker mit dem sogenannten Superfood mithalten.

Doch da Essen auch immer etwas mit Emotionen, Glauben und Mainstream zu tun hat, ...

... gilt das exotische Wunder-Früchtchen (im Bild: Goji-Beeren), das von weit her kommt und sehr teuer ist, als hippes Etwas, das man seinem Körper gern zumutet.

Doch auch diese Nuss muss der Experte den gutgläubigen Gesundessern knacken: "Nur weil etwas von weit her kommt und teuer ist, muss es noch lange nicht gesund sein", betont Knop.

Auch ein Energy-Drink, dem Aҫai-Beeren zugesetzt worden sind, bleibt ein Energy-Drink.

Açai-Beeren enthalten sogenannte Anthocyane. Dieser dunkle Pflanzenfarbstoff wirkt antioxidativ, das heißt, er soll die Körperzellen vor freien Radikalen schützen.

Doch auch zu den aus den Regenwäldern des Amazonas stammenden Aҫai-Beeren gibt es gute einheimische und vor allem, wenn auch saisonal bedingt, frische Alternativen.

Der Gehalt an Anthocyanen ist auch im Rotkohl, in roten Trauben, Holunder und schwarze Johannisbeeren durchaus mit dem in den Açai-Beeren vergleichbar.

Dabei steckt in den einheimischen Früchten wesentlich weniger Fett. Das dürfte vor allem für Menschen mit Übergewicht ein große Rolle spielen.

Und ob die bekannten Früchte die gleiche Wirkung zeigen, die auch den Açai-Beeren nachgesagt werden (Kräftigung des Immunsystem, Hilfe bei erektilen Dysfunktionen und Arthritis) muss wohl jeder selbst herausfinden.

Wissenschaftliche Beweise aus der Ernährungsforschung gibt es dafür aber nicht.

Dennoch lässt sich alles, was als Superfood bezeichnet wird, sehr gut verkaufen - in Reinform, als Zutat im Brot beim Bäcker oder als Pulver im Reformhaus.

Der Erfolg entsteht wahrscheinlich aus einer Mischung zwischen dem Anspruch auf gesunde Ernährung und einem Placeboeffekt.

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