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Vier Millionen Infektionen möglich: Zika-Virus verbreitet sich rasant

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Besonders Brasilien ist von einem rasanten Anstieg der Zahl von Neugeborenen mit Mikrozephalie betroffen. Dabei wird das Kind mit einem extrem kleinen Kopf und damit auch einem besonders kleinen Gehirn geboren. Erkrankte Kinder sind in der Regel geistig stark behindert. (Foto: REUTERS)

Besonders Brasilien ist von einem rasanten Anstieg der Zahl von Neugeborenen mit Mikrozephalie betroffen. Dabei wird das Kind mit einem extrem kleinen Kopf und damit auch einem besonders kleinen Gehirn geboren. Erkrankte Kinder sind in der Regel geistig stark behindert.

Besonders Brasilien ist von einem rasanten Anstieg der Zahl von Neugeborenen mit Mikrozephalie betroffen. Dabei wird das Kind mit einem extrem kleinen Kopf und damit auch einem besonders kleinen Gehirn geboren. Erkrankte Kinder sind in der Regel geistig stark behindert.

Das durch die Mückenart Aedes aegypti übertragene Zika-Virus steht im Verdacht, bei einer Infektion von Schwangeren Mikrozephalie beim Kind auszulösen.

Nach Angaben des brasilianischen Gesundheitsministeriums erhärten sich die Indizien für einen Zusammenhang.

Mikrozephalie kann aber verschiedene andere Ursachen haben: etwa eine Rötelninfektion, Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft oder auch eine Genmutation (im Bild: Larven von Aedes-Mücke).

Infektionen mit dem Zika-Virus, das vor Jahrzehnten im Zikawald im afrikanischen Uganda entdeckt wurde und so zu seinem Namen kam, waren anfangs eher selten und verliefen meist mild.

In bis zu 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt. Die Symptome können denen einer Grippe ähneln: Kopfschmerzen, leichtes Fieber, Gelenkschmerzen und Hautausschlag.

Es gibt bislang weder einen Impfstoff noch ein gezieltes Medikament zur Behandlung Zika-Erkrankter. Einzig möglich ist es, die Beschwerden mit Schmerzmitteln zu lindern.

Inzwischen breitet sich der Zika-Erreger auf dem amerikanischen Kontinent rasant aus. Warum, ist unklar. Wissenschaftler versuchen herauszufinden, ob das Virus über Körperflüssigkeiten auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

Bislang versucht man sich in betroffenen Regionen, mit langen Hosen und Hemden, Insektenmittel und Moskitonetzen vor Mückenstichen zu schützen.

Der für Brasilien entwickelte Plan ruht auf drei Säulen: Bekämpfung von Mücken, Gesundheitsfürsorge für Patienten sowie Schulungen und medizinische Forschung.

Ministerien und Behörden wollen in Brasilien enger zusammenarbeiten. Neue Zika-Infektionen sollen gemeldet werden.

"Seit 30 Jahren gibt es diese Moskitos im Land und wir haben es nicht geschafft, sie zu eliminieren", erklärt der brasilianische Gesundheitsminister Castro den Einsatz in seinem Land.

Die brasilianische Regierung will im Kampf gegen das Virus 220.000 Soldaten einsetzen. Sie sollen in besonders betroffenen Gebieten mit Pestiziden von Haus zu Haus gehen und so bei der Bekämpfung der Moskitos helfen.

In Brasilien gibt es bisher - neben Hunderttausenden möglichen Zika-Erkrankungen - über 4.000 Verdachtsfälle auf Schädelfehlbildungen bei Kindern.

In den wenigsten Fällen von Mikrozephalie konnte definitiv nachgewiesen werden, dass sich die Frauen zuvor mit Zika infiziert hatten.

Rio de Janeiros Stadtverwaltung startet unterdessen eine Aufklärungsoffensive an den Stränden der Stadt. Am Strand im Stadtteil Ipanema werden T-Shirts und Infoblätter verteilt mit der Aufschrift "Xô, Zika" (übersetzt: "Weg, Zika") und einem durchgestrichenen Moskito.

Den Strandbesuchern wird unter anderem geraten, sich von stehenden Gewässer fernzuhalten, Swimmingpools abzudecken, Reifen trocken zu lagern und ebenso die Klimaanlagen ständig trocken zu halten. Denn unbewegtes Wasser nutzen Moskitos zur Eiablage.

Als weitere Maßnahme sollen rund 400.000 schwangere Frauen aus ärmeren Schichten die Sozialleistungen im Rahmen des Programms "Bolsa Familia" bekommen und Moskitoschutzmittel erhalten.

Wegen der Ausbreitung des Zika-Virus gibt es in Brasilien einem Bericht zufolge bereits verstärkt Abtreibungen. Die Zeitung "Folha de São Paulo" zitiert mehrere Ärzte: Frauen, die sich mit Zika infiziert haben, hätten sie um eine anonyme Abtreibung gebeten. Die Frauen ...

... seien in der Regel verheiratet, hätten ein hohes Bildungsniveau, gute finanzielle Bedingungen und wollten ein Kind - aber seien nun verzweifelt wegen der Möglichkeit, dass das Baby mit Fehlbildungen geboren wird.

Möglicherweise gebe es allein in Brasilien bereits 1,5 Millionen Zika-Fälle. In ganz Amerika könnte es ohne energische Gegenmaßnahmen zu 3 bis 4 Millionen Ansteckungen kommen, befürchtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Besondere Aufmerksamkeit erfährt das Thema in Brasilien auch durch zwei Großereignisse: den Karneval und die im August in Rio de Janeiro stattfindenden Olympischen Spiele. Das Internationale Olympische Komitee steht wegen der Epidemie in engem Kontakt mit der WHO.

Die hat inzwischen den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Zu diesem Schritt habe eine Expertenrunde geraten.

Es gebe eine räumliche und zeitliche Verbindung zwischen dem Virus und dem Auftreten von Schädelfehlbildungen, sagte die WHO-Direktorin Margaret Chan.

Während der Notfallregelung können Staaten außerhalb der Seuchengebiete aufgefordert werden, Maßnahmen einzuleiten, die eine Ausbreitung des Erregers oder seines Überträgers verhindern sollen.

Dazu können Vorsichtsmaßnahmen bei Reisen gehören. Zuletzt waren nach der Ausrufung eines Gesundheitsnotstands wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika ab Mai 2015 besondere Vorkehrungen für Flugreisen vorgeschrieben worden.

In Deutschland sieht man derzeit keine Anzeichen dafür, dass es zu einer Übertragung von Zika-Viren über angesiedelte Moskitos in Deutschland kommt, gibt die Gesellschaft für Virologie bekannt.

Denn die wenigen hierzulande registrierten Zika-Virus-infizierten Personen hatten die Erkrankung direkt aus anderen Ländern eingeschleppt.

In den USA ist ein Ansteckungsfall bekannt. Er geht den Behörden zufolge auf eine Übertragung durch Geschlechtsverkehr zurück. Die aber ist extrem selten.

Die Erkrankung sei nicht durch einen Mückenstich ausgelöst worden, erklärte das Gesundheitsamt für die Region rund um die texanische Großstadt Dallas.

Die infizierte Person habe Sex mit jemandem gehabt, der nach Venezuela gereist sei, sich aber selbst nicht in dem südamerikanischen Land aufgehalten. Dabei sei die Übertragung erfolgt.

Gemeinsam mit Brasilien wollen die USA jetzt einen Impfstoff entwickeln. Dazu werden US-Präsident Barack Obama und Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff eine hochrangige Expertengruppe einsetzen.

Obama will Notfallhilfen in Höhe von mehr als 1,8 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) für den Kampf gegen das Zika-Virus beantragen. Die Mittel sollen in den USA und im Ausland eingesetzt werden.

"Wir werden diesen Krieg gewinnen", ist sich Rousseff nach Beratungen mit Gouverneuren betroffener Bundesstaaten sicher. (jki/dpa)

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