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Spanien doch das bessere Spanien: DFB-Traum platzt im WM-Halbfinale

 
Spanien doch das bessere Spanien: DFB-Traum platzt im WM-Halbfinale

Aus der Traum vom vierten Stern.

Mutlos, harmlos und hilflos hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihre Chance auf den WM-Titel in Südafrika verspielt.

Das junge Team von Bundestrainer Joachim Löw ließ beim 0:1 (0:0) im Halbfinale gegen Spanien alles vermissen, was es bisher in Südafrika so stark gemacht hatte.

Nun spielt Deutschland wie bereits 2006 nur um den "Trostpreis", im Spiel um Rang drei trifft die DFB-Auswahl am Samstag in Port Elizabeth auf Uruguay.

Den K.o.-Schlag gegen Spanien versetzte den DFB-Kickern ...

... der spanische Abwehrchef Carles Puyol (73.). Er traf per Kopf ins Tor und die Deutschen mitten ins Herz.

"Die Enttäuschung ist sehr groß. Wir haben uns viel vorgenommen, es ist uns nicht gelungen. Auf das Spiel um Platz drei habe ich heute überhaupt keine Lust", sagte Kapitän Philipp Lahm.

Wie seine Mitspieler stand er nach dem Schlusspfiff fassunglos auf dem Rasen und starrte ins Leere.

"Kompliment an die Spanier", sagte Löw, "ich glaube, dass sie Weltmeister werden. Sie haben uns an die Grenzen gebracht. Manche konnten die Hemmungen nie richtig abbauen."

Das galt auch für Piotr Trochowski, den Löw als Ersatz für den gelbgesperrten Offensivallrounder Thomas Müller in der Startelf das Vertrauen schenkte.

Der Mittelfeldspieler vom Hamburger SV war im Verlauf des Turniers bereits dreimal für Müller eingewechselt worden. Er erhielt den Vorzug vor Toni Kroos und Cacau.

Beim Europameister Spanien standen gleich sieben Spieler vom Meister FC Barcelona in der Startelf - darunter auch David Villa, den die Katalanen zur neuen Saison für 40 Millionen Euro vom FC Valencia verpflichtet hatten.

Fernando Torres, der zuletzt höchst glücklose Schütze des Siegtors im EM-Finale 2008 gegen Deutschland (1:0), saß auf der Bank. Für ihn spielte Pedro.

Die Begegnung hatte nach anfänglichem Ballgeschiebe nach dreieinhalb Minuten ihren ersten Aufreger: Ein Zuschauer war aufs Feld gelaufen. Dummerweise gerade dann, als die deutsche Mannschaft gerade einen Angriff einleiten wollte.

Schiedsrichter Viktor Kassai unterbrach, der "Flitzer" wurde von zwei Sicherheitsbeamten eingefangen und in Höhe der Mittellinie vom Rasen geführt.

Es konnte weitergehen und ging auch weiter, mit einem spanischen Angriff. Pedro führte sich mit einem Steilpass durch die deutsche Abwehr ein.

Vor dem sträflich freien Villa (6.) ...

... konnte der aufmerksame Manuel Neuer aber retten.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war auffällig: Im Gegensatz zu den Spielen gegen England und Argentinien wirkten die Deutschen nervös und zögerlich.

Sie gingen nicht entschlossen dazwischen, kamen kaum in die Zweikämpfe.

Die enorm ballsicheren Spanier hatten somit keine Mühe, die Begegnung von Beginn an zu kontrollieren – ganz so wie im EM-Finale 2008, als sie die Deutschen mit 1:0 demontiert hatten.

Klug und gedankenschnell verlagerte Spanien das Spiel und legte sich die deutsche Mannschaft geduldig zurecht.

In der 13. Minute flankte Iniesta auf den aufgerückten Carles Puyol, der den Ball freistehend am Fünfmeterraum per Kopf über die Latte schoss.

In der Mitte hatte Arne Friedrich nicht aufgepasst.

Die Spanier agierten, die Deutschen reagierten nur.

Iniesta und Xavi konnten sich im Mittelfeld nach Herzenslust austoben - nur die Zielstrebigkeit fehlte, zum Glück für die Deutschen.

Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira und Mesut Özil bekamen dagegen keine Linie ins deutsche Spiel.

Jerome Boateng ...

... und Lukas Podolski auf der linken Seite waren bisweilen überfordert.

Erst nach einseitigen 32 Minuten gab Trochowski ein erstes Lebenszeichen für die DFB-Auswahl ab: Mit einem Schuss aus rund 22 Metern zwang er Torhüter Iker Casillas zu einer Parade. Zuvor hatte sich das DFB-Team lediglich einige Ecken erarbeitet, die wirkungslos verpufften.

In der 45. Minute gab es noch einmal kurz Aufregung, als Özil im spanischen Strafraum nach einem Zweikampf mit Sergio Ramos zu Boden ging. Kein Elfmeter war die richtige Entscheidung, auch wenn der englische Ex-Schiri Graham Poll twitterte: Rot für Ramos, aber außerhalb des Strafraums.

Trotz der schwachen Leistung in Hälfte eins verzichtete Bundestrainer Löw in der Pause auf Wechsel.

Weil er auch in der zweiten Halbzeit nicht besser ins Spiel fand, reagierte Löw in der 52. Minute dann doch und brachte für den ungläubig dreinschauenden Boateng ...

… dann doch Marcell Jansen. Es half nichts. In den Minuten nach dem Wechsel herrschte in der deutschen Abwehr völlige Konfusion.

Zunächst gab der spanische Stürmerstar David Villa in der 55. Minute einen Warnschuss ab. Aus 17 Metern schoss er aber am rechten Torpfosten vorbei.

In der 58. Minute parierte Neuer ...

... dann zunächst gegen Pedro.

Doch Sekunden später brachte Iniesta den Ball flach vor das Tor.

... und Villa verpasste nur um Zentimeter.

Zuvor hatte Mertesacker den Ball nach Neuers Parade geradezu stümperhaft im eigenen Strafraum verloren.

Erst mit der Einwechslung von Kroos für Trochowski in der 62. Minute wurde es besser. Der Ball lief nun über mehrere Stationen, es war mehr Zug hinter den Aktionen.

Folge: In der 69. Minute hatte Kroos nach der ersten gelungenen deutschen Kombination sogar die große Chance zur Führung. Doch nach Flanke von Podolski geriet die Volleyabnahme des jüngsten Deutschen zu unpräzise, Casillas konnte zur Ecke abwehren.

Das war doppelt bitter: Deutschland verpasste nicht nur das 1:0, sondern geriet wenig später sogar in Rückstand.

Denn in die beste deutsche Phase hinein fiel nach einem Eckball von Xavi das 0:1.

Carles Puyol kam, nur von seinem ebenfalls freistehenden Teamkollegen Gerard Pique bedrängt, zum Kopfball.

Beim wuchtigen Kopfstoß des Abwehrrecken war Torwart Neuer machtlos.

Die Führung war mehr als verdient, …

… sie entschied die einseitige Partie endgültig.

Bundestrainer Löw, nach dem Fußball-Demonstrationen im Achtel- und Viertelfinale als Taktikfuchs gelobt, fand einfach kein Mittel gegen das spanische Spiel.

Sein letzter Wechsel, Stürmer Mario Gomez für Sami Khedira, war ein Zeichen seiner Hilflosigkeit.

Wie schon gegen Serbien und Ghana bewirkte Löw mit seinen Wechseln überhaupt nichts. Eine zwingende Ausgleichschance erspielte sich Deutschland auch mit Gomez nicht mehr.

Dass die Fußballlehrstunde wie 2008 im EM-Finale trotzdem nur mit 0:1 ausging, war der Eigensinnigkeit des ansonsten starken Pedro zu verdanken.

Der verzichtete bei einem spanischen Konter in der 83. Minute darauf, den mitgelaufenen Iniesta zu bedienen, und vertändelte den Ball leichtfertig. Reue fühlte er nach dem Abpfiff dennoch nicht.

Schließlich steht Spanien zum ersten Mal in einem WM-Finale. Dort warten am Sonntag in Johannesburg die Niederlande. Sicher ist: Es wird eine Premiere: Beide Nationen sind noch ohne WM-Titel und noch nie hat eine europäische Mannschaft außerhalb Europas den WM-Titel gewonnen.

Sicher ist auch: Nach der Demonstration gegen Deutschland heißt der Favorit zweifelsohne Spanien.

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