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Schüler des Internats "Cevenol International" in Le Chambon-sur-Lignon stehen vor einer Tafel, die an ihre ermordete Mitschülerin Agnes erinnert.
Schüler des Internats "Cevenol International" in Le Chambon-sur-Lignon stehen vor einer Tafel, die an ihre ermordete Mitschülerin Agnes erinnert.(Foto: dpa)

Entsetzen in Frankreich: 13-Jährige grausam getötet

Der grausame Mord an einer 13 Jahre alten Internats-Schülerin erschüttert Frankreich. Der Täter ist gerade mal vier Jahre älter und ging zur gleichen Schule - trotz düsterer Vergangenheit.

Ein intelligenter 17-Jähriger trifft im Internat auf eine hübsche 13-Jährige: Woraus in vielen anderen Fällen die erste große Liebe entsteht, ist in der französischen Auvergne ein Alptraum geworden. Der Jugendliche verschleppte seine Mitschülerin Agnès in ein Waldstück und vergewaltigte sie. Um seine Tat zu vertuschen, tötete er das Mädchen und verbrannte die Leiche. "Wir haben keine Erklärung für die Tat", sagte die Staatsanwaltschaft nach den ersten Ermittlungen. Der geständige Täter zeige keine Emotionen.

Die französische Öffentlichkeit reagierte entsetzt. Nach der grausigen Tötung des Teenagers in der vergangenen Woche ist eine gesellschaftliche Diskussion über eine mögliche Mitverantwortung der Behörden entbrannt. Angehörige des Opfers wie der Opa werfen den zuständigen Stellen Nachlässigkeit im Umgang mit dem Täter vor.

Wiederholtes Sexualverbechen

Der Mitschüler saß wegen einer ähnlichen Tat bereits vier Monate in Untersuchungshaft. Im August 2010 war er ebenfalls in einem Wald über eine Kindheitsfreundin hergefallen und hatte sie sexuell missbraucht. Nach der Untersuchungshaft wurde er unter gerichtlicher Aufsicht in das Internat in Le Chambon-sur-Lignon geschickt.

"Diese Tragödie zeigt, dass die Psychiatrie alles andere als eine genaue Wissenschaft ist", sagte die Anwältin des ersten Opfers der Regionalzeitung "Midi Libre". Psychiatrische und psychologische Gutachten hatten dem jungen Mann bescheinigt, dass er keine Gefahr darstelle und resozialisierbar sein.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Die eigentliche Debatte beschäftigt sich allerdings mit dem mutmaßlichen Versagen der Justiz und der Internatsleitung. Bildungsminister Luc Chatel wies darauf hin, dass der Jugendliche nach seinem ersten Gefängnisaufenthalt weiter auffällig war und kurz vor einem Schulverweis stand. Letztlich habe das Internat dem Jungen dann aber doch die Chance zu einem weiteren Neuanfang gegeben, sagte Chatel dem Radiosender RTL.

Die Leitung der Privatschule schiebt die Schuld hingegen auf die Justiz. Sie beteuert, von dem ersten Sexualverbrechen des jungen Mannes nichts gewusst zu haben und gibt an, lediglich über Ermittlungen gegen den Jungen wegen schwerer Vorwürfe informiert worden zu sein. Zum indirekten Vorwurf des Ministers äußerte sie sich zunächst nicht. Es sei unverantwortlich, dass die Justiz einen jungen Sexualstraftäter nicht auf ein reines Jungeninternat geschickt habe, meinte der stellvertretende Schuldirektor Jean-Michel Hieaux.

Politik schaltet sich ein

Fünf Monate vor den Wahlen ist die Regierung angesichts dieser Vorwürfe alarmiert. Premierminister François Fillon kündigte zu Wochenbeginn neue Maßnahmen zum Schutz vor Sexualstraftätern an. Wer bereits im Jugendalter wegen eines schweren Verbrechens verurteilt wird, soll künftig in eine geschlossene Einrichtung kommen. Der Informationsaustausch zwischen Justiz und Schulbehörden werde verbessert, hieß es.

"Wir sind traurig, dass alle Welt versucht, aus dem Fall politischen Profit zu schlagen", sagt der Vater von Agnès in einem Interview mit der französischen Tageszeitung "Le Parisien". Dem Täter droht nun eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes.

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Quelle: n-tv.de

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