Freitag, 16. Mai 2008
"Verdammt außergewöhnlich": 16-Jähriger mit 6,2 Promille
Ein rekordverdächtiger Wert von 6,2 Promille Alkohol im Blut ist bei einem 16 Jahre alten Jugendlichen aus dem Raum Waldshut-Tiengen gemessen worden. Er fiel nach einem privaten Trinkgelage ins Koma, wie die Tageszeitung "Südkurier" berichtete. Ein Sprecher des Universitätsklinikums Freiburg bestätigte die Promilleangaben am Freitag der AP. Mittlerweile sei der 16-Jährige außer Lebensgefahr. Er war von Waldshut nach Freiburg verlegt worden.
Andere Jugendliche sollen dem bereits Betrunkenen im bewusstlosen Zustand weiteren Alkohol eingeflößt haben, heißt es in dem Bericht der Zeitung. Gegen sie habe die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Eine Alkoholkonzentration ab vier Promille kann bereits zu tödlichem Atemstillstand führen. 6,2 Promille seien "verdammt außergewöhnlich", sagte Kliniksprecher Benjamin Waschow. Das komme nicht alle Tage vor. Der Junge sei Anfang Mai in Freiburg in Behandlung gewesen. Ein Polizeisprecher in Waldhut-Tiengen sagte, man versuche herauszufinden, was genau bei dem Fest passiert sei.
Bestürzt von dem Vorfall zeigte sich der Rektor der Waldshuter Schule, die der Jugendliche besucht, wie der "Südkurier" berichtete. "Ich bin wirklich froh, dass es dem Jungen gut geht", sagte er dem Blatt. Es sei absolut unverständlich, wie man einem derart Betrunkenen noch Alkohol einflössen könne. "Wenn sich diese Gerüchte bestätigen und die Schuldigen auf unsere Schule gehen, drohen ihnen Konsequenzen", wurde der Schulleiter weiter zitiert. Er vermute, dass die Schüler wüssten, wer dem Jungen den Alkohol in rauen Mengen verabreicht habe. "Wir werden dran bleiben und herausfinden, was genau passiert ist", sagte er.
Jugendliche vertragen weniger
Der 16-jährige Schüler, der im März 2007 in Berlin nach einem Tequila-Wetttrinken nach fünfwöchigem Koma starb, hatte 4,8 Promille Alkohol im Blut. Er soll 45 bis 50 Gläser Tequila getrunken haben.
Damals erklärte der Präsident der europäischen Alkoholforschungsgesellschaft, der Heidelberger Professor Helmut K. Seitz, chronische Trinker hätten bereits bis zu sechs Promille Alkohol im Blut überlebt. Dagegen seien Gehirn und Leber bei Jugendlichen sehr empfindlich und bauten den Alkohol nicht so schnell ab wie die von regelmäßigen Trinkern.
1,3 Millionen Deutsche sind Alkoholiker
Die tödliche Gefahr durch "Koma-Saufen" wird Medizinern zufolge stark unterschätzt. Allein eine alkoholbedingte starke Unterzuckerung des Körpers kann nach Expertenangaben zum Tod führen. Schnelles Trinken von sehr viel Alkohol kann außerdem das Atemzentrum im Gehirn lahmlegen und auf diese Weise zum Tod führen.
Nach dem jüngsten Drogenbericht 2008 hat sich die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Zehn- bis 20-Jährigen wegen Alkoholmissbrauchs seit dem Jahr 2000 auf 19.500 Fälle verdoppelt. 1,3 Millionen Deutsche sind alkoholabhängig,
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