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Dem Angeklagten droht lebenslang.
Dem Angeklagten droht lebenslang.(Foto: dapd)

Bluttat von Notzing: 22-Jähriger bedauert Doppelmord

Im bayerischen Notzing wird ein Ehepaar brutal umgebracht. Für die Tat steht nun der Ex-Freund der Tochter vor Gericht. Er soll den Eltern dafür die Schuld gegeben haben, dass die junge Frau die Verlobung mit ihm löste. Beim Prozessauftakt bedauert der mutmaßliche Mörder die Tat.

Vor dem Landgericht Landshut hat der Prozess gegen einen 22-jährigen Heizungsbauer begonnen, der die Eltern seiner Ex-Verlobten im März vergangenen Jahres in ihrem Haus in Notzing ermordet haben soll. Laut Staatsanwaltschaft machte der Angeklagte Christoph W. die Eltern für das Scheitern der Beziehung verantwortlich. Er soll seine beiden Opfer mit Messern, einem Kaminbesteck und einer Axt getötet haben.

Beim Prozessauftakt schwieg der mutmaßliche Doppelmörder. Sein Anwalt Winfried Folda verlas jedoch eine Stellungnahme: Darin bedauert der Heizungsmonteur das Verbrechen. Er übernehme die volle und alleinige Verantwortung für die Tötung des 60-Jährigen und der 54-Jährigen aus Notzing. Er habe nicht geglaubt, dass er dazu fähig sei, lässt der Angeklagte verlesen. Außerdem sei ihm bewusst, dass er größtes Leid über die Familie der Opfer und seine eigene Familie gebracht habe. Im Fall einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haft.

Christoph W. und Cornelia R. waren seit Ende November 2009 ein Paar, im Februar 2010 verlobten sie sich - er war damals 19, sie 15 Jahre alt. Der junge Mann baute sogar schon an einem Haus für sich und seine Verlobte. Am 16. März vergangenen Jahres beendete die junge Frau aber die Beziehung. Er machte dafür die Eltern verantwortlich.

Zwei Wochen später suchte W. laut Anklageschrift Rache: Als am 30. März sowohl die Eltern als auch seine Ex-Freundin das Haus im Dorf Notzing im Landkreis Freising verlassen hatten, soll er in das Gebäude eingestiegen sein. Bewaffnet mit zwei Küchenmessern der Familie soll W. im Wohnzimmer auf die Rückkehr des 60-jährigen Vaters gewartet und ihn dann unvermittelt angegriffen haben. Der vor Wut rasende Angreifer soll mehrmals auf sein Opfer eingestochen haben. Dann soll er den blutenden Mann ihn in den Keller geschleift und mit einem eisernen Kaminbesteck auf ihn eingeschlagen haben, bis er tot war.

Regelrechter Blutrausch

Planen bedecken im Garten der Familie den Fundort der Leichen.
Planen bedecken im Garten der Familie den Fundort der Leichen.(Foto: dpa)

Den Ermittlungen zufolge putzte W. anschließend zwei Stunden lang das Haus vom Blut seines Opfers. Als kurz danach die Mutter zurückkehrte, griff er die 54-Jährige ebenso unvermittelt an und verletzte sie mit Messern, einem Handbeil, einem Wetzstahl und einem Schürhaken. Vor ihrem Tod habe die aus über 30 Wunden verblutende Frau noch "Warum?" gefragt. Seine Antwort sei gewesen: "Weil ihr mir meine Frau genommen habt."

In der Anklageschrift macht die Staatsanwaltschaft keine Angaben dazu, wie die Eltern tatsächlich zu der Beziehung standen - dies werde im Prozess zur Sprache kommen, sagte ein Behördensprecher. Als die junge Frau aus der Schule nach Hause zurückkehrte, drohte W. ihr, sie zu ermorden, falls sie ihm nicht bei der Beseitigung der Leichen helfe. Danach half sie ihm.

Schwierige Leichenbeseitigung

Cornelia soll selbst vorgeschlagen haben, die Leichen zu verbrennen. Im Rohbau seines Hauses habe Christoph W. die Leiche des Vaters im Keller mit Spiritus und Benzin übergossen, angezündet und das Feuer mit Holz angeheizt. Über zwei Stunden schürte das Paar das Feuer, bis es erkannte, dass die Leiche nur verkohlte.

Dann versuchte das Paar, die Leiche des Vaters versuchte an einem See zu vergraben. Dieser Plan scheiterte jedoch am starken Wurzelwerk. Danach vergruben sie die Leichen der Eltern in deren Garten. Außerdem fassten beide laut Anklage gemeinsam den Plan, das Verschwinden der Eltern mit einer Reise zu erklären - dazu parkten sie das Auto der Eltern am Erdinger Bahnhof.

Erst als mehr als zwei Tage nach den Morden der nicht mehr zu Hause lebende Sohn der Ermordeten nach seinen Eltern suchte und trotz Maler- und Reinigungsarbeiten die Blutspuren entdeckte, verriet die junge Frau auf das Insistieren des Bruders hin das grausame Geschehen.

Das Amtsgericht Freising hat die inzwischen 18-Jährige wegen Beihilfe zur Strafvereitelung mittlerweile zu einem halben Jahr Jugendhaft auf Bewährung verurteilt, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. In dem Prozess gegen ihren Ex-Freund tritt sie zusammen mit ihrem Bruder als Nebenklägerin auf - für Christoph W. muss das ein Zeichen sein, dass auch seine Wahnsinnstat ihm seine Freundin nicht zurückbringen konnte.

Quelle: n-tv.de

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