Panorama

Millionen Bücher am MittelmeerÄgyptens Metropole Alexandria

02.06.2012, 10:20 Uhr
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Entlang einer weiten Bucht am Mittelmeer entfaltet sich das Panorama von Alexandria. (Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Einst war sie das geistige Zentrum der antiken Welt, heute ist sie die zweitgrößte Stadt Ägyptens: die Hafenstadt Alexandria. Die historische Bibliothek hat eine moderne Nachfolgerin gefunden. Doch Touristen machen sich derzeit rar.

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Neubau: Seit zehn Jahren gibt es die Bibliothek von Alexandria wieder. (Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Mehr als 2000 Jahre vor der Erfindung des Internets war hier das Wissen der Welt zu Hause. Griechische Geistesgrößen vom Schlage eines Archimedes, Eratosthenes oder Euklid forschten in der berühmten Bibliothek von Alexandria, in der bis zu 700.000 Papyrusrollen lagerten. Später wurde das Zentrum antiker Gelehrsamkeit ein Raub der Flammen und lebte nur in der Erinnerung der Menschheit weiter.

Seit 10 Jahren gibt es sie wieder, die Bibliothek von Alexandria. An der Corniche, dem Küstenboulevard der ägyptischen Mittelmeermetropole, erhebt sich der Neubau hinter Palmen. Auf einer kleinen Mauer am Eingang hocken junge Frauen mit Kopftüchern, den Laptop auf dem Schoß, das Handy am Ohr. Die 2002 unweit des antiken Standorts eröffnete Bibliothek wird heute vor allem von Studenten genutzt. Sie ist aber auch eine Touristenattraktion.

Prestigeprojekt für 167 Millionen Euro

Mit der Bibliotheca Alexandrina, einem rund 167 Millionen Euro teuren Prestigeprojekt, will Ägypten an die große Geschichte der Stadt anknüpfen, die 331 vor Christus von Alexander dem Großen gegründet wurde. Die moderne Großstadt, von ihren Einwohnern auch "Braut des Mittelmeers" genannt, hat mit ihrer Lage am Meer, ihren bunten Märkten, Kirchen, Moscheen und einigen römischen Baudenkmälern noch mehr zu bieten.

Vom Zentrum aus lassen sich viele Ziele zu Fuß erreichen. Nur wenige Minuten sind es quer über den verdreckten Tahrir-Platz durch die wuseligen Marktstraßen bis runter zur Corniche. Entlang einer weiten Bucht entfaltet sich das Panorama der Stadt. Nach rechts geht es zur Bibliothek, nach links führt der Abendspaziergang zu einer Halbinsel, wo früher der Leuchtturm von Alexandria stand.

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Wo in der Antike der berühmte Leuchtturm von Alexandria stand, steht jetzt das Fort Kait Bey. (Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Dieser war eines der Sieben Weltwunder der Antike. Heute steht an der Stelle das im 15. Jahrhundert errichtete Fort Kait Bey. Direkt daneben lädt der griechische Jachtclub zur Einkehr ein.

Griechisch geprägt

Die Sirtaki-Klänge, die sich auf der Terrasse mit Wind und Meeresrauschen mischen, rufen in Erinnerung, dass Alexandria von Griechen gegründet und bis zur arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert von Griechen geprägt wurde. Zu deren berühmtesten Söhnen zählen die Sänger Demis Roussos und Georges Moustaki. Moustaki, der als junger Mann nach Frankreich auswanderte, widmete seinem Geburtsort später das nostalgische Lied "Alexandrie".

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Im Hafen von Alexandria liegen Dutzende Fischerboote vor Anker. (Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Damals muss das Leben in Alexandria noch beschaulicher gewesen sein als heute, wo Heerscharen schwarz-gelber Lada-Taxis mit ihren Abgasen die Düfte des Orients verdrängen und der Müll Plätze und Boulevards verunstaltet. Erhalten hat sich das Ambiente alter Zeiten in Kaffeehäusern wie dem "Trianon" oder den vielen kleinen Cafés, in denen die Männer die Shisha rauchen.

Nur wenige ausländische Touristen

Doch zurzeit kommen nur wenige ausländische Besucher. Der Arabische Frühling hat seine Spuren hinterlassen. In Alexandria gab es wie in Kairo 2011 blutige Krawalle mit Toten und Verletzten. Auch gilt die Stadt als eine Hochburg der radikalislamischen Salafisten. Das Auswärtige Amt warnte Zeitweise vor Reisen in das Gebiet.

In der Bibliotheca Alexandrina gibt es an diesem Tag nur einen Teilnehmer an der deutschsprachigen Führung. Ingy Kenawy, die junge Führerin, erzählt, dass sich die Besucher rar machen. "Das war früher anders", sagt sie und schaut für einen Augenblick ganz traurig.

Service:

Die Bibliotheca Alexandrina ist täglich von 11.00 bis 19.00 Uhr geöffnet, freitags von 15.00 bis 19.00 Uhr. Sie bietet Führungen auch auf Englisch, Deutsch, Spanisch und Französisch.

Quelle: ntv.de, Klaus Blume, dpa