Panorama
Dienstag, 27. April 2010

In der Prinsengracht 263 : Alle Notizen von Anne Frank vereint

In den Jahren zwischen 1942 und 1944 hielt Anne Frank ihre Gedanken und Erlebnisse schriftlich fest. Jetzt sind erstmals alle Manuskripte der Öffentlichkeit zugänglich.

Anne Frank (undatiertes Archivfoto) starb im März 1945 im KZ Bergen Belsen an einer Typhus-Epidemie.
Anne Frank (undatiertes Archivfoto) starb im März 1945 im KZ Bergen Belsen an einer Typhus-Epidemie.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zum ersten Mal sind jetzt sämtliche Tagebuchaufzeichnungen von Anne Frank wieder dort vereint, wo das jüdische Mädchen sie geschrieben hat. Vom 28. April an werden ihre handschriftlichen Manuskripte in einem eigens eingerichteten Tagebuchsaal des Amsterdamer Anne-Frank-Hauses ausgestellt. Der Saal wird aus Anlass des 50. Gründungsjubiläums des Museums bei einem Festakt durch die niederländische Königin Beatrix eröffnet.

Schon seit Jahren ist in dem Haus an der Prinsengracht 263 das weltberühmte rot-weiß-karierte Poesiealbum Anne Franks ausgestellt. Es gilt vielen als das eigentliche Tagebuch. Im Hinterhausversteck der aus Deutschland nach Holland geflohenen Familie Frank hatte Anne zwischen 1942 und 1944 ihre Erfahrungen und Gedanken jedoch in weit mehr Schriftstücken festgehalten.

Papiere vor den Nazis gerettet

Kurz nach der Verhaftung der Franks am 4. August 1944 hatten die beiden Helferinnen der Familie, Miep Gies und Bep Voskuijl, diese Papiere unter Lebensgefahr vor dem Zugriff der Nazis gerettet. Nach dem Krieg übergab Gies sie Annes Vater Otto, der als einziger der Familie die deutschen Konzentrationslager überlebt hatte. Er sorgte später für die Veröffentlichung weiter Teile der Aufzeichnungen, die als Tagebuch der Anne Frank unter dem Titel "Das Hinterhaus" weltberühmt wurden.

Blick in das Anne Frank Haus in Amsterdam (im Bild: das Büro von Vater Otto).
Blick in das Anne Frank Haus in Amsterdam (im Bild: das Büro von Vater Otto).(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Alle Schriftstücke, darunter Hefte und Hunderte lose Seiten, blieben bis Otto Franks Tod 1980 in seinem Besitz. Danach wurden sie, wie im Testament bestimmt, im Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation (NIOD) aufbewahrt und wissenschaftlich sowie für Publikationen ausgewertet. In den letzten Monaten sind die Manuskripte auf der Grundlage einer vertraglichen Vereinbarung zwischen dem NIOD und der Anne-Frank-Stiftung vollständig dem Museum an der Prinsengracht übergeben und dort für die Ausstellung aufbereitet worden.

Ziel sei es, möglichst vielen Menschen Einblick in die Originale zu geben, sagte Stiftungsdirektor Hans Westra. Das Interesse sei heute, 50 Jahre nach der Eröffnung des Museums am 3. Mai 1960, größer denn je. Jedes Jahr kämen mehr als eine Million Besucher. Obwohl der Zweite Weltkrieg 65 Jahre zurückliegt, beschäftigen sich nach Erkenntnissen der Stiftung vor allem junge Menschen in allen Teilen der Welt mit Anne Frank und ihrem Schicksal. Das Museum kommt diesem Interesse auch durch ein umfangreiches Online-Angebot nach.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen