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Graue Wolken über dem Kornfeld - ein gewohntes Bild in diesem Sommer.
Graue Wolken über dem Kornfeld - ein gewohntes Bild in diesem Sommer.(Foto: imago/CHROMORANGE)
Donnerstag, 03. August 2017

Wechsel-Sommer hält vorerst an: Am Wochenende drohen neue Gewitter

Durch ein Wechselbad der Wettergefühle wird Deutschland in diesem Sommer geschickt. Mal ist es brütend heiß, mal gießt es in Strömen oder stürmen Unwetter übers Land. Ob nun endlich mal eine gewisse Kontinuität einkehrt, erzählt n-tv-Meteorologe Björn Alexander im Interview.

n-tv.de: Das Wetter macht es uns in diesem Sommer irgendwie nicht leicht. Mal brütend heiß, dann wieder Gewitter. Wie sieht es denn im Schlussspurt für diese Woche aus?

Björn Alexander: Alles in allem bleibt es in Sachen Temperaturen (vorerst einmal) weiter kontrastreich. Denn während der Süden und der Südosten zuletzt enorm heiß waren, haben der Norden und der Nordwesten in Sachen Sommer kaum etwas abbekommen. So waren die letzten Wochen dort im langjährigen Vergleich eher normal temperiert. Von der Mitte südwärts war es dagegen zu warm bis deutlich zu warm.

n-tv-Meteorologe Björn Alexander.
n-tv-Meteorologe Björn Alexander.

Woran liegt diese ungerechte Sommer-Verteilung?

Grundsätzlich haben die Großwetterlagen dafür gesorgt, dass der Süden die Hitze vom Mittelmeerraum und Südeuropa bekommen hat. Unterdessen lag die Nordwesthälfte tendenziell im Einflussbereich von kühlerer Atlantikluft. Dazwischen gab es dann auch immer mal wieder Tiefdruckgebiete mit sogenannten Luftmassengrenzen, was uns gleichzeitig die zum Teil extremen Wassermassen mit Überschwemmungen (beispielsweise in Berlin oder im Harz) brachte. Auf dem Brocken im Harz fielen zum Beispiel im Juli insgesamt fast 430 Liter Regen auf jeden Quadratmeter.

Wie viel ist normal?

So um die 130 Liter sind es im langjährigen Durchschnitt. Das ist dann also mehr als die dreifache Monatsmenge für Juli. Und mit diesem Regenüberschuss war der Brocken nicht allein. Nach dem viel zu trockenen Winter und Frühjahr haben somit die zwei bisherigen Sommermonate einen mehr als ausgeglichenen Wasserhaushalt. Im Juni fielen - landesweit betrachtet - ziemlich genau 100 Prozent der normalen Regenmenge. Der Juli war dann deutlich zu nass bei über 150 Prozent des ansonsten üblichen Regens.

Macht der August denn so weiter?

Zumindest sehe ich die große Trockenheit derzeit nicht kommen. Denn einen Preis für Beständigkeit kann der Sommer 2017 nach wie vor nicht einheimsen. Zwar sind weiterhin auch mal freundliche oder sonnige Tage und Phasen mit dabei. Aber das schöne Wetter ist dann meist nicht von langer Dauer.

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Gibt es schon Trends, wie lange es so wechselhaft bleibt?

Nach jetzigem Stand würde ich sagen, dass es noch mindestens bis zum 10./11. August unbeständig weitergeht. Frühestens danach - also am übernächsten Wochenende - deutet sich mal ein Azorenhochableger bei uns an, der vielleicht eine stabilere Phase einläuten könnte. Bis dahin bleibt der Hochsommer aber definitiv bescheiden. Zumal sich auch die Temperaturen zwischen Nord und Süd mehr und mehr angleichen werden.

Auch der Norden wird wärmer?

Leider eher nicht. Denn statt einer Wärmedröhnung für den Norden bekommt der Süden deutlich kühlere Temperaturen. So zeigen die Wettermodelle bereits am Sonntag nur noch Spitzenwerte zwischen 17 und 26 Grad. Der kommende Montag könnte nochmals etwas wärmer werden, bevor der Sommer anschließend vollends auf Tauchstation geht. Ab Dienstag kommender Woche berechnen die Computer kaum mehr als 17 bis 24 Grad.

Glückselig sind dann wohl diejenigen, die ihren Urlaub in den südlichen Gefilden verbringen dürfen, oder?

Das kommt sehr darauf an, was für ein Typ man ist. In den südlicheren Urlaubsregionen breitet sich nämlich immer mal wieder die nordafrikanische Hitze aus und sorgt zum Teil für rekordverdächtige Tageshöchstwerte.

Wie heiß ist es denn momentan?

Auf Mallorca sind es derzeit zwischen 33 und 39 Grad. In Sevilla oder Florenz schwitzt man bei 40 Grad. Rund 38 Grad sind es in Zagreb oder Budapest. Aber klar: für einen Sommerurlaub ist Hitze natürlich nicht das Schlechteste. Werte von um die 40 Grad haben allerdings auch irgendwie etwas Lähmendes. Zumindest wird es für körperliche Aktivitäten abseits der Küsten und Pools dann allmählich eng.

Wie sieht es bei uns in den nächsten Tagen aus?

Ziemlich durchwachsen. Denn neben sonnigen Abschnitten mogeln sich von Westen und Südwesten her nach wie vor Regengüsse sowie Blitz und Donner zu uns rein.

Mit neuen Unwettern?

Die sind bei diesen teilweise warmen bis heißen und dementsprechend energiegeladenen Luftmassen nur selten bis gar nicht auszuschließen. In der Fläche betrachtet werden die Gewitter aber alles in allem seltener und wahrscheinlich auch weniger stark.

Wo wird es am Samstag denn krachen?

Zum einen entlang der Mitte. Denn von Benelux breiten sich Schauer und einzelne Gewitter Richtung Sauerland und Harz aus und erreichen später dann auch die östlichen Landesteile. Zum anderen können sich auch in Richtung Alpen örtliche Gewitter entwickeln. Alles in allem dürfte der Start ins Wochenende aber sowohl im Süden als auch im Norden am freundlichsten verlaufen.

Was machen die Temperaturen?

Dort, wo die Wolken am schnellsten aufziehen, bleibt es am kältesten. Das sind dann also die Bereiche Eifel, Bergisches Land und Sauerland mit kaum 20 Grad. Auch im nördlichen Schleswig-Holstein ist es ähnlich frisch. Am wärmsten wird es im Markgräflerland/Oberrhein bei 30 Grad.

Und am Sonntag?

Hängt der gewittrige Regen im Südosten und den Alpen noch lange rum. Derweil wird es vom Westen bis herüber in den Osten vielfach freundlich, teilweise auch sonnig. Leicht wechselhaft geht es bei den Nordlichtern durch den Tag. Dazu gibt es verbreitet durchaus angenehme Temperaturen von 20 bis 25 Grad. An Saar und Nahe auch bis 26 Grad. Kühler bleibt es nach wie vor in Schleswig-Holstein bei 19 Grad. Der wolkige Alpenrand bekommt gar nur noch 17 Grad.

Der kurze Blick auf die nächste Woche?

Montag nochmals wärmer und häufiger sonnig bei 22 bis 29 Grad. Ab Dienstag unbeständig und überall kühler. Wie eingangs bereits gesagt, werden es wohl kaum mehr als 17 bis 24 Grad, bevor das übernächste Wochenende wieder mehr Wärme und Stabilität bringen könnte.

Quelle: n-tv.de

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