Mittwoch, 19. November 2008
Selbstmord nach Internet-Mobbing: Amerikanerin vor Gericht
Mit der Auswahl von Juroren hat der Prozess gegen eine Amerikanerin begonnen, die sich in einem Internetforum als Junge ausgab und online eine Teenagerin drangsalierte. Das junge Mädchen beging später Selbstmord. Die 49 Jahre alte Lori Drew aus dem US-Staat Missouri ist wegen Verschwörung und illegaler Benutzung eines Computers angeklagt, berichtete der US-Sender KTLA. Die Frau hatte im Juni auf die Vorwürfe des Internet-Betrugs und der Zufügung von Kummer mit "nicht schuldig" plädiert.
Der Anklage zufolge kontaktierte die Frau im Herbst 2006 mit dem erfunden Profil eines Jungen namens Josh ein 13-jähriges Mädchen in ihrer Nachbarschaft. Durch Online-Mobbing habe sie den Teenager dann unter Druck gesetzt, so der Vorwurf. Das Mädchen, das früher mit der Tochter der Angeklagten befreundet war, fiel in Depressionen und nahm sich im Elternhaus das Leben.
Der 16-jährige imaginäre Josh hatte zunächst mit dem Mädchen geflirtet, dann aber abrupt die virtuelle Beziehung abgebrochen. In seiner letzten Botschaft an die 13-Jährige hieß es, "die Welt wäre ein besserer Ort" ohne sie. Noch am selben Tag erhängte sich das Mädchen in seinem Zimmer. "Das ist so, als hätte sich meine Tochter erschossen und als hätten Sie die Pistole dafür geladen", richtete sich der Vater des Mädchens dem US-Sender CNN zufolge an die Angeklagte. Während des Prozesses sollen eine Mithelferin der Angeklagten, die Eltern des Opfers, Psychologen und Computerexperten zu Wort kommen.
Der Prozess findet in Los Angeles (Kalifornien) statt, wo die Internet-Plattform MySpace ihren Geschäftssitz hat. Bei einer Verurteilung drohen der Angeklagten bis zu 20 Jahre Haft.
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