Dienstag, 19. Januar 2010
Mehr Schutz für Prostituierte: Amsterdam legt Mindestalter fest
Um die Freiwilligkeit ihrer Tätigkeit sicherzustellen, legt die Amsterdamer Stadtverwaltung ein Mindestalter für Prostituierte fest und will durchsetzen, dass "Sexarbeiterinnen" sich eine Lizenz besorgen.
Eine Amsterdamer Prostituierte wartet an der Tür ihres Appartements im Amsterdamer Rotlichtviertel auf Kunden.
(Foto: dpa)
Prostituierte im weltberühmten Rotlichtviertel von Amsterdam müssen künftig mindestens 23 Jahre alt sein und gut Niederländisch oder Englisch sprechen. Zudem wird den Fensterbordellen und Pornoshows entlang der malerischen Grachten in der Alstadtgegend "De Wallen" ein "Ladenschluss" zwischen 04.00 und 08.00 Uhr auferlegt. Die Pläne machte der zuständige Stadtrat Lodewijk Asscher in der Zeitung "De Telegraaf" bekannt.
"Mit gerade mal 18 Jahren sind die Mädchen aus Bulgarien, Rumänien oder Ungarn noch sehr verletzlich. Sie werden hierher geholt, aber sie sind dem Druck überhaupt noch nicht gewachsen", sagte der Stadtpolitiker. "Eine Frau von 23 ist hingegen schon viel erwachsener und kann sich besser wehren."
Freiwilligkeit muss sichergestellt werden
Die Amsterdamer Verwaltung werde künftig auch durchsetzen, dass sich alle "Sexarbeiterinnen" tatsächlich bei der Handelskammer eine Lizenz besorgen. Dabei müssten sie eine ausreichende Kenntnis der Landessprache und des Englischen oder zumindest der französischen oder spanischen Sprache unter Beweis stellen.
"Amsterdam ist eine Weltstadt und Prostitution gehört dazu", sagte Asscher. Es müsse aber sichergestellt werden, dass die Frauen dieser Tätigkeit wirklich freiwillig nachgehen und sich gegen unerbetene Freier durchsetzen können.
Das Prostitutionsverbot in den frühen Morgenstunden begründete Asscher damit, dass so die Kontrolle der Wallen-Gegend - darunter die Fahndung nach illegalen Zuhältern - durch Sicherheitskräfte erleichtert werde. "Um die Zeit laufen da doch sowieso fast nur Trunkenbolde und Fieslinge rum."
"rosse buurt" soll verkleinert werden
Der Stadtrat hat auch die Federführung für die Ende 2008 beschlossene Neugestaltung der Wallen. Danach soll die "rosse buurt" (Rotlichtgegend) im Laufe mehrerer Jahre erheblich verkleinert werden. Über die Hälfte der mehr als 500 Huren-Schaufenster und der über 80 Haschisch-Kneipen sollen aus dem historischen Altstadtkerns Amsterdams verschwinden.
Im Zuge des Plans "Erneuerung des Herzens von Amsterdam" sollen die Wallen "zu einem der abwechslungsreichsten und interessantesten Stadtviertel Europas" werden. Prostitution und Cannabis-Konsum sollen dabei nicht abgeschafft, aber auf einen Kernbereich entlang einer der großen Grachten konzentriert werden. In freiwerdenden Grachtenhäuser sollen Galerien, Geschäfte und Restaurants einziehen. Bislang ist Amsterdam bei Verwirklichung dieser Pläne noch nicht weit gekommen.
dpa
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