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Birgen Air stellte den Betrieb nach dem Unglück ein.
Birgen Air stellte den Betrieb nach dem Unglück ein.(Foto: dpa)

Birgen-Air-Absturz vor 20 Jahren : Angehörige suchen weiter nach Antworten

Von Lisa Schwesig

Es ist das Unglück mit den meisten deutschen Opfern: 1996 stürzt eine Passagiermaschine kurz nach dem Start in der Dominikanischen Republik ins Meer. 189 Menschen sterben, viele von ihnen werden nie gefunden. Auch die Absturzursache gibt weiter Rätsel auf.

Es wird das letzte Mal sein, dass die Angehörigen der Opfer des Absturzes von Flug 301 vom 7. Februar 1996 (6. Februar Ortszeit) zu einem Gedenkgottesdienst in Frankfurt am Main zusammenkommen. Viele seien mittlerweile zu alt für eine derartige Reise, erklärt die Organisatorin der Trauerfeier, Heidi Schalek. Vor 20 Jahren verlor sie ihre zu diesem Zeitpunkt 31 Jahre alte Tochter und ihren Schwiegersohn bei dem Unglück. Eine Maschine der türkischen Fluggesellschaft Birgen Air stürzte wenige Minuten nach dem Start in der Dominikanischen Republik in den Atlantik. Alle 176 Passagiere und 13 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Sie waren auf dem Weg über Frankfurt am Main nach Berlin.

73 Leichen können geborgen werden, von 166 Menschen fehlt bis heute jede Spur.
73 Leichen können geborgen werden, von 166 Menschen fehlt bis heute jede Spur.(Foto: Associated Press)

Noch immer haben viele Familien den Verlust nicht verkraftet - auch, weil teils jahrelang Ungewissheit über den Verbleib ihrer Angehörigen herrschte. Claus Weisner, dessen Schwager Ralf damals in der Unglücksmaschine saß, engagiert sich noch immer als Seelsorger für die Hinterbliebenen. Ihm wurde erst an Jahr nach dem Absturz mit Gewissheit mitgeteilt, dass sein Schwager sich unter den Toten befinde, erzählt der 59-Jährige der "Märkischen Allgemeinen Zeitung". Viele Angehörige erfuhren erstmals aus den Medien, dass alle Insassen der Maschine tot sind. Bis heute werfen sie den deutschen Behörden vor, zu wenige Informationen herausgegeben zu haben.

Die Bergung der Leichen gestaltete sich tagelang schwierig. Schlechte Wetterverhältnisse und Haie vor der Küste von Puerto Plata machten einen Einsatz von Rettungskräften unmöglich. Die eigentliche Unglücksursache ist bis heute ungeklärt. Die dominikanischen Behörden gehen von einem fehlerhaften Geschwindigkeitsmesser und einem daran anschließenden Fehler des Piloten aus. Vermutlich stieg das Flugzeug durch die falschen Messungen nicht schnell genug in die Luft und geriet nicht einmal fünf Minuten nach dem Start ins Trudeln. Der Pilot bekam die Maschine nicht mehr unter seine Kontrolle und sie zerschellte zwanzig Kilometer vor der Küste auf der Meeresoberfläche.

Wrack liegt noch immer im Meer

Besonders prekär an dem Unglück ist, dass die eigentlich vorgesehene Maschine wegen eines Defektes durch einen Charterflugzeug des Typs Boeing 757 ausgetauscht wurde. Nach dem Flugzeugabsturz stellte Birgin Air 1996 den Betrieb gänzlich ein. Der Absturz der Birgen-Air-Maschine ist mit 164 deutschen Opfern bis heute das Unglück mit den meisten deutschen Todesopfern der Luftfahrgeschichte. Beinahe alle Passagiere aus Deutschland buchten ihre Reise beim Reisveranstalter Öger Tours.

Seit zwanzig Jahren liegt die Maschine in den Meerestiefen vor der Küste von Puerto Plata. Noch immer sollen darin die sterblichen Überreste der Passagiere und Besatzung eingeschlossen sein. Nur 73 der insgesamt 189 Leichen konnten geborgen werden. Die meisten Insassen kamen wohl durch die Heftigkeit des Aufpralls auf der Meeresoberfläche ums Leben. Auch das Fehlen der menschlichen Überreste macht die Trauerarbeit für die Hinterbliebenen besonders schwer.

Noch immer trifft sich Seelsorger Claus Weisner jährlich mit vielen Angehörigen in einer Kirche nahe dem Flughafen Berlin-Schönefeld, an dem die Passagiermaschine landen sollte. "Mit Schicksalsgenossen ist Schmerz leichter zu ertragen", sagt er der "Maz". Sowohl in Schönefeld als auch in Frankfurt und Puerto Plata wurden Gedenksteine für die Opfer aufgestellt, in denen ihre Namen eingraviert sind. Für Weisner helfen diese Orte, das Unglück und den daraus entstandenen Verlust zu begreifen.

Quelle: n-tv.de

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