Anwalt in Indien bezweifelt SelbstmordAngeklagter in Zelle erhängt

Der Fahrer des Busses, in dem eine indische Studentin im Dezember brutal vergewaltigt wurde, wird erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Die Behörden gehen davon aus, dass sich der mutmaßliche Rädelsführer der sechs Angeklagten selbst tötete. Sein Anwalt und seine Angehörigen folgen einer anderen Version.
Einer der mutmaßlichen Vergewaltiger einer 23-jährigen Inderin ist im Hochsicherheitsgefängnis Tihar in Neu Delhi tot aufgefunden worden. Er habe sich nach Angaben von Gefängnismitarbeitern in seiner Einzelzelle aus seiner Kleidung einen Strang gedreht und erhängt, berichtete der indische Nachrichtensender NDTV. Auch die Behörden gingen davon aus, dass der mutmaßliche Rädelsführer der sechs angeklagten Männer Selbstmord beging. Sein Anwalt und seine Angehörigen äußerten indes Zweifel.
Der 33-Jährige war der Fahrer des Busses, in dem am 16. Dezember die Studentin im Beisein ihres Freundes entführt, vergewaltigt und gefoltert wurde. Die junge Frau starb zwei Wochen später an ihren Verletzungen. Nach Polizeiangaben ist der Busfahrer der Hauptverdächtige, da er die Idee zur Tat gehabt haben soll. Ihm drohte wie den anderen vier volljährigen Angeklagten die Todesstrafe, ein sechster mutmaßlicher Täter steht vor einem Jugendgericht.
Zunächst hatte es geheißen, der Mann habe in einer Einzelzelle Suizid verübt. Doch wie er starb, ist unklar. Gefängnissprecher Sunil Gupta sagte, der Hauptangeklagte sei nicht allein in seiner Zelle gewesen. Mit ihm seien drei weitere Insassen untergebracht gewesen, die nicht wegen des Verbrechens an der Studentin angeklagt waren.
Nach Angaben von Gupta gibt es in den Zellen keine Überwachungskameras, die Insassen würden direkt von den Sicherheitskräften überwacht. Die Verteidiger der Angeklagten hatten mehrfach erklärt, ihre Klienten würden im Gefängnis von anderen Insassen auf Geheiß der Polizei gefoltert.
Anwalt bezweifelt Suizid
Der Tod seines Mandanten sei "eine durchgeplante Verschwörung", sagte sein Verteidiger. Sein Klient sei nicht depressiv gewesen und habe vor einigen Tagen noch seine Familie getroffen. So habe er noch am Freitag gefasst und nicht verzweifelt gewirkt. "Das war kein Selbstmord, das war etwas anderes", sagte der Verteidiger. Der Angeklagte habe sich darüber beschwert, dass er in der Haft gepeinigt worden sei. Konkret äußerte sich der Anwalt dazu aber nicht. Zuvor hatte er noch erklärt, sein Mandant werde im Gefängnis nicht misshandelt. Allerdings habe er bei Gericht darum gebeten, dass die Sicherheitsvorkehrungen für die fünf Angeklagten erhöht werden.
Eine Untersuchung zu den Todesumständen sei angeordnet worden, sagte der Gefängnissprecher. Die Leiche habe keine äußeren Verletzungen aufgewiesen und werde zur Autopsie in ein Krankenhaus gebracht.
Ein ranghoher Polizeivertreter hatte zuvor von Selbstmord gesprochen und gesagt, der Mann sei bereits in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort hätten Ärzte noch versucht, ihn wiederzubeleben, dies sei aber vergeblich gewesen.
Familie des Opfers ist erbost
Unterdessen hat der Vater der getöteten Medizinstudentin die Behörden . "Wie konnten sie ihn die Art wählen lassen, auf die er sterben wollte?", fragte er. Die Polizei habe versagt und er frage sich, wie es mit dem Verfahren weitergehen werde. Die Mutter der Toten zeigte sich ebenfalls schockiert. Sie habe Gerechtigkeit für ihre Tochter gewollt, aber nun sei der Hauptangeklagte tot, sagte sie.
Die brutale Vergewaltigung hatte in Indien eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Es begann eine breite Diskussion über die Sicherheit von Frauen in der Öffentlichkeit. Auch im Ausland fanden der Fall und die zahlreichen Proteste in den Wochen danach Beachtung. Nach der Tat wurden mehrere Schnellgerichte eingerichtet, die sich ausschließlich mit Gewalttaten gegen Frauen befassen. Vor einem dieser Gerichte stand der 33-Jährige fast täglich.