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Seit Mitte Dezember ist die Maske wieder zu sehen.
Seit Mitte Dezember ist die Maske wieder zu sehen.(Foto: REUTERS)

Kunstwerk notdürftig geflickt: Anklagen wegen Tutanchamuns Bart-Bruch

Wegen Beschädigung der berühmten Totenmaske des Pharaos Tutanchamun bekommen Mitarbeiter des Ägyptischen Museums in Kairo Ärger mit der Justiz: Den Männern wird der Prozess gemacht.

Acht Angestellte des Ägyptischen Museums in Kairo müssen sich vor Gericht verantworten, weil sie die Totenmaske des Pharaos Tutanchamun beschädigt hatten. Vor etwa einem Jahr war der Bart des Kunstwerks abgefallen, angeblich als Putzkräfte beim Reinigen der Vitrine gegen die Maske stießen. "Daily News Egypt zufolge" passierte das Malheur allerdings, als das Kunstwerk aus der Vitrine geholt wurde, um die Beleuchtung zu reparieren.

Wie dem auch sei, der königliche Zeremonialbart wurde wieder befestigt. Doch das geschah ziemlich unsachgemäß: Eilig verwendeten die Verantwortlichen dazu Epoxidharz, ein Kunstharz, der schnell hart wird und gut hält. Heimwerkern dürfte der Stoff bekannt sein. Unter Museumsrestauratoren ist das Mittel eher unüblich, es ist kaum möglich, damit sauber zu arbeiten. Der gelbe Kleberand an Tutanchamuns Bart war ziemlich auffällig. Und so dauerte es nicht lange, bis das Missgeschick entdeckt wurde.

Wie der britische "Independent" unter Berufung auf ägyptische Medien berichtet, müssen sich die acht Männer wegen Pflichtverletzung und der Missachtung professioneller Standards verantworten. Zu ihnen gehören angeblich ein ehemaliger Direktor des Museums und ein früherer Chef-Restaurator.

Sie haben nicht nur den Bart beschädigt, lautet der Vorwurf der Ermittler. Außerdem soll Klebstoff auf Teile der Maske gekleckert sein. Und auch hier agierten die Angestellten hektisch und griffen zum Messer und kratzten. Oder wie es ein Staatsanwalt ausdrückt: "Sie versuchten, ihr Verbrechen zu verbergen, indem sie scharfe Metallgegenstände benutzten, um Klebereste zu entfernen. Damit haben sie ein mehr als 3000 Jahre altes Kunstwerk beschädigt - ohne Gewissen." Wann der Prozess beginnt, ist noch unklar.

Finanzierung aus Deutschland

Die goldene Totenmaske des Pharaos ist nach einer Restaurierung mit deutscher Hilfe seit Mitte Dezember wieder in ihrer Vitrine im Ägyptischen Museum in Kairo zu sehen.

Die Restaurierungsarbeiten an der zwölf Kilogramm schweren Maske wurden zu gleichen Teilen vom Auswärtigen Amt und der Gerda-Henkel-Stiftung finanziert. Beteiligt waren Klebstoff-Forscher der Firma Henkel, Experten des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz und der dortigen Hochschule sowie Spezialisten auf dem Gebiet der Archäometrie, die naturwissenschaftliche Methoden zur Klärung archäologischer Fragen anwenden.

Das Grab des Pharaos Tutanchamun (um 1330 v.Chr.) hatte der britische Archäologe Howard Carter nach jahrelanger Suche 1922 im "Tal der Könige" bei Luxor entdeckt. Es war mit goldenen Masken, Möbeln und anderen Schätzen gefüllt. Die Totenmaske gehörte dabei zu den wertvollsten Funden. Viele der unbezahlbaren Schätze sind heute in Kairo im Archäologischen Museum ausgestellt.

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Quelle: n-tv.de

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