Panorama
Ministerpräsident Wolfgang Böhmer klebt am 24.05.2005 in Magdeburg das erste Plakat zum Auftakt der bundesweiten Werbekampagne.
Ministerpräsident Wolfgang Böhmer klebt am 24.05.2005 in Magdeburg das erste Plakat zum Auftakt der bundesweiten Werbekampagne.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Donnerstag, 27. Mai 2010

"Werbespruch nervt gewaltig": Ärger im Land der Frühaufsteher

Ist es nun eine geniale Idee oder einfach nur peinlich? Seit fünf Jahren wirbt Sachsen-Anhalt mit dem Slogan "Wir stehen früher auf" und sieht sich damit in einer Liga mit Baden-Württembergs "Wir können alles, außer hochdeutsch". Doch jetzt droht Ärger.

Im Land der Frühaufsteher gibt es Ärger: Mehrere Parlamentarier finden es nur noch peinlich, dass Sachsen-Anhalt seit fünf Jahren mit dem Slogan "Wir stehen früher auf" für sich wirbt. Doch statt bundesweit für Aufsehen sorgt der Spruch eher für Ärger in der Heimat.

Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) findet ihn nur noch nervig, das Land werde dafür vor allem belächelt. "Sie können sich gar nicht vorstellen, wie ich diesen Slogan hasse", zitierte ihn die "Mitteldeutsche Zeitung". Linke-Fraktionschef Wulf Gallert sprang dem Minister bei und forderte ein Ende des "Unfugs". "Diese Kampagne ist unpassend und überflüssig."

Staatskanzlei und CDU-Landtagsfraktion widersprachen vehement. "Die Kampagne hat den Bekanntheitsgrad Sachsen-Anhalts in den vergangenen Jahren deutlich erhöht", sagte Regierungssprecherin Monika Zimmermann. "Sie wird in Fachkreisen als sehr gelungen eingestuft." Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) forderte die Kritiker auf, eigene Vorschläge zu machen. "Einfach platt zu machen und zu kritisieren, hat noch niemandem geholfen", sagte er im MDR.

Früh aufstehen ist kein Wert an sich

Die Werbeaktion wurde 2005 gestartet und kostete 2,5 Millionen Euro. Ausgangspunkt war eine Umfrage, nach der die Sachsen-Anhalter im Schnitt morgens um 6.39 Uhr aufstehen - und damit angeblich früher als alle anderen Deutschen. Seither ziert der Slogan zum Beispiel bundesweit Plakate, kommt in Kino- oder Internetspots vor. Autofahrer werden auf Autobahnen an der Landesgrenze "im Land der Frühaufsteher" willkommen geheißen.

Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre musste früh raus, um Investoren und Touristen mit dem Spruch anzulocken.
Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre musste früh raus, um Investoren und Touristen mit dem Spruch anzulocken.(Foto: dpa)

Die Idee dabei: Frühaufsteher - also die Sachsen-Anhalter - sollen tüchtiger und kreativer sein als Langschläfer. Das zündet offensichtlich nicht immer. Überall, wo er hinkomme, werde er darauf angesprochen, allerdings nicht positiv, beklagte Bullerjahn. "Das wird meist kritisch hinterfragt, im besten Fall nur milde belächelt." Und weiter: "Früh aufstehen ist ja noch kein Wert an sich."

Neuausrichtung dringend geboten

Auch Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) will - passend zu den Begrüßungsschildern an der Autobahn - "mehr Drive" in die Kampagne bekommen, wie er sagte. Nach innen habe der Slogan durchaus funktioniert, die Identifikation gerade junger Leute mit ihrem Bundesland habe deutlich zugenommen. Ein Problem sieht er aber beim Außenmarketing: "Gerade im Westen wirkt das abschreckend, die Leute dort wollen gerne mal vernünftig ausschlafen." Die neue Landesregierung müsse das Thema nach der Wahl 2011 neu anpacken.

Der Vorsitzende des Tourismusverbandes, Lars-Jörn Zimmer, findet die Kampagne gut. "Im überregionalen Marketing hat dem Land zuvor ein echter Aufhänger gefehlt. Wir haben kein Neuschwanstein, keine Lederhosen und wir sprechen auch nicht sächsisch", erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete. FDP-Fraktionschef Veit Wolpert sieht in dem Frühaufsteher-Spruch eine eingeführte Marke. Weiterentwickeln ja, neue Kampagne nein, denn: "Auch eine neue Landesregierung wird nicht viel Geld für bunte Bilder ausgeben können."

Quelle: n-tv.de

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