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Britischer Sender tief in der Krise: BBC braucht einen neuen Chef

Die BBC steht für hochseriöse, kompetente Nachrichten. Doch die britische Sendeanstalt hat sich mit falschen Anschuldigungen und Fehlern bei der Aufarbeitung eines Missbrauchs-Skandals in eine der schwersten Krise ihrer Geschichte manövriert. Der Chef zieht die Konsequenzen: Er tritt zurück.

Die renommierte britische Sendeanstalt BBC rutscht immer tiefer in die Krise: Nach einem umstrittenen Bericht über den britischen Missbrauchsskandal in seiner Sendergruppe trat BBC-Chef George Entwistle am Samstagabend zurück. Verwaltungsratschef Chris Patten forderte tiefgreifende Reformen in der Organisationsstruktur des weltweit angesehenen Senders.

Die Missbrauchsaffäre erschüttert Großbritannien seit Wochen.
Die Missbrauchsaffäre erschüttert Großbritannien seit Wochen.(Foto: dpa)

"Ich habe entschieden, dass es die angemessene Reaktion ist, zurückzutreten", sagte Entwistle in London. Zuvor hatte die Ausstrahlung eines BBC-Berichts Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen den konservativen Politiker Alistair McAlpine zur Folge, die sich als falsch erwiesen.

EX-Pepsi-Manager übernimmt

Als Generaldirektor sei er "letztlich verantwortlich für den gesamten Inhalt" der BBC-Sendungen, begründete der erst im September ins Amt gekommene Entwistle seinen Rücktritt. "Die ganzen Ereignisse der vergangenen Wochen haben mich zu dem Schluss gebracht, dass die BBC einen neuen Chef haben sollte."

Die BBC hatte sich bereits am Freitagabend bei McAlpine entschuldigt. Am Samstag sagte Entwistle zunächst dem BBC-Radio, die Ausstrahlung des Berichts der Sendung "Newsnight", der Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen McAlpine zur Folge hatte, sei "grundlegend falsch" gewesen. Am Abend trat er dann zurück. Vorübergehend übernimmt der früherer Pepsi-Manager Tim Davie, Chef des BBC-Weltdienstes, die Stelle des Generaldirektors.

Ermittlungen gegen BBC-Starmoderator

"Newsnight" hatte in den vergangenen Tagen über Steve M. berichtet, der in den 70ern in einem Kinderheim in Wales missbraucht worden war. Obwohl der Täter in der Sendung nicht namentlich identifiziert wurde, kursierte kurz darauf im Internet das Gerücht, es handele sich um den Politiker McAlpine. Der frühere Schatzmeister der Konservativen bestritt am Freitag die Vorwürfe. Steve M. selbst teilte mit, dass nicht McAlpine der Täter gewesen sei.

Entwistle hatte bereits am Freitag angeordnet, dass "Newsnight" die Recherchen vorübergehend einstellt, um seine Arbeitsmethoden zu überprüfen. Die Sendung steht derzeit im Zentrum der Ermittlungen zum Fall des verstorbenen BBC-Starmoderators Jimmy Savile, der zu Lebzeiten hunderte Kinder missbraucht haben soll. "Newsnight" wird vorgeworfen, entsprechende Hinweise zurückgehalten zu haben.

Entwistle sollte der Reformer sein

Auf die Frage nach der Notwendigkeit von Reformen sagte Patten im Gespräch mit Moderator Andrew Marr im Fernsehprogramm BBC 1: "Wenn Sie mich fragen, ob die BBC eine gründliche Überprüfung ihrer Organisation braucht, dann ja, sie braucht sie unbedingt. Und das werden wir tun müssen." Den Rücktritt von Entwistle nannte der Verwaltungsratschef eine "Tragödie", weil er Entwistle just als Reformer bei der BBC eingesetzt habe.

Die britische Presse ging hart mit Entwistle ins Gericht. Die "Mail on Sunday" schrieb, Entwistle sei blind für die BBC-Krise gewesen und habe dafür den "höchsten Preis gezahlt". Im "Independent on Sunday" hieß es lakonisch: "Out of touch, out of depth, out of a job" (etwa: ohne Gespür, ohne Geschick, ohne Job)

40 Jahre lang Kinder missbraucht

Die Affäre Savile erschüttert seit Wochen Großbritannien und die BBC, immer wieder gibt es neue Enthüllungen. Scotland Yard hat inzwischen wegen des Verdachts auf "Missbrauch in noch nie dagewesenem Ausmaß" durch den Fernsehmoderator Ermittlungen eingeleitet. Den Ermittlern zufolge gibt es Hinweise, dass Savile rund 40 Jahre lang Kinder missbrauchte. Die Polizei geht von 300 möglichen Opfern aus. Savile war 2011 im Alter von 84 Jahren gestorben.

Quelle: n-tv.de

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