Panorama

Angst vor Schadenersatz-ForderungenBP unterwandert US-Universitäten

23.07.2010, 11:36 Uhr

BP soll wegen der Ölpest im Golf von Mexiko Wissenschaftler angeheuert haben, sie jedoch zum Schweigen über ihre Forschungsergebnisse verpflichten - bis die US-Regierung die Höhe des Schadenersatzes festgelegt hat. Der britische Öl-Konzern dementiert.

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Schweigepflicht für Wissenschaftler - Aufklärung im Sinne von BP? (Foto: AP)

Angesichts erwarteter Klagen wegen der Ölpest im Golf von Mexiko soll der britische BP-Konzern versucht haben, das Schweigen von Experten zu erkaufen. Hier habe ein Großunternehmen umfassend versucht, sich Stillschweigen zu sichern, sagte Cary Nelson vom Amerikanischen Verband der Professoren im britischen Rundfunksender BBC.

Von BP angebotene Verträge verlangen laut BBC von Wissenschaftlern, dass sie ihre Forschungen im Auftrag des Konzerns nicht veröffentlichen. Sie dürften zudem über die enthaltenen Daten mindestens drei Jahre lang nicht sprechen - oder jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt nicht, an dem die US-Regierung die Schadenersatzzahlungen wegen der Katastrophe abschließend festlege.

Reihenweise Experten unter Vertrag

An Universitäten entlang der Golfküste seien reihenweise führende Wissenschaftler von BP-Vertretern angesprochen worden, berichten US-Medien. Für Beratertätigkeiten neben ihrer Arbeit an den Hochschulen bietet der Ölkonzern demnach 250 Dollar - pro Stunde. Im Gegenzug verpflichten sich die Unterzeichner, auch vor Gericht keine Forschungsergebnisse preiszugeben.

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Wie unabhängig sind die Experten? (Foto: dpa)

"Es geht BP nicht darum, dass wir für sie aussagen, sondern dass wir nicht gegen sie aussagen", wird ein führender Wissenschaftler zitiert. Mehrere Universitätsverwaltungen geben den Meldungen nach an, Mitarbeiter von ihnen hätten die angebotenen Beraterverträge unterschrieben.

BP dementiert Klausel

Der BP-Konzern gab in einer Erklärung an die BBC zwar an, mehr als ein Dutzend Wissenschaftler mit Fachkenntnissen zum Golf von Mexiko angeheuert zu haben. Das Unternehmen erlege Forschern aber "keine Beschränkungen dabei auf, über wissenschaftliche Daten zu reden".

Bop Shipp, der Leiter der Meeresforschung an der Universität von South Alabama, sagte dem Sender jedoch, Anwälte von BP hätten ihn angesprochen und seine ganze Abteilung gewollt. Als er die Grundregeln festgelegt habe, dass alle Daten der Wissenschaftsgemeinschaft frei zugänglich sein und unabhängig überprüft werden müssten, seien die BP-Vertreter schnell wieder abgezogen. "Wir haben nie mehr von ihnen gehört."

Quelle: rpe/AFP