Dienstag, 16. Februar 2010
Man spricht deutsch: Bahn schafft Anglizismen ab
"Meeting-Point", "Hotlines" und "Kiss&Ride" – die Anglizismen bei der Deutschen Bahn sollen verschwinden. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, will die Bahn Schritt für Schritt die Mischung zwischen Deutsch und Englisch aus dem Bahn-Alltag verbannen.
"Call a bike" ist künftig auch "das Mietrad-Angebot der Deutschen Bahn".
(Foto: picture-alliance/ dpa)
So sollen Flyer künftig Handzettel heißen, Hotlines werden wieder zu Nummern. Das versicherte Bahnchef Rüdiger Grube dem Blatt zufolge in einem Brief an den Bundestagsabgeordneten Ernst Hinsken von der CSU.
Auslöser der Rückbesinnung auf die deutsche Sprache ist offenbar der Ärger eines bayerischen Schulleiters über die Einrichtung einer Kiss&Ride-Zone am Straubinger Bahnhof. Der Unmut erreichte schnell den Wahlkreisabgeordneten Hinsken, spätestens als die Straubinger Lokalzeitung titelte: "Hinsken für Kiss & Ride". Zahlreiche Bürger glaubten, der Abgeordnete plädiere für ein Rotlichtviertel statt für eine Kurzzeit-Parkzone. Daraufhin wandte sich Hinsken an den Bahnchef.
Laut Grube wird die Bahn aber nicht gleich alles über Bord werfen. Etablierte Markennamen wie BahnCard oder Intercity, die jeder verstehe, will die Bahn weiterhin verwenden. Bei der Dienstleistung "Call a bike" ist man sich dagegen nicht ganz sicher. Sie soll daher zunächst den Kunden mit der Erläuterung "das Mietrad-Angebot der Deutschen Bahn" schmackhaft gemacht werden.
Ramsauer wird jubeln
Noch ist nicht klar, ob es bei Empfängen in Ramsauers Ministerium künftig nur noch deutschen Winzersekt gibt.
(Foto: picture alliance / dpa)
Auf große Zustimmung wird die Kehrtwende der Bahn bei Verkehrsminister Peter Ramsauer stoßen. Der CSU-Minister hatte Anfang Februar für sein Ressort ein striktes "Denglisch"-Verbot erlassen. Die Vermengung deutscher und englischer Sprachelemente ist seitdem untersagt. So heißt das "Travel Management" im Bundesverkehrsministerium künftig wieder "Reisestelle". Statt "Task Forces" arbeiten bei Ramsauer jetzt "Projektgruppen", statt zum "Inhouse Meeting" versammeln sich die Ministerialbeamten zum "hauseigenen Seminar". "Ich will, dass im Haus wieder mehr deutsch gesprochen wird", erklärte der Minister.
tar
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