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Dienstag, 06. Oktober 2015

Organisierte Kriminalität: Banden erbeuten Milliarden in Deutschland

Sie arbeiten hoch konspirativ, international vernetzt und erschließen sich immer neue "Geschäftsfelder" - die Banden der organisierten Kriminalität. Für Deutschland kann keinesfalls Entwarnung gegeben werden.

Hinter vielen Wohnungseinbrüchen stecken beispielsweise OK-Banden.
Hinter vielen Wohnungseinbrüchen stecken beispielsweise OK-Banden.(Foto: dpa)

Die Bedrohung durch organisierte Verbrecherbanden in Deutschland ist weiterhin hoch. Im vergangenen Jahr habe es 571 Ermittlungsverfahren gegeben, teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Berlin mit. Die Zahl liegt leicht unter dem Niveau von 2013 mit 580 Verfahren. Es gebe aber keinen Grund für eine Entwarnung, betonte de Maizière.

Die Strukturen der Organisierten Kriminalität (OK) bedrohten die Wirtschaft und die öffentliche Sicherheit Deutschlands. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 299 Verfahren in dem Bereich neu eingeleitet, 7,2 Prozent mehr als 2013. Die Zahl der Tatverdächtigen sank auf 8700 Personen nach 9155 im Vorjahr. Zwei Drittel der Tatverdächtigen hätten eine ausländische Staatsbürgerschaft oder seien mit dieser geboren. Insgesamt seien 100 Nationalitäten vertreten, darunter 2014 vor allem Rumänen und Georgier.

Nicht nur Drogen und Prostitution

Kriminelle Banden wenden sich zunehmend auch Delikten zu, die früher eher die Spezialität von Einzeltätern waren. Dazu gehören zum Beispiel Autoklau, Wohnungseinbrüche und Ladendiebstahl. Organisierte Banden sind den Angaben zufolge vor allem im Rauschgifthandel (32,9 Prozent) tätig, gefolgt von Eigentumsdelikten (18,9 Prozent), Wirtschaftskriminalität (12,8 Prozent) sowie Steuer- und Zolldelikten (9,1 Prozent).

De Maiziere kündigte mehrere Gesetzesvorhaben an, um beispielsweise die Vermögen, die aus kriminellen Aktivitäten stammten, schneller abschöpfen zu können. Außerdem sollen künftig bereits die Mitgliedschaft in OK-Gruppen und mehr Tatbestände des Menschenhandels strafbar sein. Bei einigen Gesetzen sei man bereits in der Formulierungsphase.

Der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, sagte, hinter Betrügereien am Telefon, Ladendiebstählen oder Erpressungen über das Internet steckten häufig handfeste OK-Strukturen. Durch eine neue Kooperation von Bund und Ländern solle künftig schneller darauf reagiert werden. Es gehe darum, regional übergreifend auftauchende Phänomene schneller zu identifizieren und zu bekämpfen. Hinter der überschaubaren Zahl der Ermittlungsverfahren ständen Tausende von Einzeldelikten und Milliardengewinne.

Quelle: n-tv.de

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