Panorama

Viele sind gefährlichBangladesch prüft Fabriken

29.11.2012, 18:35 Uhr
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Hier gab es dutzende Tote. (Foto: dpa)

Bangladesch lebt von der Textilproduktion. Als extremes Billiglohnland geben sich hier die großen westlichen Textilketten die Klinke in die Hand. Die große Aufmerksamkeit, die ein verheerendes Feuer in einer Fabrik kürzlich schuf, mündet in einer Kontrollaktion der Regierung. Mit ersten Ergebnissen zur Sicherheit.

Nach der verheerenden Brandkatastrophe in einer Textilfabrik in Bangladesch haben unangekündigte Blitzkontrollen gefährliche Sicherheitsmängel in zahlreichen Betrieben des Landes ans Licht gebracht. Während hunderte Demonstranten den Hauptsitz des Textilindustrieverbands in der Hauptstadt Dhaka belagerten, begann die Feuerwehr eine groß angelegte Prüfung hunderter Fabriken im ganzen Land. Damit reagierte sie auf den Großbrand in einem Werk nahe Dhaka, bei dem in der Nacht zum Sonntag 110 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 100 verletzt worden waren.

"Allein heute haben wir 70 Fabriken überprüft, und ein Drittel hatte keine ausreichenden Feuerschutz", sagte Feuerwehr-Verwaltungsdirektor Abdus Salam. In mindestens fünf Betrieben seien gravierende Risiken festgestellt worden. Zunächst würden nun alle 574 Produktionsstätten im Ashulia, einem Vorort von Dhaka, kontrolliert, wo die meisten Textilfirmen des Landes ihren Sitz haben. Danach würden sich die insgesamt 15 Inspektorenteams andere Landesteile vornehmen.

Den Behörden zufolge war das neunstöckige Fabrikgebäude, in dem sich die Katastrophe am vergangenen Wochenende ereignete, nur für drei Stockwerke zugelassen. Überlebende Arbeiter warfen dem Management zudem vor, ihnen die Flucht vor dem Feuer verboten und von einer Routineübung gesprochen zu haben. Feuerwehrmänner berichteten, dass alle Notausgänge ins Erdgeschoss führten, wo Flammen den Weg ins Freie versperrten.

"Mein Fehler"

Der Inhaber des abgebrannten Betriebsgebäudes sagte, bei den bisherigen Kontrollbesuchen seien keine fehlenden Fluchtwege beanstandet worden. Deshalb habe er auch keine neuen geschaffen. "Jetzt verstehe ich, dass das mein Fehler war", so Delwar Hossain. Seine Firma stellt Kleidung für westliche Firmen wie den Bekleidungskonzern C&A und die US-Supermarktkette Walmart her.

Seit 2006 sind bei Dutzenden Feuern in pakistanischen Textilfabriken nach Zählung der in Amsterdam ansässigen Organisation Clean Clothes Campaign rund 700 Arbeiter ums Leben gekommen. Bis heute sei jedoch keiner der Eigentümer dafür zur Rechenschaft gezogen worden. Der Export von Kleidung macht vier Fünftel der jährlichen Exporte Bangladeschs aus. Die Branche stellt rund 40 Prozent der Industrie-Arbeitsplätze.

Quelle: ntv.de, AFP