Panorama

Pestizid-Cocktail im BeerenobstBauern und BVL wiegeln ab

28.07.2010, 15:42 Uhr
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(Foto: dpa)

Greenpeace hat bei Johannisbeeren in Lebensmittelmärkten Rückstände von Pestizide gefunden, die für diesen Einsatz nicht zugelassen waren. Beeren aus deutscher Produktion enthielten die Agrargifte Dodin und Difenoconazol. Der Bauernverband wiegelt ab und hält einen Pilzbefall für schlimmer. Auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hält die Kritik für überzogen

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(Foto: dpa)

Der Bauernverband und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Braunschweig halten die Warnungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace vor Gesundheitsgefahren durch die Agrargifte Dodin und Difenoconazol in Johannisbeeren für überzogen. "Die aktuelle Stichprobenuntersuchung von Greenpeace bei Beerenobst stellt fest, dass es keine einzige Überschreitung der Höchstmengen gibt", teilte der Deutsche Bauernverband in Berlin mit. Von Pestiziden in deutschen Lebensmitteln gehe keine Gefahr für die Verbraucher aus. Die Vorteile der Freiheit von Pilzbefall dürften dagegen nicht vergessen werden. Auch das BVL stellte in einer Presseerklärung klar, dass "die Ware verkehrsfähig" ist.

Greenpeace fand bei Johannisbeeren aus vier deutschen Handelsketten eine Mischung von bis zu neun verschiedenen Pestiziden. Obwohl bei einzelnen Spritzmitteln Grenzwerte nicht überschritten wurden, sieht Greenpeace in der Mehrfachbelastung eine Gesundheitsgefährdung. Bei Bio-Produkten soll es im Test keine Rückstände gegeben haben. "Die Summe macht's", sagte ein Sprecher. Einige der nachgewiesenen Substanzen könnten nervengiftig oder krebserregend wirken sowie den Hormonhaushalt und die Fortpflanzung beeinträchtigen.

Pestizide nicht für Johannisbeeren zugelassen

Die Greenpeace-Aussage, Beeren aus deutscher Produktion "beinhalteten die illegalen Agrargifte Dodin und Difenoconazol", bezeichnete das BVL als "fraglich". Pflanzenschutzmittel mit diesen beiden Wirkstoffen seien in Deutschland zwar zugelassen. Die Zulassung erstrecke sich aber auf die Anwendung in diversen Obstkulturen, nicht jedoch in Johannisbeeren. Bisher sei dafür aber auch kein Zulassungsantrag gestellt worden. Da die gemessenen Konzentrationen mit 0,03 bzw. 0,07 mg/kg äußerst gering waren, könnten die Rückstände auch andere Ursachen haben, zum Beispiel Abdrift aus einer benachbarten Kultur.

Die amtliche Lebensmittelüberwachung der Bundesländer würde in einem solchen Fall versuchen, die Ware zum Erzeuger zurückzuverfolgen und dort dann - in Zusammenarbeit mit der Anwendungskontrolle - weitere Ermittlungen anstellen. "Unabhängig von der Frage, ob der Erzeuger gegen Anwendungsvorschriften verstoßen hat, ist aber festzuhalten: Die Rückstände an Dodin und Difenoconazol liegen unterhalb des zulässigen Höchstgehaltes von 0,2 mg/kg; damit ist die Ware verkehrsfähig."

Quelle: dpa

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit