Freitag, 21. Mai 2010
"Sie nennen sich Fatima und Sarah": Befreite Kinder sprechen Arabisch
In ihrer Familie in Sachsen reagieren die vier- und sechsjährigen Mädchen auch auf ihre eigentlichen Namen Lydia und Anna, erzählt ihr Onkel. Die Kinder seien in ihrer jemenitischen Gefangenschaft offenbar gut behandelt worden.
Das Foto zeigt Anna (l) und Lydia, aufgenommen an einem unbekannten Ort.
(Foto: Sächsische Zeitung/privat)
Die beiden vor knapp einem Jahr im Jemen entführten Mädchen aus Meschwitz bei Bautzen sprechen sich mit arabischen Namen an. "Sie nennen sich Fatima und Sarah", sagte der Schwager des vermissten Vaters, Reinhard Pötschke, und bestätigte damit einen vorab veröffentlichten Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Innerhalb der Familie reagierten die Vier- und Sechsjährigen aber auch auf ihre eigentlichen Namen Lydia und Anna.
Zwei Tage nach ihrer Ankunft in Deutschland klappe die Verständigung immer besser. Zunächst hatten die Mädchen vor allem Arabisch gesprochen. "Wir gehen deshalb davon aus, dass sie schon lange von ihren Eltern getrennt waren", sagte Pötschke. Sie seien offenbar während ihrer Geiselhaft bei einem jemenitischen Stamm aufgenommen und gut behandelt worden.
Nach Angaben der in Dresden erscheinenden "Sächsischen Zeitung" sind die Kinder weder unterernährt noch sonnenverbrannt. Dies lasse nach Darstellung deutscher Kreise darauf schließen, dass die Mädchen sich in den vergangenen Monaten in der Obhut einer Familie oder in Betreuung einer Frau befunden hätten.
Offenbar nicht gewaltsam befreit
Offenbar seien die Kinder nicht gewaltsam befreit worden, berichtete die "Sächsische Zeitung" weiter. Sie seien im Grenzgebiet zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen an saudische Sicherheitskräfte übergeben worden. Beide Kinder trugen demnach hübsche Kleider. Dies lasse nach Einschätzung deutscher Experten darauf schließen, dass die Übergabe verabredet und vorbereitet gewesen sei. Die Kinder seien niemandem bei Nacht und Nebel entrissen worden, hieß es.
Über das Schicksal der 37-jährigen Eltern und des knapp zweijährigen Bruders Simon gibt es weiterhin keine Gewissheit. Ob die Mädchen mehr über deren Verbleib wissen, ist unklar. "Wir werden sie nicht bedrängen", so Pötschke.
dpa
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