Panorama
Die US-Amerikaner an der Ostküste leiden - weil sie Angehörige verloren haben oder ihr Heim.
Die US-Amerikaner an der Ostküste leiden - weil sie Angehörige verloren haben oder ihr Heim.(Foto: REUTERS)

"Sandy" kostet 140 Menschenleben: Behörden finden mehr Leichen

Die Hilfsbereitschaft ist groß - selbst Erzfeind Iran bietet den Opfern des Wirbelsturms "Sandy" seine Hilfe an. Und Bürger, Prominente und Unternehmen spenden Millionen. Wohl auch, weil immer mehr Details über den Tod von mittlerweile mehr als 140 Menschen ihr Mitleid weckt.

An der US-Ostküste ist die Zahl der Todesopfer des Hurrikans "Sandy" weiter gestiegen. Bis Donnerstagabend zählten die Behörden 98 Leichen, darunter 40 in New York. Allein im Stadtteil Staten Island, der von einer Flutwelle überrollt worden war, kamen 20 Menschen ums Leben. Zusammen mit den Toten in der Karibik forderte der Sturm mehr als 140 Menschenleben.

Video

Unterdessen dringen immer mehr Details über die Todesumstände der Opfer an die Öffentlichkeit. Manche wurden vor ihrem Tod zu Helden, andere kamen auf besonders tragische Art und Weise ums Leben.

Im Stadtteil Staten Island wurden Angaben des Fernsehsenders NBC zufolge die Leichen zweier Jungen im Schlamm gefunden. Die Mutter der zwei und vier Jahre alten Jungen hatte während des Sturms versucht, sie festzuhalten. Die Wassermassen spülten sie aber fort. Ein 28 Jahre alter Polizist rettete sieben Menschen das Leben. Als das Wasser in der Sturmnacht in seinem Haus immer weiter stieg, schaffte er alle nach oben - der älteste ein fast 70-jähriger Mann, der jüngste sein 15 Monate alter Sohn. Ein letztes Mal tauchte der Polizist in den Keller und kam nicht mehr zurück.

Eine 23-Jährige trat in eine Pfütze, in die ein abgerissenes Elektrokabel hineingefallen war. Sie starb an einem Stromschlag. Die US-Küstenwache musste derweil ihre bisher "härteste Entscheidung" fällen. Sie gab die Suche nach dem vermissten Kapitän des im Sturm in Seenot geratenen Filmschiffs "Bounty" auf. Die Suche habe insgesamt 90 Stunden gedauert, aber von dem 63-Jährigen aus dem Bundesstaat Florida, der seit mehr als 20 Jahren Kapitän der "Bounty" gewesen war, fehlte weiter jede Spur.

Mitleidsbekundung aus Berlin

Video

Das Mitgefühl ist entsprechend groß: Bürger, Unternehmen und Prominente spendeten fast 20 Millionen Dollar, rund 15 Millionen Euro. In New York ist ein Benefiz-Konzert mit Stars wie Bon Jovi, Sting und Bruce Springsteen geplant. Die Einnahmen des in Fernsehen und Internet übertragenen Konzerts sollen an das Rote Kreuz gehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundete in einem Schreiben an US-Präsident Barack Obama ihr Beileid. Selbst politische Feinde der USA zeigten sich großmütig: Iran bot die Entsendung von Flutexperten an, Kuba - selbst schwer betroffen - kondolierte.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach den Opfern in den USA, Kanada und der Karibik sein Mitleid aus. Die Vereinten Nationen haben in New York inzwischen den Betrieb wieder aufgenommen, nachdem sie zuvor zum ersten Mal in ihrer Geschichte für drei Tage am Stück geschlossen gewesen waren.

Schleppender Rückkehr zur Normalität

Die Lage in den verwüsteten Regionen an der Ostküste verbesserte sich unterdessen kaum. In Staten Island in New York beklagen Einwohner, der Bezirk sei von der Politik vergessen worden. Heimatschutzministerin Janet Napolitano versprach daraufhin ein Besuch. Bilder aufgebrachter Bürger kurz vor den Wahlen am Dienstag gilt es dieser Tage zu vermeiden.

Etliche Bürger in New York kritisierten überdies, dass die Polizei kaum präsent sei. Einwohner bangten um die Sicherheit auf den Straßen und in den U-Bahnen. In Manhattan patrouillierten aus diesem Grund Mitglieder der Guardian Angels, einer Freiwilligentruppe, die sich den Kampf gegen die Kriminalität zum Ziel gesetzt hat.

Weiterhin leben in der Millionenmetropole Tausende Menschen unter katastrophalen Bedingungen. Ihnen fehlen die Heizwärme, Trinkwasser und Toiletten, Telefone funktionieren nicht. Bis die am schlimmsten betroffenen Gebiete der Stadt wieder Strom haben, kann es nach Angaben des Energieversorgers noch bis zu zwei Wochen dauern.

Öl-Leck in New Jersey

Auch im Rest des Landes ging die Rückkehr zur Normalität nach der Katastrophe nur schleppend voran. In New Jersey war es vermutlich der Wirbelsturm, der einen Tank aufriss. Mehr als eine Million Liter Diesel sind Medienberichten zufolge ins Meer gelaufen.

Nach Schätzungen der Bundesbehörden verursachte "Sandy" im Osten der USA einen Gesamtschaden von 20 Milliarden Dollar. Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister Eqecat ging sogar von einem volkswirtschaftlichen Schaden von bis zu 50 Milliarden Dollar (etwa 38,5 Milliarden Euro) aus.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen